World Gold Council: Rekordnachfrage wohnhaft bei deutschen Anlegern nachher Gold

Die Nachfrage nach Gold in aller Welt hat im zurückliegenden Jahr einen historischen Höchststand erreicht. Wie Louise Street von der Branchenorganisation World Gold Council im Gespräch mit der F.A.Z. ausführte, lag die Nachfrage nach dem Edelmetall 2025 rund ein Prozent höher als im Vorjahr und belief sich auf 5002,3 Tonnen. Damit sei erstmals in der Geschichte die Marke von 5000 Tonnen überschritten worden. Zufällige Parallele: Der Preis für Gold hat gerade die Marke von 5000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) überschritten. Am Mittwoch erreichte er zeitweise einen Rekord von 5266 Dollar je Unze. Das Plus seit Jahresbeginn beläuft sich mittlerweile auf rund 22 Prozent, nachdem der Preis im vergangenen Jahr um rund 67 Prozent gestiegen war.
Je nach Teilmarkt entwickelte sich die Goldnachfrage dabei unterschiedlich. Die Käufe der Notenbanken in aller Welt fielen 21 Prozent geringer aus als im Vorjahr und betrugen 863,3 Tonnen. „Die Käufe bleiben historisch gesehen auf einem hohen Niveau und sind geografisch weit gestreut, haben sich jedoch gegenüber ihrem bisherigen Tempo verlangsamt“, schreibt die Branchenorganisation. In den drei vorangegangenen Jahren hatten die Notenbank jeweils 1000 Tonnen Gold oder mehr gekauft. Die Schmucknachfrage ging um 18 Prozent zurück auf 1542,3 Tonnen. Der Einsatz für technische Zwecke sank um ein Prozent auf 322,8 Tonnen, obwohl für die Elektronik rund um die Künstliche Intelligenz mehr Gold gebraucht wurde als in früheren Jahren. Als Zahnfüllungen wurden 8,2 Tonnen Gold eingesetzt, sieben Prozent weniger als im Vorjahr.
Hohe Zuflüsse in ETF
Erheblich gestiegen ist hingegen die Nachfrage nach Gold zu Anlagezwecken. Sie betrug 2175,3 Tonnen, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei drehte die Nachfrage nach Gold über börsengehandelte Indexfonds (ETF und ähnliche Anlageprodukte) von minus 2,9 auf plus 801,2 Tonnen. Die Nachfrage nach physischem Gold in Form von Barren und Münzen legte um 16 Prozent auf 1374,1 Tonnen zu. Auf der Angebotsseite stieg das Volumen der Goldförderung in den Minen um ein Prozent auf 3671,6 Tonnen. Das Goldrecycling legte drei Prozent auf 1404,3 Tonnen zu. Die Branchenorganisation nannte beides eine „relativ verhaltene Reaktion“ auf einen Goldpreisanstieg um 67 Prozent.
Analystin Street kommentierte: „Sowohl Verbraucher als auch Investoren kauften und hielten Gold in einem Umfeld, in dem wirtschaftliche und geopolitische Risiken zur neuen Normalität geworden sind.“ Die Käufe der Zentralbanken hätten einen wichtigen Teil der Goldnachfrage in 2025 ausgemacht, sie seien aber nicht der zentrale Treiber der Goldrally gewesen. „Vom Volumen her waren die Zuflüsse in Gold-ETF und die Käufe von Barren und Münzen bedeutender“, sagte die Analystin. Investoren hätten insbesondere wegen der geopolitischen Unsicherheit viel Gold gekauft: „Der hohe Goldpreis hat zusätzlich Aufmerksamkeit auf dieses Anlageobjekt gelenkt.“
Nachfrage in Deutschland zieht stark an
Anleger in Barren und Münzen in Deutschland hätten im vergangenen Jahr ihre Käufe gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, von 17 auf 45 Tonnen, hebt das World Gold Council hervor. Für den Absatz von Goldschmuck habe der hohe Preis bremsend gewirkt. Während dieser vom Volumen her zurückgegangen sei, sei er gemessen am Wert der Transaktionen gestiegen. „Das zeigt eine anhaltend starke Nachfrage der Verbraucher nach Goldschmuck“, meinte Street.
Im Ausblick für 2026 stellte das World Gold Council heraus, dass nach seiner Einschätzung der hohe Goldpreis durch die Fundamentaldaten durchaus gestützt werde. Die Branchenorganisation halte es für wenig wahrscheinlich, dass die Goldrally kurzfristig ein abruptes Ende finde. Ursachen für eine Wende irgendwann könnten steigende Realzinsen in den Vereinigten Staaten oder ein Ende der geopolitischen Spannungen sein: „Beides sehen wir im Moment nicht“, sagte Street. Das Jahr 2026 habe schließlich begonnen, wie 2025 aufgehört habe: „mit Goldpreisrekorden“.
Source: faz.net