„Wir stillstehen wahrscheinlich an welcher Schwelle, mit Trump den Dritten Weltkrieg begonnen zu nach sich ziehen“

Bei Markus Lanz kritisiert AfD-Chef Tino Chrupalla die Angriffe der USA und Israel auf den Iran scharf und äußert Enttäuschung über Donald Trump. Er sehe gar die Möglichkeit eines Weltkriegs, sagte er.

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla hat bei Markus Lanz seine Kritik an den Angriffen der USA und Israels auf den Iran bekräftigt. In der Sendung am späten Mittwochabend sagte er: „Ich sehe bei diesem ganzen völkerrechtswidrigen Krieg überhaupt keine Strategie, was man eigentlich bezwecken will. Und das können die Amerikaner und die Israelis selbst nicht sagen.“ Teilweise würden sich beide Länder in ihren Zielen auch gegenseitig widersprechen.

Weiter erklärte der AfD-Chef: „Ich bin maßlos enttäuscht von Donald Trump, was seine Wahlkampfversprechen angeht und seine Ankündigungen.“ Trump habe im US-Präsidentschaftswahlkampf der demokratischen Kandidatin Kamala Harris vorgeworfen, sie werde einen Dritten Weltkrieg beginnen. „Und jetzt stehen wir an der Schwelle dessen, dass wir wahrscheinlich mit Donald Trump den Dritten Weltkrieg begonnen haben“, sagte er. Das zeige Wortbrüche auf, die er ihm „wirklich übelnehme“. Chrupalla war einer der wenigen deutschen Politiker, die zur Amtseinführung von Donald Trump im vergangenen Jahr eingeladen worden waren.

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Er glaube nicht daran, dass man mit einem Bombardement einen Regimewechsel im Iran herbeiführen könne. Für den Wandel müsse das iranische Volk selbst sorgen. Chrupalla betonte, „an der Seite des israelischen Volkes“ zu stehen. Aber man müsse auch Freunde kritisieren dürfen. „Ansonsten ist es auch keine Freundschaft, wenn man das nicht aushält.“

Schließlich zitierte Markus Lanz eine Aussage und fragte Tino Chrupalla, ob er ihr zustimmen würde: „Ich fordere die Vereinigten Staaten, Israel und den Iran auf, die Lage zu deeskalieren, die Nachbarländer nicht in diesen Konflikt hineinzuziehen und zu Diplomatie und Verhandlungen zurückzukehren.“ Der AfD-Vorsitzende stimmte der Aussage zu. Anschließend fragte Lanz, ob Chrupalla wisse, von wem das Zitat stamme.

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Chrupalla vermutete zunächst, es komme aus der Linkspartei. Daraufhin wurde ein Bild von Annalena Baerbock (Grüne), Präsidentin der UN-Generalversammlung, eingeblendet, von der die Aussage stammt. „Hat sie mal einen Treffer gemacht, ist ja auch mal was wert. Sie lernt also“, kommentierte Chrupalla.

Die AfD sei offenbar nah an Baerbock herangerückt, sagte Lanz. Chrupalla wies das zurück: „Entschuldigung, nur weil Frau Baerbock eine ähnliche Position hat, heißt das ja noch lange nicht, dass wir an sie herangerückt sind.“ Viel wichtiger sei ihm ohnehin, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Position der AfD übernehme.

„Wenn man das dann so macht, dann wird das ein Gag“, sagt Lanz

Dass Markus Frohnmaier, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, in der letzten Wahlkampfwoche in die USA geflogen war und dort führende Kongressabgeordnete von Trumps Maga-Bewegung getroffen hatte, kritisierte Chrupalla nur vorsichtig: „Im Nachhinein kann man über vieles diskutieren. Das weiß er auch selbst.“ Allerdings gebe es auch in der Maga-Bewegung unterschiedliche Stimmen zum Iran-Krieg. So sei in den vergangenen Tagen beispielsweise US-Vizepräsident J.D. Vance „ganz klar sehr ruhig geworden“.

Insgesamt habe Frohnmaier einen „hervorragenden Wahlkampf“ gemacht. Bei der Landtagswahl erhielt die AfD 18,8 Prozent. Mit dem Ergebnis sei Chrupalla „sehr zufrieden“.

Markus Lanz kritisierte scharf, dass Frohnmaier in Baden-Württemberg nur als AfD-Spitzenkandidat kandidierte, nicht jedoch für einen Sitz im Landtag. „Politik hat was mit Überzeugungen zu tun. Ganz ehrlich, ich möchte vorne an der Spitze Leute haben, die bereit sind, wirklich ganz ernsthaft für das Land, für das Bundesland zu kämpfen, sich einzusetzen mit allem, was sie haben. Und wenn man das dann so macht, dann wird das ein Gag. Das ist einfach nur eine Spaßveranstaltung“, sagte Lanz.

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Chrupalla betonte, dass Frohnmaier dieses Vorgehen „von Anfang an so kommuniziert“ habe. „Es ist ja keine Trickserei in irgendeiner Weise.“ Außerdem habe man keine andere Möglichkeit gehabt, als mit Frohnmaier in den Wahlkampf zu ziehen. „Weil es wahrscheinlich personell auch als Spitzenkandidat keine Alternativen in Baden-Württemberg gab, wo man sagt, mit ihm können wir Wahlkampf machen. So ehrlich muss man sein.“

WELT-Redakteur Frederik Schindler, der ebenfalls zu Gast in der Sendung war, merkte an, dass die AfD 2023 die damalige SPD-Spitzenkandidatin in Hessen, Nancy Faeser, für das gleiche Vorgehen kritisiert hatte. Die ehemalige Bundesinnenministerin hatte angekündigt, ihr Mandat nur anzunehmen, wenn sie die Wahl gewinne. „Es gab auch in der AfD-Bundestagsfraktion Mitglieder, die an der Ernsthaftigkeit von Frohnmaiers Kandidatur gezweifelt haben“, sagte Schindler.

Angesprochen auf die Verwandtenaffäre betonte Chrupalla, dass es kein juristisches Fehlverhalten von AfD-Mitgliedern gebe. „Bislang ist mir kein einziger Fall bekannt, der illegal ist.“ Fälle, in denen „eine halbe Fußballmannschaft“ oder mehrere Geschwister eingestellt worden seien, seien dagegen nicht in Ordnung. „Das sind auch die Dinge, wo ich sage, das ist mehr als ein Geschmäckle. Und für mich ist es auch ein Geschmäckle, wenn man Überkreuzbeschäftigungen hat, weil man dadurch zumindest den Eindruck erweckt, persönliche Vorteile zu haben“, erklärte Chrupalla.

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Die AfD sei bereit, solche Fälle künftig zu vermeiden und an einer möglichen Gesetzes-Reform auf Bundesebene mitzuarbeiten. Zugleich seien die Fälle innerhalb der AfD aber Einzelfälle.

Frederik Schindler entgegnete: „Wenn jede Woche ein neuer Einzelfall rauskommt, dann kann man irgendwann eben nicht mehr von Einzelfällen sprechen.“ Er habe innerhalb der AfD gehört, dass es noch mehr Fälle gebe als jene, die bisher bekannt seien. „Das heißt, da wird noch einiges kommen.“ In der Verwandtenaffäre wird AfD-Abgeordneten vorgeworfen, Familienmitglieder von Parteikollegen mit öffentlichen Mitteln zu beschäftigen.

Als Markus Lanz Tino Chrupalla gegen Ende der Sendung in einem seiner Sätze unterbrechen wollte, reagierte der AfD-Politiker: „Wir sind ja hier nicht bei Maischberger. Lassen Sie mich mal kurz ausreden.“ Lanz entgegnete: „Was soll das heißen?“ Chrupalla erwiderte, dort dürfe er nicht ausreden. Der Moderator widersprach und betonte, dass er selbstverständlich ausreden dürfe – auch bei Maischberger. „Bitte. Also das ist jetzt ein Gag?“, fragte Chrupalla und forderte Lanz auf, sich die letzte Sendung anzuschauen, bei der er bei Maischberger zu Gast war.

nw

Source: welt.de