Zeitumstellung | Achtung Zeitumstellung! Was macht dies mit welcher inneren Uhr? 10 Tipps

Die Winterzeit beginnt am 26. Oktober, das heißt für uns: Die Zeit muss in der Nacht eine Stunde zurückgestellt werden. Je nachdem, was wir für ein Schlaftyp sind, ist das herrlich (ausschlafen!) oder schrecklich (noch früher wach liegen!). Doch es gibt noch mehr Wissenswertes darüber, wie unsere innere Uhr tickt.

1. Was die Zeitumstellung mit unseren Allergien anstellt

Die gute Nachricht zuerst: Zeitumstellung erzeugt keine Allergien. Warum dann diese Annahme? Weil zwischen der Diskussion um die Zeitumstellung und jener von Allergien eine Parallele besteht. Wir haben es mit Modeerscheinungen zu tun. Viele Menschen leiden tatsächlich unter Gluten- und Laktoseunverträglichkeiten. Diese chronischen Erkrankungen muss man ernst nehmen, weil sie das Leben der Betroffenen beeinträchtigen.

Seit Jahren ist aber auch der Trend zu sehen, sich als Mensch mit einer solchen Erkrankung interessant zu machen. Was den Betroffenen schadet, weil es das Leiden ins Lächerliche zieht. Ähnlich läuft es bei der Zeitumstellung, die den Körper wirklich belasten kann. Aber das Stundenverrücken scheint es zum Volksleiden gebracht zu haben. Laut Umfragen leidet jeder Dritte darunter, die Beschwerden würden tagelang anhalten. Konzentrationsschwächen und Abgeschlagenheit sind allerdings so allgemeine Phänomene, die an allen x-beliebigen Tagen auftreten können. Tobias Prüwer

2. Biorhythmus: Jeder Mensch rockt anders

Ludwig der Zweite von Bayern, der Märchenkönig, ging nachts seinen Regierungsgeschäften nach, den Tag verschlief er weitgehend. War sein Schlaf-Wach-Zyklus gestört? In der Chronobiologie (zu Altgriechisch χρόνος chrónos, Zeit) werden die Zyklen, die den Körper steuern, wissenschaftlich untersucht. Alle Menschen, sogar Einzeller, besitzen diese „innere Uhr“, sie tickt bei jedem anders. Eine – unbewiesene – Biorhythmus-Hypothese behauptet, alle menschlichen Zustände seien von der Geburt an dem gleichen Zyklus unterworfen.

Das hatte eine Weile Konjunktur, mutet aber eher wie eine rhythmische Zwangsjacke an. Im Alltag geht’s mehr um die „Hochs“ und „Tiefs“, die uns mal beflügeln, mal ausbremsen. Manchmal schieben wir unsere eigene Trägheit auf den Biorhythmus. Aber eines ist sicher: Jeder Mensch rockt anders (→ Lerchen & Eulen). Magda Geisler

3. Endlich Kakao und Kaminfeuer!

Die Zeitumstellung hat keinen guten Ruf mehr. Als Energiesparmaßnahme – der Grund ihrer Einführung – ist ihr Effekt kaum messbar, stattdessen wird sie als Belastung empfunden. Ich aber würde sie sehr vermissen, wenn es sie nicht mehr gäbe. Macht sie doch den Wechsel der Jahreszeiten mit einer Emphase deutlich, die jedenfalls im grauen Berlin gut tut. Ende März wirken die plötzlich langen, hellen Abende wie eine Aufforderung, wieder mehr nach draußen zu gehen und die Welt um sich herum wahrzunehmen – und nähren die durch den langen Winter schwach gewordene Hoffnung, dass das viele schlechte Wetter doch noch ein Ende finden könnte.

Ende Oktober dagegen, wenn es mit ähnlicher Schlagartigkeit um halb fünf dunkel wird, geht von ihr der Effekt von Kaminfeuer und dem Duft von warmem Kakao aus: Man kann getrost zu arbeiten aufhören, sich auf dem heimischen Sofa einrichten und endlich die ganzen Serien bingen, zu denen einem die langen Sommerabende keine Zeit ließen. Barbara Schweizerhof

4. Biorhythmus II: Wie war das mit den Lerchen & Eulen?

Mit Blick auf unsere Leistungsgesellschaft scheint es, als regierten die Frühaufsteher – die sogenannten „Lerchen“ – ganz nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Morgenstund hat Gold im Mund“. Für die Spätaufsteher, die „Eulen“, hat der Morgen dagegen eher einen bitteren Geschmack. Die Langschläfer gelten schnell als unproduktiv, obwohl abends die besten Ideen erwachen. Schulbeginn und Bürozeiten stehen zudem im Gegensatz zur inneren Uhr (→ Biorhythmus) vieler Menschen. Dann kam die Pandemie: Flexiblere Startzeiten ermöglichten es Eulen, endlich zu leben, wie sie wirklich ticken, ganz ohne Wecker. Fünf Jahre später scheinen die Frühaufsteher in vielen Bereichen noch immer die Oberhand zu haben (und hypen Routinen wie den „5-Uhr-Club“). Wann kommt endlich die Gleichstellung der Eulen?Laura Schlagheck

5. Mit welcher Matratze gelingt das Schlafen besser?

Ein paar Mal im Leben ist es wieder soweit: Man braucht eine neue Matratze. Ob nun Federkern, Memo- und Kaltschaum oder Latex – die Auswahl ist unübersichtlich groß, und der Leidensweg für Bauch-, Seiten- oder Rückenschläfer manchmal elendiglich lang, ehe das neue objet du désir endlich im eigenen Bettgestell zu liegen kommt. Dass dann aber auch der Lattenrost noch eine gewaltige Rolle spielt, muss man erfahren, wenn die richtige Matratze auf der falschen Unterlage liegt. Matratzen sind also eine Wissenschaft, betrieben von konventionellen oder ökologisch wertvollen Schlafstudios mit wortreich parlierenden Schlafberatern, darunter muntere Scharlatane.

Wer schließlich fündig geworden ist beim Suchen nach der richtigen Matratze auf dem richtigen Lattenrost, kann sich dann nach zahlreichen mehr oder minder schlaflosen und verquälten Nächten (→ Wolfsstunde) endlich wieder beruhigt zur Seite drehen. Oder auf den Bauch oder den Rücken. Für hoffentlich lange Jahre. Beate Tröger

6. Die innere Uhr fördert den Jazz

Präzision in der Musik? Womöglich überschätzt. So großartige Musik gibt es, die es mit der Genauigkeit nicht so genau nimmt. Musiker und Musikerinnen sind keine Maschinen. Das haben jüngst Musikwissenschaftler herausgefunden. Und diese menschlichen Mikroschwankungen im Rhythmus, die Abweichungen von Perfektion sind es, die uns Musik eben so lebendig erscheinen lässt. Glanzlos und künstlich ist die Präzision, ohne Ausdruck, leer.

Göttinger Forscher aus dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und dem Bernstein Zentrum für Computergestützte Neurowissenschaften haben Jazz-, Rock- und Popaufnahmen analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Mikroabweichungen bei Jazzern besonders häufig sind – sie nehmen sich einfach die Freiheit, auf ihre innere Uhr zu hören (→ Biorhythmus). Marc Peschke

7. Snoozen: Ist das gesund?

Stehen Sie nach dem ersten Weckerklingeln auf? Falls nicht, geht es Ihnen wie vielen Deutschen: Sie hängen in der Snooze-Schleife. Wenn der Handywecker klingelt, der sie aus dem Schlaf (→ Vier-Stunden-Schlaf) holen soll, drücken sie auf den Knopf zum Schlummern. Eine Halbschlaf-Entscheidung, die dazu führt, dass der Wecker ein paar Minuten Ruhe gibt – und dann erneut klingelt. Nicht selten wird der Snooze-Modus zur Dauerlösung: Immer wieder nacheinander wird auf Snooze gedrückt.

Ich habe meinen Wecker selbst viel zu lange so genutzt – und mir mehrere Wecker gestellt, weil ich manchmal, statt zu Snoozen, den Wecker versehentlich ausgeschaltet habe. Erholsam ist Snoozen keineswegs. Es ist nur ein einfacher Weg, um dem anstehenden Tag noch ein paar Minuten zu entgehen. Wer steht schon gerne auf, statt noch weiterzuschlafen? Allerdings ist der Minutenschlaf (→ Zeitzonen) zwischen den Weckern häufig unruhig – wenn man überhaupt richtig einschlafen kann. Da lohnt es sich eher, den Wecker auf eine spätere Zeit zu stellen und dann wirklich aufzustehen. Ben Mendelson

8. Vier-Stunden-Schlaf: Wie viel schlafen die Politiker*innen wirklich?

Der Finanzminister sah nicht gut aus. Und das lag wohl nicht nur an den Fragen der Moderatorin. Vielleicht war er einfach müde. Schon als frisch gebackener Generalsekretär der SPD hatte Lars Klingbeil erklärt, auch mal mit 20 Stunden Schlaf auskommen zu müssen. Er meinte: In der Woche. Damals war er gerade 40. Heute, sieben Jahre später, dürfte sich daran wenig geändert haben. Berufsrisiko, könnte man sagen. Denn politische Macht bedeutet offenbar Schlafentzug.

Auch Ex-Kanzler Olaf Scholz, eigentlich Langschläfer, hielt Nachtruhe für überschätzt. Und die „eiserne Lady“ Margaret Thatcher kam angeblich mit vier Stunden pro Nacht aus. Gesund sei das nicht, sagt die Schlafforschung und rät zum erholsamen Nickerchen am Tage. Gelegenheit dazu gibt es während der vielen Sitzungen ja sicher genug. Joachim Feldmann

9. Wolfsstunde: Was tun, wenn wir nachts um drei wach liegen?

Dieses blöde Wachliegen kurz nach drei, während man eigentlich weiterschlafen möchte! Dieses Grübeln, um die Aufgaben des nächsten Tages im Kopf zu sortieren! Ob wir da etwa eine Nacht-Konferenz abhalten würden, habe ich in der Redaktion gefragt. Und siehe da, nicht wenigen meiner Kolleginnen und Kollegen ging es ebenso. Für unsere fernen Vorfahren war es die Zeit, in der sie Wölfe jagten.

Heute wissen wir, dass zwischen drei und vier Uhr nachts der Schlafzyklus (→ Vier-Stunden-Schlaf) eine Wende nimmt. Die erste Erholungsphase ist vorbei, und das Stresshormon Cortisol nimmt wieder zu, um den Körper auf den Beginn des Tages vorzubereiten. Da beginnt sich bei vielen das Gedankenkarussell zu drehen. Nun aber bloß nicht zum Schlafhormon Melatonin greifen, denn davon ist der Spiegel ohnehin sehr hoch, was die Balance mit anderen Hormonen gefährdet. Lieber aufstehen, ein Glas Wasser trinken und sich beruhigen, lesen, Musik hören, fernsehen: Womit uns die Wolfsstunde in der Nacht quält, das kann bei Tageslicht oft ganz anders aussehen. Irmtraud Gutschke

10. Zeitzonen: Bester Trick, um die Zeitumstellung zu umgehen!

Wer die knapp 800 km von Selfant in NRW, dem westlichsten Ort Deutschlands, nach Zentendorf bei Görlitz, dem östlichsten, mit den Öffentlichen reisen möchte, braucht dazu 10 bis 12 Stunden. Ist man irgendwie nach Geilenkirchen zum Bahnhof gelangt, steigt man mehrmals um und muss dann in der Gegend von Görlitz mit Bussen über die Dörfer tingeln. Während der Zugfahrt könnte man insgesamt rund 8 Stunden schlafen. Nach jedem Umsteigen eine Einschlafphase, viel Leichtschlaf (→ Wolfsstunde) und immer wieder REM-Phasen, vielleicht sogar im ICE von Hagen bis Berlin-Ostbahnhof (3:44 h) richtig Tiefschlaf.

Man bleibt in der MEZ-Zone, aber seine biologische Uhr müsste man am Zielort nach 800 km Reise der Sonne entgegen um fast eine halbe Stunde verstellen. So ähnlich wie bei der Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst. Michael Suckow