Zehntausende gedenken Charlie Kirk – Witwe vergibt dem Attentäter
Die Trauerfeier für den erschossenen US-Aktivisten Charlie Kirk wurde zum Tag der starken Worte. Ausgerechnet die Witwe Erika Kirk rief zur Versöhnung auf und vergab dem Attentäter.
Im US-Bundesstaat Arizona haben die Feierlichkeiten zum Gedenken an den erschossenen Aktivisten Charlie Kirk begonnen. Unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen kommen Weggefährten und Anhänger zusammen, um seiner zu gedenken. Die Trauerfeier in einem Stadion im US-Bundesstaat Arizona vereint führende Vertreter des MAGA-Lagers: Neben Kirks Witwe Erika werden dort US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident J.D. Vance sprechen.
Trump hatte vor seinem Abflug nach Arizona angekündigt, er werde in seiner Gedenkrede für Kirk „das Leben eines großen Mannes feiern“. Als er während der Gedenkfeier auf einem der großen Bildschirme gezeigt wurde, brach Jubel aus. Zuschauer stimmten „USA“-Sprechchöre an.
Auf den Rängen nahmen weitere Regierungsvertreter sowie Trumps ältester Sohn Don Jr. Platz, der Kirk persönlich sehr nahestand. Es sind zudem Verteidigungsminister Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und die Chefaufseherin der US-Geheimdienste, Tulsi Gabbard, vor Ort.
Trotz seines Bruchs mit US-Präsident Donald Trump ist auch Tech-Milliardär Elon Musk bei der Trauerfeier dabei. Er teilte zu Beginn der Veranstaltung ein Video von den Zuschauerrängen der Arena auf X. In der Liveübertragung war zu sehen, wie er mit Politikern der Republikanischen Partei sprach und der Menge zuwinkte.
Später waren er und Trump nebeneinander zu sehen, wie sie in ein Gespräch vertieft waren. Der Account von „Turning Point USA“, der von Kirk gegründeten Organisation, teilte einen Screenshot der Szene.
Etwas später gaben sie sich die Hand und Musk ging.
Wie eng sich Trauer, Wut, religiöse Botschaften und politische Deutung bei der Feier verbanden, zeigte sich in den Reden auf der Bühne. Manche riefen zu Liebe und Einheit auf, erzählten von persönlichen Erinnerungen an Kirk. Andere schlugen deutlich härtere Töne an.
„Wir werden über die Mächte des Unrechts und des Bösen siegen“, sagte etwa Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller und erklärte, die Tränen über Kirks Tod hätten sich in ein „Feuer“ verwandelt, das die „Feinde“ nicht verstehen könnten. „Ihr dachtet, ihr könntet Charlie Kirk töten. Ihr habt ihn unsterblich gemacht“, sagte er, ohne konkret zu werden, wen er damit genau adressierte.
Der rechte Kommentator Benny Johnson rief die Menge auf, zu heiraten und Kinder zu bekommen, „damit Millionen neuer Charlie Kirks entstehen und wir unser Land retten können“.
Der rechtskonservative Aktivist Jack Posobiec erklärte, man werde die Linke, die Medien und die Demokraten den Namen Kirk niemals vergessen lassen. In den Geschichtsbüchern werde sein „Opfer“ als Wendepunkt erscheinen – als einer der entscheidenden Momente zur „Rettung der westlichen Zivilisation“.
Den emotionalsten Teil übernahm wie erwartet Erika Kirk, die Witwe des verstorbenen Charlie Kirk. Sie erzählte, dass ihr Mann ständig bereit gewesen sei, für seine Sache zu sterben. Nachdem die Schüsse fielen, habe er sie angesehen. „Er blinzelte und sah seinen Erlöser im Paradies“, so Erika Kirk.
Dann richtete sie Worte an Tyler Robinson, den Todesschützen: „Mein Mann wollte junge Menschen beschützen. Solche, wie den jungen Mann, der ihm das Leben nahm. Der junge Mann, der nun an unserem Kreuz hängt – ich vergebe ihm.“ Dann wischte sie sich die Tänen aus dem Gesicht, im Stadion war es ganz still. „Denn das ist es, was Christus tat, und das hätte auch Charlie getan.“
Das Stadion, in dem normalerweise die Arizona Cardinals ihre Football-Spiele austragen, fasst bis zu 73.000 Zuschauer. Laut der Agentur AP standen bereits mehrere Stunden vor Tagesanbruch Leute Schlange.
Um 09.30 Uhr Ortszeit waren laut CNN-Reportern bereits fast alle Plätze gefüllt. Mehrere christliche Bands sorgten für das musikalische Vorprogramm. Eine Dudelsackgruppe spielte „Amazing Grace“.
Der ermordete US-Aktivist Kirk begeisterte Millionen Konservative im Land, vor allem junge Menschen. Seit dem Attentat legten viele von ihnen Blumen vor der Zentrale von Turning Point USA nieder. Diese liegt nur rund 40 Kilometer von dem Stadion entfernt, in dem nun die Trauerfeier stattfindet.
Dresscode „Sunday Best – Red, White, or Blue“
Turning Point USA bat darum, keine Blumen mit zu der Veranstaltung zu bringen. Stattdessen sollen Spenden an die Organisation gehen. Den Gästen wurde der Dresscode „Sunday Best – Red, White, or Blue“ empfohlen – also festliche Sonntagskleidung in den Farben der US-Nationalflagge.
Laut US-Medien behandelt das Heimatschutzministerium die Trauerfeier mit einer ähnlichen Sicherheitsstufe wie den Super Bowl oder den New-York-Marathon. Einige Redner sprachen auf der Bühne hinter schusssicherem Glas.
Zwar gab es schon vor dem Attentat Sorge vor politisch motivierter Gewalt, doch seit Kirks Tod ist die Anspannung noch einmal deutlich gewachsen. Er war am 10. September bei einer Veranstaltung an einer Universität im Bundesstaat Utah erschossen worden. Der 22 Jahre alte mutmaßliche Täter Tyler Robinson wurde wegen Mordes angeklagt. Ihm droht die Todesstrafe.
Über das Motiv herrscht bislang keine abschließende Klarheit. Ermittler erklärten jedoch unter Berufung auf Angehörige und sichergestellte Textnachrichten, Robinson – der aus einem konservativen Elternhaus stammen soll – habe zuletzt eine linke politische Haltung eingenommen. Wie genau dies sein Handeln beeinflusste, ist offen. In einer Nachricht soll er vor der Tat geschrieben haben, er habe genug von Kirks „Hass“.
Mit 18 gründete Kirk „Turning Point USA“
Kirk selbst machte sich als ausgesprochener Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen. Mit Turning Point USA, das er 2012 im Alter von 18 Jahren gegründet hatte, besuchte er Hochschulen und forderte Studierende – vor allem solche mit anderer politischer Haltung – zur Debatte auf. Kritiker hielten ihm dabei immer wieder vor, rassistische, homophobe und sexistische Ansichten zu verbreiten.
Im Laufe der vergangenen Jahre wurde Kirk zu einem der prominentesten Gesichter der amerikanischen Rechten. Über seine Plattformen, darunter auch ein erfolgreicher Podcast, erreichte er ein Millionenpublikum. Im Wahlkampf machte er Trump bei jungen Wählern populärer. Er galt als enger Vertrauter von Vizepräsident Vance. Trumps Sohn Don Jr. erklärte nach dem Attentat, Kirk sei für ihn wie ein Bruder gewesen.
Kirks Weggefährten nutzen nun unter dem Motto „Kämpft für Charlie“ seine Reichweite, um dessen Anhänger mit religiös stark aufgeladener Sprache weiter anzusprechen. Nur wenige Tage nach dem Attentat moderierte Vance die „Charlie Kirk Show“ aus dem Weißen Haus.
Die Leitung von Turning Point USA übernahm Erika Kirk, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat. Die Organisation ruft seine Anhänger dazu auf, seinen Tod als Ansporn für noch stärkeres politisches Engagement zu sehen. Kirk sei gestorben, während er für das gekämpft habe, was ihm am meisten bedeutete: „Wahrheit, Glaube, Familie und Amerika“.
dpa/fro/lay/AFP/AP
Source: welt.de