Wirtschaftspodcast: „Ist das eine Blase?“: Stürzt jener Irankrieg unsrige Wirtschaft noch tiefer in die Krise?
Für Donald Trump ist die Sache klar: Der Anstieg der Ölpreise ist nur von kurzer Dauer, schadet kaum und dient dem Weltfrieden – nur Narren würden das nicht verstehen, teilte er kürzlich auf seiner Plattform Truth Social mit. Viele Menschen haben hingegen einen anderen Eindruck, wenn sie tanken: Sie zahlen dort auch für einen Krieg, der im Nahen Osten Tod und Leid bringt, dessen Ziele nicht klar sind und dessen Ende bisher nicht absehbar ist.
Eigentlich war die Hoffnung groß, dass Deutschland in diesem Jahr endlich aus dem wirtschaftlichen Abschwung herauskommt, der im Jahr 2022 mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine begonnen hatte. Auch damals stiegen die Energiepreise stark an, auch Lebensmittel und andere alltägliche Produkte und Dienstleistungen wurden sprunghaft teurer. Die hohe Inflation hielt sich über Monate.
Wie einschneidend sind die Konsequenzen dieses Mal? Welche Folgen hat der Ölschock für Deutschland? Wie treiben die Energiepreise die Inflation insgesamt, wie sehr stürzen sie die Wirtschaft noch tiefer in die Krise? Was bleibt vom vorausgesagten Wachstum von einem Prozent gegenüber 2025 in diesem Jahr noch übrig? Welche Folgen hat der Schock für die Weltwirtschaft und wo sind seine Spuren schon jetzt besonders spürbar?
Potenzial, die Weltwirtschaft zu beschädigen
Darum geht es in dieser neuen Folge von Ist das eine Blase?, dem ZEIT-Wirtschaftspodcast über Geld, Macht und Gerechtigkeit. Zu Gast ist Gabriel Felbermayr, der kürzlich in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen wurde und im Podcast auch dazu Stellung nimmt, wie er seine Rolle dort ausüben will. Die Außenwahrnehmung der sogenannten Wirtschaftsweisen sei in den vergangenen Jahren „nicht ideal“ gewesen, sagt Felbermayr, er wolle dazu beitragen, das zu ändern.
Felbermayr sagt, der Krieg im Nahen Osten mache ihn „sehr nervös“, und zwar in erster Linie die Zerstörung und der Tod. Aber auch die ökonomischen Folgen seien nicht zu unterschätzen: Die steigenden Energiepreise hätten auch das Potenzial, „die Weltwirtschaft zu beschädigen“, sagt Felbermayr. Mit Blick auf Deutschland könne „bis zu einem halben Prozentpunkt Wachstum wieder weg sein“, erklärt der Ökonom. „Damit ist von dem prognostizierten Aufschwung zwar noch etwas übrig. Es ist nicht so, dass dann die Rezession käme, aber das wäre nur eine sehr kleine Wachstumsrate nach oben.“
Felbermayr weist außerdem darauf hin, dass die Folgen sozial sehr ungleich verteilt seien: „Die Supermarktkassiererin, die weit einpendeln muss, ist ganz anders betroffen als ein Journalist, der mit dem Fahrrad aus dem netten Vorort in die Stadt fährt und keine teuren Energiekosten hat.“
In dem Podcast erläutert Felbermayr auch, welche Politik nun vonnöten ist und was beispielsweise davon zu halten ist, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben dürfen. Zu Gast ist außerdem Kolja Rudzio, der stellvertretende Leiter des Wirtschaftsressorts der ZEIT, der sich zuletzt intensiv mit den Folgen des Ölschocks beschäftigt hat.