„White Snail“: Nicht stutzig werden, sind nur Schnecken

Es ist ein lauer Sommerabend, im Hintergrund glitzert die Skyline von Minsk, und ein Mann und eine Frau liegen im Gras. Wäre es ein normaler Liebesfilm, könnten sich die Protagonisten nun küssen. Stattdessen zeigt Mikhail seiner Freundin Marya, wie man eine Leiche zerteilt. Zärtlich fährt er ihr mit dem Zeigefinger über Hals, Brustbein, Bauch: Hier schneidet man den Brustkorb auf, dort reißt man die Zunge heraus, und so nimmt man die Schädeldecke ab.

In White Snail, zu Deutsch: „Weiße Schnecke“, dem ersten Spielfilm des österreichisch-deutschen Regieduos Elsa Kremser und Levin Peter, der ab dem 23. Jänner in den österreichischen Kinos läuft, geht es ungewöhnlich zu. Marya, geplagt von Suizidgedanken, träumt von einer Model-Karriere in China. Mikhail obduziert Leichen und malt in seiner Freizeit düstere Bilder. Die Kulisse, vor der sich die Geschichte entfaltet, ist Belarus, die abgeschottete Diktatur direkt hinter der Außengrenze der EU.