Wohnen im Studium: In diesen Städten sind die Mieten namentlich hoch

Wer in Deutschland studiert, muss für die Miete weiterhin tief in die Tasche greifen. So sind die Mietkosten für studentisches Wohnen im bundesweiten Durchschnitt um rund 2,3 Prozent gestiegen. Das zeigt der MLP Studentenwohnreport 2025, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
In Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat der Finanzdienstleister MLP die Mietentwicklung an 38 Hochschulstandorten untersucht. Demnach seien die Mietpreise zwar weniger stark gestiegen als im Vorjahr, trotzdem führten die Mietkosten bei knapp zwei Dritteln der Studentinnen und Studenten zu finanzieller Überlastung.
In Chemnitz sind die Mieten am günstigsten
Der sogenannte Studentenwohnpreisindex zeigt die Preisentwicklung der durchschnittlichen Kaltmieten von Wohnungsangeboten in den untersuchten Städten. Auf dieser Basis werden die Kosten für die Warmmiete einer studentischen Musterwohnung mit 30 Quadratmetern berechnet. Gleiches gilt für den WG-Mietindex, der als Grundlage für ein 20 Quadratmeter großes Muster-WG-Zimmer dient.
Wer in einer Metropole wohnt, zahlt als Student besonders viel Miete. Spitzenreiter ist München. Dort kostet eine Musterwohnung mit 30 Quadratmetern 837 Euro, gefolgt von Frankfurt (734 Euro) und Köln (688 Euro). In Chemnitz, wo die günstigsten Studentenwohnungen zu finden sind, zahlt man dagegen nur 296 Euro. Ebenfalls preiswert wohnt es sich in Bochum (368 Euro), Magdeburg (374 Euro) und Greifswald (402 Euro). Ein Muster-WG-Zimmer ist im Schnitt etwas günstiger als eine eigene Wohnung.
Am meisten gestiegen sind die Mieten in Rostock (9,1 Prozent), Saarbrücken (7,7 Prozent) und Kiel (7,1 Prozent). Trotzdem gehören die Städte im bundesweiten Vergleich zu den günstigeren Standorten. Bei den meisten Städten sei man auch weiterhin bei einer Mietsteigerung von vier bis fünf Prozent pro Jahr, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft. Einen Rückgang der Mietpreise um 0,8 Prozent habe es, nach Steigerungen in den Vorjahren, in Berlin gegeben. In Ulm sind die Wohnungen drei Prozent günstiger geworden.
Studenten, die Bafög beziehen, können ihre Miete mit der monatlichen Wohnkostenpauschale von derzeit 380 Euro in den meisten Städten nicht decken. Nur in Bochum, Magdeburg und Chemnitz lässt sich die Miete der 30-Quadratmeter-Musterwohnung mit der Wohnkostenpauschale bezahlen. Das liege auch daran, dass die Wohnkostenpauschale im Gegensatz zu vielen anderen Sozialleistungen nicht an die jeweilige Region angepasst werde, sagt Voigtländer. „Das bedeutet, dass sich Studierende in München mit dem Satz gerade mal die Nettokaltmiete einer Wohnung mit 15 Quadratmetern leisten können.“
Die Hälfte des Einkommens wird in die Miete gesteckt
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts geben Studenten rund 53 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aus, also deutlich mehr als die maximal vorgesehenen 40 Prozent. Diese übermäßige Wohnkostenbelastung trifft insgesamt 62 Prozent der Studenten, die in einer eigenen Wohnung oder einem WG-Zimmer leben.
Besonders ausländische Studenten, die rund ein Viertel der Studierendenzahl in Deutschland ausmachen, haben auf dem Wohnungsmarkt stark zu kämpfen. Wer erst kurz vor Semesterstart nach Deutschland kommt und keinen der begehrten Wohnheimplätze ergattern kann, muss mitunter teure Übergangslösungen, etwa möblierte Wohnungen, oder Zwischenmieten in Kauf nehmen.
Internationale Studenten haben es besonders schwer
„Wenn man als Student in eine fremde Stadt kommt, hat man in der Regel keine Netzwerke und ist auf das öffentlich verfügbare Angebot auf dem Wohnungsmarkt angewiesen“, sagt Voigtländer. „Denn es ist wahnsinnig schwierig, ein Wohnheimzimmer zu bekommen. Da gibt es in den meisten Städten lange Wartelisten.“ Das bestätigen auch Angaben des Deutschen Studierendenwerks. Zu Beginn des Wintersemesters warten allein in München mehr als 8000 junge Menschen auf einen Wohnheimplatz.
Die Politik muss mehr Wohnraum schaffen
Die Grünen-Politikerin Hanna Steinmüller, die sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt, fordert regionale Mietenstopps in angespannten Wohnungsmärkten, Vorrang für sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau und eine dynamische Anpassung der Bafög-Wohnkostenpauschale an das regionale Mietniveau, wie sie der F.A.Z. auf Anfrage mitteilte.
Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender der MLP SE, plädiert dafür, den Studienstandort Deutschland auch für internationale Studierende attraktiv zu halten: „Die Politik ist gefragt, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Bau und die Einrichtung neuer Wohnheime an Hochschulstandorten voranzutreiben, um den steigenden Bedarf zu decken.“
Source: faz.net