Wie Deutschland sich gegen den Eichenprozessionsspinner rüstet
Während der Falter des Eichenprozessionsspinners harmlos ist, entwickeln seine Raupen giftige Brennhaare, die allergische Reaktionen auslösen. Die Larven könnten mancherorts um Ostern schlüpfen. Deutschlandweit machen sich Experten bereit.
Mit dem Frühling beginnt in vielen Teilen Deutschlands auch die Zeit des Eichenprozessionsspinners. Die Raupen des Nachtfalters, dessen Ausbreitung durch den Klimawandel begünstigt wird, stellen zunehmend eine Herausforderung für Kommunen und Forstbetriebe dar. Viele gehen dagegen vor.
Während der Falter selbst harmlos ist, entwickeln die Raupen etwa ab dem dritten Larvenstadium – meist ab Mitte Mai – feine Brennhaare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Haare brechen leicht ab, werden vom Wind verbreitet und können bei Menschen und Tieren starke allergische Reaktionen, Hautreizungen und Atembeschwerden auslösen.
In Brandenburg befinden sich die Populationen der Raupen aktuell in der frühen Aufbauphase, wobei Experten mit einem Anstieg und lokalem Kahlfraß an Eichen rechnen. Besonders betroffen sind hier die Landkreise Prignitz, Uckermark und der Spreewald. In Berlin wird die Lage als stabil eingeschätzt, wobei die Larven bei beständigem Wetter um Ostern schlüpfen könnten.
In Hessen konzentriert sich der Befall vor allem auf die wärmeren Regionen in Süd- und Mittelhessen. Auch in Rheinland-Pfalz breiten sich die Raupen weiter aus, insbesondere im Neuwieder Becken, im Hunsrück, in der Rheinebene und Teilen des Pfälzer Waldes.
Wie wird der Schädling bekämpft?
Um die Gesundheitsbelastung im Frühsommer zu minimieren, setzen Fachleute auf ein breites Spektrum an Maßnahmen.
Biologische Spritzmittel: In vielen Städten wie Frankfurt, Kaiserslautern, Mainz und Wiesbaden werden Eichen präventiv mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis behandelt, dessen Giftstoffe – sogenannte Bt-Toxine – die Larvenentwicklung stoppen. In Brandenburg kommt ein darauf basierendes Präparat zum Einsatz. Etwa in Darmstadt werden für die großflächige Ausbringung in unzugänglichen Gebieten Hubschrauber eingesetzt.
Fadenwürmer (Nematoden): Eine immer beliebtere Methode ist der Einsatz von Nematoden. Diese natürlich vorkommenden Würmer werden in einem Wasser-Alkohol-Gemisch auf die Bäume ausgebracht und lassen die Larven absterben. Diese Methode wird unter anderem in Kassel, Fulda und in Teilen von Rheinland-Pfalz genutzt.
Mechanische Verfahren: Bewährt hat sich das Absaugen der Nester mit Spezialsaugern durch Fachfirmen. Dies wird bundesweit in fast allen betroffenen Kommunen praktiziert. In Worms werden zudem spezielle Kunststoff-Manschetten als Fallen um die Stämme von Bäumen gewickelt.
Prävention durch natürliche Feinde
Einige Städte setzen verstärkt auf ökologische Lösungen. In Trier und Marburg wurden tausende Nisthilfen für Vögel – insbesondere Meisen – und Fledermäuse aufgehängt, um die natürlichen Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners zu fördern. Zudem experimentiert Trier mit der Pflanzung südwesteuropäischer Eichenarten, die weniger anfällig für den Befall sein sollen.
Trotz aller Maßnahmen lässt sich ein Befall nicht überall verhindern. In sensiblen Bereichen wie an Schulen und Kitas sowie in Parkanlagen ist die Wachsamkeit besonders hoch. Forstbehörden und Stadtverwaltungen warnen davor, den Raupen oder ihren gespinstartigen Nestern nahezukommen.
Bei starkem Befall können Waldbereiche oder öffentliche Wege temporär gesperrt und Warnschilder aufgestellt werden. Die höchste Gesundheitsgefahr besteht zwischen Mitte Mai und Juni, wenn die Raupen ihre Millionen Gifthärchen entwickeln.
dpa/rc
Source: welt.de