Wohnungsmarkt: Besser dicker Teppich konstruieren
Rund 94 Quadratmeter hat die durchschnittliche Wohnung in Deutschland, Tendenz steigend. So zeigten neue Zahlen des Statistischen Bundesamts kürzlich, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Wohnungen um 0,5 Prozent gestiegen ist – die Gesamtwohnfläche im selben Zeitraum um etwa neun Prozent. Seit Jahren nimmt die Wohnfläche pro Kopf weiter zu.
Dabei müsste es eigentlich in die andere Richtung gehen: kleineres und effizienteres Wohnen. Das soll nicht bedeuten, dass sich Familien auf engstem Raum zusammenpferchen sollen. Auch geht es nicht darum, die Oma von nebenan aus der Wohnung zu vertreiben, in der sie seit Jahrzehnten wohnt, die aber eigentlich zu groß für sie ist. Derartige Neiddebatten sind fehlgeleitet, zumal das eigene Zuhause eine höchst emotionale Angelegenheit ist.
Doch gerade beim Bau neuer Wohnungen oder beim Umbau bestehender Gebäude sollten wir uns verstärkt fragen: Wie sieht das Wohnen in der Zukunft aus? Fest steht, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen in die Städte gezogen sind, weil es dort gute Jobs und viel Freizeitangebot gibt. Doch der Platz in den Städten ist begrenzt, die Grundstücke sind teuer. Ohne Kompromisse bei der Wohnfläche wird es nicht klappen, den Wohnungsmangel zu bekämpfen.
Zudem steigt die Zahl der Alleinlebenden, es gibt mehr junge Singles oder ältere Alleinstehende. Die Nachfrage nach kleinerem Wohnraum ist also da – und sie ist so groß, dass die Kaufpreise und Mieten für kleine Wohnungen besonders hoch sind. Verzweifelte Studenten und Berufseinsteiger wohnen in überteuerten Mikroapartments, weil sie sonst nichts finden. Für Alleinstehende, die in einer großen Wohnung wohnen, lohnt sich der Umzug in eine kleinere indes oft nicht, weil sie vergleichsweise teuer ist. All dem könnte mehr Angebot an kleinen Wohnungen entgegenwirken.
Source: faz.net