Wirtschaftskonzerne vor Trump-Rede in Davos: „Warten wir mal ab“

Banner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am USA House zeigen einen Adler, umgeben von der amerikanischen Flagge und die Fackel der Freiheitsstatue.

Stand: 21.01.2026 11:07 Uhr

Mit Spannung blicken alle auf die Rede von US-Präsident Trump in Davos – auch die Konzernen, die beim Weltwirtschaftsforum vertreten sind. Den Umgang mit den USA prägt derzeit vor allem eines: Unsicherheit.

Von Von Tobias Brunner, br

Wenn der amerikanische Präsident nach Davos kommt, dann wird aus dem Weltwirtschaftsforum das Welt-Trump-Forum. Oliver Bäte, der Vorstandschef der Allianz, muss da schon fast ein bisschen schmunzeln. „Es ist wie auf einem Hühnerhof, wenn der Fuchs aufkreuzt. Es wird sehr viel rumgegackert, weil natürlich die Welt sich fragt, was passiert da zwischen den USA und dem Rest der Welt“, sagt er.

Bäte ist Stammgast auf dem Forum, ihn überrascht nichts mehr. Und schon gar nicht, dass sich dieses Jahr alles um Donald Trump dreht – um seine Rede am Nachmittag, um sein anschließend geplantes Treffen mit anderen Staatschefs und den Empfang für Top-Manager aus der Wirtschaft.

Erst mal abwarten

Was sich von all dem erwarten lässt? Tja, wenn man das bloß wüsste. Dominik von Achten, der Vorstandsvorsitzende des Baustoffunternehmens Heidelberg Materials, winkt ab: „Wir sind alle gespannt, aber ich habe mir abgewöhnt, eine Vermutung abzugeben, was da rauskommt. Warten wir mal ab.“

Allianz-Vorstand Bäte ist einer der Konzernchefs, die zum Empfang des US-Präsidenten eingeladen sind. Für ihn einerseits die Gelegenheit, ein besseres Gespür für die aktuellen Diskussionen zu bekommen. Aber auch eine Chance – passend zum diesjährigen Motto des Forums „Im Geiste des Dialogs“.

„Wir würden natürlich versuchen, zu signalisieren, wie langfristig unsere Märkte, für die wir sprechen können, funktionieren. Und inwiefern, das, was da getan wird, hilft oder nicht hilft“, führt Bäte weiter aus und betont: „Das Wichtigste ist eben, dass man lösungsorientiert ist und nicht sagt: ‚Das kann man nicht machen‘. Sondern zu sagen: ‚So könnte man es machen‘.“

Trump schreibt Spielregeln ständig um

Dass es um die USA und Trump so einen Wirbel gibt, hat einen ganz einfachen Grund. Thomas Saueressig, Vorstand des Software-Riesen SAP, bringt es auf den Punkt:

Amerika ist der größte Markt auf der Welt. Wenn man weltweit erfolgreich sein will, dann man muss in Amerika erfolgreich sein.

Für den Erfolg braucht es die passenden Spielregeln. Doch die schreibt der US-Präsident ständig um – gerade wieder einmal, im Streit um Grönland und die Zusatzzölle. Wer da trotzdem Erfolg haben will, muss auch versuchen, die Spielregeln mitzugestalten.

Allianz-Chef Bäte setzt dabei auf „sehr aktive Dialoge, eben nicht nur mit anderen Wirtschaftsvertretern, sondern mit sehr vielen Politikern oder internationalen Organisation“. Das sei sehr wichtig. „Es ist tatsächlich trotz des Verkehrschaos hier in Davos die Chance, in sehr kurzer Zeit, sehr viele Menschen zu treffen und sich mit denen auszutauschen“, fügt Bäte hinzu. Das sei „fast einmalig“.

Die EU auf dem Weg zu mehr Stärke?

Eine Woche mit Terminen in Davos ersetze viele Wochen mit Terminen zu Hause. Das ist so ein Satz, der in Davos immer wieder zu hören ist. Was man in diesem Jahr aber auch häufig von Wirtschaftsvertretern hört: Die Europäische Union sei gerade auf dem richtigen Weg – sich den USA in den Weg stellen, Stärke zeigen, zusammenrücken.

Das sieht auch von Achten so, der Heidelberg Materials-Chef: „Wir brauchen offenbar ja auch diesen externen Druck, um Strukturen aufzubrechen, um wieder richtig wettbewerbsfähig zu werden. Aber wir sollten als Europäer auch mit großem Selbstbewusstsein in diese Diskussionen gehen.“

Source: tagesschau.de