Wohnraum gesucht: Die Kaserne bleibt

Deutschland braucht verständlicherweise mehr Immobilien für das Militär. Kasernen bleiben Kasernen – und können nicht als neues Wohnquartier das Stadtbild beleben. Die Bedrohungslage in Europa ist zu ernst, um auf Verteidigungsräume zu verzichten.
Das Bundesverteidigungsministerium hat daher in dieser Woche ein Moratorium für die Umwandlung militärischer Liegenschaften in zivile Nutzung verhängt. Das betrifft 187 ehemalige militärische Liegenschaften im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), zu deren ureigenen Aufgaben schließlich die Bereitstellung notwendiger Immobilien für den Staat zählt – und eben nicht der allgemeine Wohnungsbau.
Die Entwicklung wie in Olpenitz endet
Wer sich auf alte Kasernen als Stützen für den Wohnungsbau verlassen hat, muss spätestens jetzt umdenken. Unter das Moratorium fallen Teile des ehemaligen Berliner Stadtflughafens Tegel und auch die Mansergh-Kaserne in Gütersloh, mit deren Umbau die Stadt schon geplant hat. Zur Friedensdividende vergangener Jahrzehnte zählte die Umwandlung zahlreicher militärischer Flächen in Wohngebiete bis hin zum Feriendorf Olpenitz, das an der Ostsee einen Marinestützpunkt ablöste. Diese Entwicklung endet.
Städte müssen sich mehr einfallen lassen, wenn sie Wohnraum benötigen. Der Bau von Neubaugebieten dauert allerdings oft zu lange. Schneller helfen Nachverdichtungen, Aufstockungen oder Umbauten im Bestand. Wie sehr die Immobilienpreise steigen, liegt dadurch auch ohne Kasernen in den Händen der Städte und Gemeinden.