Wieduwilts Woche: Niedersachsens Linke schreiben Anleitung z. Hd. zivilen Antisemitismus
Wieduwilts WocheNiedersachsens Linke schreiben Anleitung für zivilen Antisemitismus
Eine Kolumne von Hendrik Wieduwilt
Man darf ja nichts mehr sagen in Deutschland! Für modernen Judenhass braucht es daher Tricks. Die Linke in Niedersachsen hat eine praktische Anleitung geliefert.
Liebe Genossinnen und Genossen! Antisemitismus zieht bei Wahlen in Deutschland, dafür muss ich jetzt hoffentlich keine historischen Belege anführen. Und auch heute kann man mit dem Hass auf Juden punkten.
Freilich geht das nicht mehr wie Anfang des 20. Jahrhunderts. Kommunikation ist alles, „Framing“ ist alles, das wissen postmoderne Linke besser als jeder andere. Gut wäre, wenn man eine Art Anleitung hätte für zivilen Antisemitismus. Die Linke in Niedersachsen hat nun zum Glück geliefert.
Mit großer Mehrheit hat sie auf ihrem Parteitag den „Antrag A01“ verabschiedet, wie sie jetzt geschmacksneutral formuliert, da es etwas Kritik gab. Der Antrag der Genossen aus Niedersachsen beginnt mit: „Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab.“ Doch die Autoren waren knalliger: Die Linke in Niedersachsen sei nun der erste „anti-zionistische Landesverband“ in Deutschland!
Wer das Papier liest, kann viel lernen – darüber, wie man heute mit antisemitischen Tönen politisch Erfolg hat.
Schritt 1: Sag „Zionist“ statt „Juden“ oder „Israelis“!
Manche Wörter sind inzwischen total heikel. Sage schlicht „Zionisten“, wenn du, Genosse, eigentlich die Juden meinst, bestenfalls noch Israel. Zionismus ist kompliziert. Viele Menschen werden gar nicht wissen, was der Begriff eigentlich meint. Praktisch! Dann kann sich auch niemand daran stoßen.
Jan Korte, ausgerechnet ein Genosse, hat es dennoch versucht: Der historische Zionismus sei eine Bewegung gewesen, um Jüdinnen und Juden eine Zuflucht vor Pogromen und Verfolgung zu geben, warnte der frühere Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im „Spiegel“. „Wer das denunziert, stellt nicht nur die Existenz Israels infrage, sondern hat aus der deutschen Geschichte definitiv das Falsche gelernt.“
Und Bodo Ramelow warnt die Linke, sie könnte mit einem antizionistischen Kurs „zur Sekte“ werden. Die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau twitterte, die Linke habe vor einem Jahr am Abgrund gestanden, „nun werden wir hineingestoßen und es bleibt eine Sekte“.
Pah, alte weiße Männer und Frauen, oder? Dagegen kannst du, Genosse, dich immunisieren, und zwar mit diesem Absatz, entnommen aus dem Antrag A01: „Historisch ist der Zionismus keine einheitliche Ideologie gewesen. Neben rechten nationalistischen Strömungen gab es auch emanzipatorische Ansätze. Gleichzeitig sehen wir heute einen politischen Zionismus, der sich durch Rassismus, Besatzungspolitik und militärische Gewalt auszeichnet.“
Fertig! Zionismus ist nun ein Schillerwort: Für die einen ist es Rassismus. Für die anderen, etwa Islamisten, ist es die Existenzidee Israels. Stimmen für die Linke? Könnten beide sein. Win-win!
Schritt 2: Schaffe ein Wir-Gefühl – mit der Kufiya!
Tücher sind der letzte Schrei in diesem Jahr und das gilt erst recht für das so genannte Palästinensertuch, die Kufiya! Hast du Javier Bardem bei den Oscars gesehen? Hot! Auch in Niedersachsen haben Linken-Politiker es begeistert getragen, gewedelt, gezeigt.
Das Tuch ist Erkennungszeichen derer, die Erkennungszeichen wie Nationalflaggen komplett ablehnen. Wer es trägt, gehört dazu und ist nicht mehr so allein. Man streitet zusammen, feiert zusammen, zieht an der Shisha zusammen, schimpft auf den Kapitalismus zusammen und auf Israel. Sowas stiftet Identität, da fühlt man sich prima. Deutschlandflaggen dürfen wir ja nicht mehr – also: Her mit der Kufiya!
Aber denke nicht zu klein, Genosse! Mache mehr daraus! Trage die Kufiya auch nach Buchenwald! Ja, wirklich, in die KZ-Gedenkstätte, dafür gibt es tatsächlich eine Kampagne! Wirf Geschmacksfragen über Bord und eben dieser Gedenkstätte Genozidleugnung vor. Aus DKP und KPD haben sich schon einige angeschlossen und angeblich sind auch zwei Linke dabei.
Schritt 3: Vergiss nicht die Signalwörter!
Nahost ist kompliziert, Genosse – aber nicht für dich! Die niedersächsische Linke hat es vorgemacht: Die antizionistische Erklärung erwähnt nicht einmal den 7. Oktober. Diese Sache ist ja auch immerhin drei Jahre her, das ist fast so lang wie der originale Holocaust! Weiß kein Mensch mehr!
Auf diese Weise kannst du zum Beispiel so etwas sagen: „Der Gaza-Streifen liegt nach über zwei Jahren Genozid in Trümmern.“ Der Genozid ist damit keine völkerrechtliche Frage oder ein Vorwurf – er ist unverrückbare Zerstörungsursache!
Lass dich nicht davon bremsen, dass der Begriff „Genozid“ von einem jüdischen Juristen stammt, um die systematische Vernichtung von Völkergruppen zu beschreiben. Wer Kufiyas nach Buchenwald trägt, sollte hier nicht zimperlich sein.
Beende deine Ausführungen mit klangvollen Akkorden, etwa dem zur „Apartheid“. Mach dir keine Sorgen: Die meisten Deutschen waren nie in Israel und haben keine Ahnung davon, wie sich die Bevölkerung wirklich zusammensetzt, dass jeder fünfte Israeli Araber ist und so weiter. Da unten trägt jeder Schläfenlocken, ist weiß, reich und will den ganzen Tag palästinensische Kinder umbringen – das ist die herrschende Vorstellung bei den Leuten, die wir in der Partei haben wollen.
Wirf den „politischen Zionismus“ unbedingt zusammen mit „Ethnonationalismus“. Warum? Der Ethnonationalismus ist die Ideologie der „Neuen Rechten“. Kurz gesagt: Die Nation wird über gemeinsame ethnische Merkmale bestimmt – nicht über die Staatsangehörigkeit. Wenn du dieses Etikett den Ju-, hoppala, ich meine: den Zionisten anklebst, stecken die in einem Sack mit den richtig krassen Leuten aus der AfD. Knüppel drauf, win-win!
Schritt 4: Niedersachsen ist erst der Anfang
Wichtig: Beiße jeden weg, der deine Ansichten zu Nahost in Frage stellt – vor allem in der eigenen Partei. Auf dem Bundeskongress der Linken im vergangenen Jahr berichtete die Linksjugend aus Thüringen von offenem Hass anderer Mitglieder. „(Lass mal) Thüringen nicht schlafen lassen, wir wissen, wo ihre Zimmer sind.“
Wer nicht stramm auf Linie ist, wird schon verschwinden. Leute wie der brandenburgische Antisemitismusbeauftragte Andreas Büttner etwa, der ist grad ausgetreten, auch wegen Niedersachsen.
Wer noch nicht verschwindet, den kann man als Rassisten aus der Debatte kicken. Nimm dir ein Beispiel am Fall Gregor Gysi: Der hat angemerkt, Menschen mit „spezifischem Migrationshintergrund“ seien zu den Linken gekommen, brächten aber Sichten auf Israel mit, die zum Teil falsch seien. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke hat Gysi daraufhin zum Rassisten erklärt. Boom!
Und die Parteispitze? Mach dir da bitte keine Sorgen: Die haben genug Angst vor den Kufiya-Leuten. Fraktionschefin Heidi Reichinnek kommt selbst aus dem niedersächsischen Landesverband. Die sonst laute Politikerin ist jetzt ganz leise, moniert ein bisschen die Wortwahl, das war’s. Das ist auch gut so: Es könnten ja dieselben sein, die sich auf Tiktok schlichte Ansichten zu Israel abholen und Reichinnek zur Linken gefolgt sind.
Wen interessiert da noch, dass Jan van Aken und Ines Schwerdtner brav den Begriff „Zionist“ verteidigen? Sei gewiss, Genosse: Niedersachsen war erst der Anfang. Die Linke wird zur Sammelpartei für Antisemiten.
Also – ich meine natürlich: für Antizionisten.
Source: n-tv.de