„Werden weiterhin die Hisbollah überall dort Zähne zeigen, wo es nötig ist“, bekräftigt Netanjahu
Der israelische Ministerpräsident Netanjahu betont, die pro-iranische Hisbollah-Miliz nach wie vor überall anzugreifen, wo es „nötig“ sei. Kanzler Merz warnt, dass Israel damit den „Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern“ bringen könnte. Mehr im Liveticker.
Am 28. Februar begannen die USA und Israel, den Iran anzugreifen. Führungsfiguren des Regimes in Teheran wurden ausgeschaltet. An der Staatsspitze folgte Modschtaba Chamenei auf seinen getöteten Vater Ajatollah Ali Chamenei. Die iranischen Streitkräfte und Revolutionsgarden nahmen Israel und die Golfstaaten unter Beschuss und blockierten weitgehend die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft. Nun einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe.
Alle Ereignisse rund um den Krieg in Nahost im Liveticker:
17:07 Uhr – Netanjahu: Israel wird im Libanon weiter angreifen „wo immer nötig“
Nach den jüngsten israelischen Angriffen auf den Libanon mit mehr als 200 Toten kündigt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weitere Angriffe auf Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz an. Es werde weitere Angriffe geben, „wo immer“ das „nötig“ sei, bis die Sicherheit für Bewohner im Norden Israels „vollständig wiederhergestellt“ sei, erklärte Netanjahu am Donnerstag im Onlinedienst X.
Das israelische Militär erklärte, es gehe weiter mit Bodentruppen im Südlibanon vor. In der Nacht zum Donnerstag seien zwei wichtige Übergänge getroffen worden, die von Hisbollah-Kämpfern zum Transport von „tausenden Waffen, Raketen und Abschussvorrichtungen“ über den Fluss Litani Richtung Süden genutzt worden seien, hieß es in einer Erklärung der Armee. Mehrere Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Gefechtsstände seien angegriffen worden.
16:58 Uhr – Kanzler: Israel muss Angriffe im Libanon stoppen
Kanzler Friedrich Merz kritisiert das harte Vorgehen der israelischen Armee im Libanon. „Wir sehen mit besonderer Besorgnis die Lage im Süden des Libanon“, sagt der Kanzler. „Die Härte, mit der Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen, und das darf nicht geschehen“, mahnt er.
Deshalb habe er mit anderen Regierungschefs die israelische Regierung gebeten, die nochmals verschärften Angriffe zu beenden. Außenminister Johann Wadephul habe bereits zweimal mit seinem israelischen Kollegen telefoniert. Er selbst stehe in persönlichem Kontakt mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
16:51 Uhr – Russland verurteilt israelischen Angriff auf Libanon
Russland verurteilt die israelischen Angriffe auf den Libanon und fordert einen sofortigen Waffenstillstand. Das Vorgehen könne die Verhandlungen scheitern lassen und zu einer weiteren Eskalation in der Region führen, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Israel hatte am Mittwoch seine bislang schwersten Angriffe auf den Libanon seit Kriegsbeginn ausgeführt.
16:42 Uhr – Chef von Ölkonzern: Iran blockiert Weiterfahrt von 230 Schiffen
Der Chef des größten Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate ruft den Iran auf, endlich – wie in der Waffenruhevereinbarung mit den USA vorgesehen – die Straße von Hormus freizugeben. Rund 230 Schiffe „beladen mit Öl und bereit zur Abfahrt“ lägen in der Straße von Hormus und könnten nicht weiterfahren, teilte Sultan al-Dschaber, Vorstandsvorsitzender des staatlichen Konzerns Abu Dhabi National Oil, am Donnerstag mit. „Sie und jedes weitere Schiff müssen diesen Korridor bedingungslos passieren dürfen.“ Kein Land habe das Recht zu bestimmen, wer unter welchen Bedingungen passieren dürfe.
„Die Instrumentalisierung dieser lebenswichtigen Wasserstraße in jeglicher Form ist nicht hinnehmbar“, hieß es in der Mitteilung weiter. „Der Iran hat sowohl durch seine Erklärungen als auch durch seine Handlungen deutlich gemacht, dass die Durchfahrt von Genehmigungen, Bedingungen und politischem Druck abhängig ist. Das ist keine Freiheit der Schifffahrt. Das ist Nötigung.“
16:40 Uhr – Israelischer Verteidigungsminister: Hisbollah will Waffenruhe
Die militante Hisbollah-Miliz im Libanon ist nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz an einer Waffenruhe interessiert. Israelische Angriffe hätten im Laufe des vergangenen Tages mehr als 200 Extremisten getötet, sagte Katz am Donnerstag. Seine Angaben konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.
Katz teilte mit, Israel sei bereit, entschieden zu reagieren, sollte der Iran wieder angreifen. Zudem werde Israel weiter Ziele im Libanon beschießen, unter anderem in der Gegend um den Fluss Litani.
16:25 Uhr – IWF-Chefin erwartet kräftigen Anstieg der Nachfrage nach Finanzhilfen
Bei der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank nächste Woche wird es laut IWF-Chefin Kristalina Georgiewa darum gehen, den Schock des Nahost-Krieges zu bewältigen. Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) erklärt, der Fonds erwarte kurzfristig einen Anstieg der Nachfrage nach Finanzhilfen auf 20 bis 50 Milliarden Dollar infolge der Auswirkungen der Kämpfe.
Der nun in eine Waffenruhe übergegangene Krieg stelle die Weltwirtschaft auf die Probe: Bei Öl und Erdgas sei ein Angebotsschock ausgelöst worden, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und gleichzeitig die Lieferketten gestört habe.
15:50 Uhr – Bundesregierung nimmt Gespräche mit Iran wieder auf
Nach der vereinbarten Waffenruhe in Nahost nimmt die Bundesregierung ihre Gespräche mit der Regierung im Iran wieder auf. Ziel sei es, damit einen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran über ein Ende des Krieges in der Region zu leisten, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag in Berlin. Er betonte, es öffne sich jetzt „ein Zeitfenster für eine Verhandlungslösung“, die Lage sei aber noch „fragil“.
15:50 Uhr – Hapag-Lloyd: Müssen Zusatzkosten des Iran-Kriegs weitergeben
Die Container-Reedereien erhöhen wegen des Iran-Kriegs ihre Frachtgebühren. „Kriege und Krisen sind teuer für Reedereien“, sagte Nils Haupt, Chefsprecher des deutschen Branchenprimus Hapag-Lloyd, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir können und müssen die Kosten weitergeben.“ Die zusätzlichen Belastungen in Höhe von voraussichtlich drei Milliarden Dollar pro Jahr könne keine Reederei allein abfedern. Die Preiserhöhungen würden auch die Verbraucher zu spüren bekommen.
Allein der Anstieg der Treibstoffpreise belaste Hapag-Lloyd mit 40 Millionen Dollar pro Woche, erläuterte Haupt. Hinzu kämen Gebühren für Container, die in verschiedenen Häfen zwischengelagert werden müssten, sowie erhöhte Versicherungsprämien. Derzeit koste die Police für ein Schiff teilweise pro Woche so viel wie sonst für ein gesamtes Jahr.
Aktuell hängen sechs Frachter von Hapag-Lloyd im Persischen Golf fest. Konzernchef Rolf Habben Jansen widersprach bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch Berichten, denen zufolge diese Schiffe die Straße von Hormus passiert hätten. Die Sicherheit der betroffenen 150 Seeleute habe Priorität.
15:48 Uhr – Angriff auf Beirut: Libanon fordert Eingreifen der UN
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam hat israelische Luftangriffe mit mehr als 200 Toten am Vortag als eklatante Verletzung des Völkerrechts und des humanitären Rechts verurteilt. Er werde deshalb offiziell eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen einreichen, teilte Salam am Donnerstag mit.
Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge kosteten die Angriffe auf das Zentrum Beiruts und andere Teile des Landes am Vortag mehr als 200 Menschen das Leben. Zudem seien mehr als 1000 Verletzte gezählt worden. Die israelischen Streitkräfte warfen Kämpfern der Hisbollah vor, sich in Wohngebieten zu verschanzen und damit für die zivilen Opfer verantwortlich zu sein.
Salam sagte, sein Kabinett habe die Sicherheitskräfte angewiesen, „die uneingeschränkte Autorität des Staates in ganz Beirut“ zu stärken und sicherzustellen, dass nur legitime Kräfte über Waffen verfügten, also nicht die Hisbollah.
14:34 Uhr – USA fordern laut „Spiegel“ konkrete Zusagen der Europäer
Laut einem „Spiegel“-Bericht hat Nato-Generalsekretär Mark Rutte die europäischen Partner informiert, dass US-Präsident Trump Donald Trump konkrete Zusagen für die Entsendung von Kriegsschiffen oder anderen militärischen Fähigkeiten erwartet – und zwar in den nächsten Tagen. Politische Zusagen seien nicht mehr ausreichend, heißt es in dem Bericht. Damit erhöhen die USA den Druck auf die Europäer, sich in der Straße von Hormus militärisch zu engagieren. Dem „Spiegel“ zufolge bezeichnen europäische Diplomaten, die mit der Sache vertraut sind, den Vorgang als „Ultimatum“.
Zuvor hatte die US-Regierung laut „Wall Street Journal“ die „Bestrafung“ bestimmter Nato-Mitgliedsländer wegen mangelnder Unterstützung der USA während des Iran-Kriegs erwogen. So könnten US-Soldaten aus bestimmten Ländern abgezogen werden, die wenig geholfen hätten, und in Ländern stationiert werden, die die US-Angriffe stärker unterstützt hätten.
14:17 Uhr – Iran droht Israel mit harter Reaktion
Irans Parlamentspräsident droht nach den israelischen Angriffen im Libanon mit einer entschiedenen Reaktion. „Verstöße gegen die Waffenruhe haben konkrete Konsequenzen und ziehen STARKE Reaktionen nach sich. Löschen Sie das Feuer sofort“, schrieb Mohammed-Bagher Ghalibaf auf X.
11:37 Uhr – Iran sieht Recht darauf, Uran anzureichern
Der Chef der iranischen Atombehörde besteht auf dem Recht des Irans, auch künftig Uran anzureichern. Dieses Recht sei eine Bedingung für Verhandlungen mit den USA, teilt Mohammed Eslami mit: „Es ist Teil der notwendigen (Dinge), über die niemand spricht“. Er verweist damit auf die Weigerung der Regierung von US-Präsident Donald Trump, die Urananreicherung als einen Aspekt eines Zehn-Punkte-Plans des Irans für eine dauerhafte Waffenruhe anzuerkennen.
10:46 Uhr – Internationale Kritik an Maut-Idee für Straße von Hormus – Meloni warnt
Frankeich lehnt die mögliche dauerhafte Erhebung einer Durchfahrtsgebühr für die Straße von Hormus ab. Eine entsprechende Idee hat der Iran eingebracht. „Das ist inakzeptabel, weil die freie Schifffahrt in internationalen Gewässern ein Gemeingut ist, das nicht behindert oder mit Gebühren belegt werden darf“, sagt der französische Außenminister Jean-Noël Barrot dem Sender France Inter.
Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will die Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Region. „Wir sind nur einen Schritt von dem Punkt entfernt, an dem es kein Zurück mehr gibt, aber jetzt stehen wir vor einer zerbrechlichen Aussicht auf Frieden, die mit Entschlossenheit verfolgt werden muss“, warnt sie im Parlament. Italien verurteile jede Verletzung der Waffenruhe und fordere ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten.
Ähnlich klingt Großbritannien: „Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden“, sagt Außenministerin Yvette Cooper laut vorab veröffentlichten Auszügen aus einer Rede. Es dürfe keinen Platz für Mautgebühren auf einer internationalen Wasserstraße geben, sagt Cooper. Zudem schließt sich die britische Außenministerin der Forderung an, die kürzlich zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe auf den Libanon auszuweiten.
10:00 Uhr – Neue Raketenangriffe aus dem Libanon auf Israels Norden
Israels Norden ist erneut vom Libanon aus mit Raketen angegriffen worden. In der israelischen Grenzstadt Kiriat Schmona, die seit mehr als einem Monat unter Dauerbeschuss steht, heulten erneut die Warnsirenen. Die meisten Geschosse seien abgefangen worden, andere in offenem Gebiet niedergegangen, teilte die israelische Armee mit.
09:20 Uhr – Dax rutscht unter 24.000 Punkte
Nach dem Freudenrausch kehrt am deutschen Aktienmarkt Ernüchterung ein: Der Dax verliert am Donnerstagmorgen 0,7 Prozent auf 23.924 Punkte. Beflügelt von der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hatte der deutsche Leitindex am Mittwoch 5,1 Prozent zugelegt und die wichtige Marke von 24.000 Punkten geknackt.
08:55 Uhr – Iran veröffentlicht Karte mit Minen in Straße von Hormus
Die Marine der iranischen Revolutionsgarden hat vor Seeminen in der Straße von Hormus gewarnt. Die Streitkräfte publizierten am späten Mittwochabend (Ortszeit) eine Karte, auf der eine Gefahrenzone in den gewöhnlichen Schifffahrtswegen der Meerenge verzeichnet ist. In Anbetracht der Kriegssituation im Persischen Golf werde allen Schiffen dazu geraten, eine Alternativroute weiter nördlich zu nutzen. Damit soll der „mögliche Zusammenstoß mit Seeminen“ vermieden werden.
08:50 Uhr – Hohe Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad
Vor den von Pakistan ausgerichteten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Islamabad verschärft. Hunderte zusätzliche Polizisten und paramilitärische Kräfte wurden eingesetzt, um einen störungsfreien Ablauf der Verhandlungen über eine mögliche Friedenslösung im Iran-Krieg zu gewährleisten. Teile der Stadt wurden am Donnerstag abgeriegelt. Für ein Hotel, in dem Unterhändler erwartet wurden, wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen erlassen.
07:50 Uhr – Iranische Delegation trifft Donnerstag in Islamabad ein
Die iranische Delegation für Gespräche zur Beendigung des Krieges mit den USA und Israel wird dem Botschafter in Pakistan zufolge noch am Donnerstagabend in der Hauptstadt Islamabad eintreffen.
07:40 Uhr – Ölpreise legen zu nach Einbruch am Vortag
Die Ölpreise steigen nach dem Einbruch am Mittwoch wieder leicht. Heute Morgen liegt der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni bei 97,24 US-Dollar und damit 2,6 Prozent höher als am Vortag. Der Preis war tags zuvor im Zuge der Waffenruhe im Iran-Krieg mit fast 90 Dollar auf das tiefste Niveau seit Mitte März gesackt. Auch der Preis der US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai legt heute Morgen wieder zu.
dpa/AFP/AP/jmr/sebe/säd/lay/doli/ceb/nw/krott/saha
Source: welt.de