Wertsteigerung um Faktor Fünf: LVMH stockt zu Gunsten von 1 Mrd. Euro im Kontext Loro Piana gen

Die Luxusmarke Loro Piana steht in der Kritik, seitdem eine Staatsanwaltschaft in Italien sie wegen angeblicher Verstöße ihrer Sublieferanten unter Zwangsverwaltung gestellt hat. LVMH-CEO Bernard Arnault nutzt die Bilanzpressekonferenz für eine Gegenoffensive. Er behauptet, dass die Marke von Erfolg zu Erfolg eile, und enthüllt, dass er der Loro Piana-Familie weitere Anteile abgekauft hat. Zu einem stolzen Preis.

LVMH-CEO Bernard Arnault glaubt an die Zukunftsaussichten von Loro Piana – und hat den Anteil an der italienischen Traditionsmarke aufgestockt. Für 1 Mrd. Euro hat der weltgrößte Luxuskonzern seine Beteiligung von 85 auf 94% ausgebaut.

Die Pariser Gruppe übernahm den 9%-Anteil von der Loro Piana-Familie um Pier Luigi Loro Piana bereits am 31. Juli 2025, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Damit bewertete LVMH die Brand mit 11 Mrd. Euro. Beim Einstieg im Jahr 2013 waren es noch 2,7 Mrd. Euro gewesen.

„Erzählen Sie das bitte weiter!“

In seiner Eröffnungsrede auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag ging Arnault ausführlich auf Loro Piana ein und erwähnte den Zukauf selbst. Der Wertzuwachs unterstreiche, dass es sich lohne, LVMH als Partner zu gewinnen, sagte er. An das Publikum gewandt, in dem viele Finanzanalysten saßen, fügte er scherzend hinzu: „Erzählen Sie das bitte weiter.“

Mit seinen Aussagen zu Loro Piana versucht LVMH-Chef Arnault, den negativen Schlagzeilen eine positive Erzählung entgegenzusetzen. Die Luxusmarke steht in der Kritik, seitdem sie eine Staatsanwaltschaft in Italien unter Zwangsverwaltung gestellt hat, weil Subunternehmer Mitarbeiter zu unmenschlichen Bedingungen beschäftigt haben sollen.

Ein Look aus der Loro Piana-Kollektion für das Frühjahr 2025

Die Vorwürfe sind besonders delikat, weil Loro Piana für die Qualität seiner Made in Italy-Produkte berühmt ist. CEO von Loro Piana ist Arnaults zweitjüngster Sohn Frédéric. Dem Junior wird nachgesagt, sehr ambitioniert zu sein und ein forsches Auftreten zu haben. Laut einem tief recherchierten Bericht von „Miss Tweed“ soll die Attitüde intern bei LVMH für Unmut sorgen.

„Wir müssen das Wachstum bremsen“

Auf der Bilanzkonferenz sprach Arnault hingegen von einem positiven Momentum für Loro Piana. „Loro Piana eilt von Erfolg zu Erfolg. Wir müssen das Wachstum bremsen“, sagte er. Detaillierte Zahlen nannte er nicht. LVMH legt die Ergebnisse seiner Marken im Gegensatz zum Rivalen Kering, der zu Gucci, Saint Laurent und Bottega Veneta Auskunft gibt, nicht offen.

Im Geschäftsbericht ist mit Bezug auf Loro Piana von einer „bemerkenswerten Performance“ die Rede. Als Höhepunkte des Jahres werden die Neueröffnung des Ladens auf der New Bond Street in London, die Einführung des Stoffes „Royal Lightness“, eine Ausstellung im Museum of Art Pudong in Shanghai, eine Installation bei Bergdorf Goodman in New York und die Partnerschaft im Golfsport mit dem Team Europe, das den Ryder Cup gewonnen hat, aufgelistet.

Schaufenster: Loro Piana @ Bergdorf Goodmann

2025 war für LVMH ein herausforderndes Jahr. Der Umsatz der Gruppe fiel organisch um 1% auf 80,8 Mrd. Euro, der Nettogewinn schrumpfte um 13% auf 10,9 Mrd. Die Sparte Mode & Lederwaren mit ihren Brands wie Louis Vuitton und Christian Dior Couture büßte im Vergleich zum Vorjahr 5% ein und erwirtschaftete knapp 37,8 Mrd. Euro.

Nichtsdestotrotz gibt es Lichtblicke. Das zweite Halbjahr fiel für LVMH besser aus das erste. Die operative Gewinnmarge übertraf die Erwartungen. Die Sparte Mode & Lederwarten erreichte etwas über 35%, während Analysten nur mit etwas mehr als 33% gerechnet hatten.

Das Urteil der meisten Analysten fällt positiv aus. „Es bewegt sich in die richtige Richtung“, schrieb Zuzana Pusz von der UBS. „Die Erholung setzt sich fort“, urteilten die Experten der Bank of America. Sie hoben Christian Dior Couture hervor. Seitdem Jonathan Anderson Kreativdirektor ist, habe die Marke an Strahlkraft gewonnen. Auf der Rangliste Brand Leading Indicator, die die Bank of America entwickelt hat und die unter anderem auf Suchanfragen auf Baidu beruht, habe sich Dior im Laufe von 2025 vom 30. auf den siebten Platz verbessert.