„Wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“ – Mette-Marit spricht im TV weiterführend Epstein

Ihr Name taucht Hunderte Male in den Akten zu Jeffrey Epstein auf. Nun erklärt Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, wie das Verhältnis zu dem Sexualstraftäter so eng werden konnte.

Den Tränen nahe und mit zitternder Stimme hat Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) in einem Fernsehinterview ihr Schweigen über ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gebrochen.

„Ich wünschte, ich hätte ihn niemals getroffen“, sagte sie dem Sender NRK. Mette-Marit und Epstein sollen über Jahre Kontakt gehabt und sich über viele private Dinge ausgetauscht haben – auch nachdem der US-Amerikaner bereits zum ersten Mal verurteilt worden war. „Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“, sagte sie NRK. Sie habe sich von Epstein „manipulieren und täuschen“ lassen.

Kennengelernt habe sie Epstein im Jahr 2011 über gemeinsame Bekannte. Er sei ein enger Freund eines guten Bekannten von ihr gewesen, erklärte sie. Die Kontakte stammten aus ihrem internationalen Engagement im Bereich globale Gesundheit – ein Umfeld, in dem sie den beteiligten Personen vertraute. Namen wollte sie nicht nennen und betonte, es sei ihre eigene Verantwortung gewesen, Epsteins Hintergrund nicht gründlicher überprüft zu haben.

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Einmal habe es einen gemeinsamen Aufenthalt in dessen Haus in Palm Beach gegeben. Nach eigenen Angaben nutzte Mette-Marit währenddessen Epsteins Fahrer, zudem habe er einmal die Kosten für einen Friseur übernommen. Darüber hinaus sei ihr eine Blumenlieferung geschickt worden, wobei sie davon ausgehe, dass diese von einem gemeinsamen Bekannten bezahlt worden sei. Insgesamt habe sie jedoch großen Wert darauf gelegt, Ausgaben wie Essen selbst zu begleichen.

Allerdings sei es während dieses Aufenthaltes auch zu einer Situation gekommen, die sie nachhaltig verunsichert habe, berichtet Kronprinzessin Mette-Marit. Am letzten Tag habe Epstein sie „in eine Lage gebracht“, in der sie sich so unwohl fühlte, dass sie ihren Mann Haakon anrief. Details dazu wollte sie nicht nennen. Ein Übergriff habe jedoch nicht stattgefunden. Gleichwohl sei dieser Vorfall mit ausschlaggebend dafür gewesen, dass sie den Kontakt später beendete.

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Mette-Marit betonte nun in dem Interview, dass sie in der Affäre nicht im Mittelpunkt stehen dürfe, sondern die Opfer von Jeffrey Epstein. Es sei ihr wichtig, klarzustellen, dass diese Gerechtigkeit verdienen. Zugleich äußert sie großen Zorn darüber, dass ihnen diese bislang nicht vollständig zuteilgeworden sei. Sollte sie durch ihre Verbindung zu Epstein dazu beigetragen haben, ihm Legitimität zu verschaffen, sei das für sie „sehr schwer“ zu ertragen.

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Bislang hatte sich Mette-Marit nur schriftlich zu ihrem engen Kontakt mit Epstein geäußert, der durch die Veröffentlichungen in dem Fall ans Licht gekommen war. Der Name der Frau von Norwegens Kronprinz Haakon taucht Hunderte Male in den Akten zu dem Fall auf. Das löste in Norwegen große Kritik aus. Ihre Landsleute hatten Mette-Marit auch übelgenommen, dass sie sich nicht früher ausführlich dazu geäußert hatte.

Das hatte der Hof mit der Gesundheit der Kronprinzessin begründet: Mette-Marit leidet an einer chronischen Lungenkrankheit. Auch der Vergewaltigungs-Prozess gegen ihren ältesten Sohn Marius Borg Høiby (29) dürfte die Kronprinzessin belastet haben. Dieser war am Donnerstag zu Ende gegangen.

„Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befunden hat“, sagte Mette-Marit NRK. „Außerdem ist mein Gesundheitszustand so, dass ich sehr viel Ruhe brauche. Und dieser Zustand hat sich noch etwas verschlechtert.“

dpa/kami

Source: welt.de