Weltschlaftag: So wichtig ist guter Schlaf zum Besten von die Gesundheit

Eine Frau liegt im Bett und schläft.


interview

Stand: 13.03.2026 • 04:19 Uhr

Wer dauerhaft schlecht schläft, riskiert krank zu werden. Wie man gut schläft und damit das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Demenz oder Diabetes senkt, erklärt Schlafmediziner Ingo Fietze im Interview.

tagesschau24: Herr Fietze, was macht guten Schlaf aus und wie viel davon braucht man?

Ingo Fietze: Man sollte morgens erholt aufwachen und dann auch wach durch den Tag kommen, ohne müde oder schläfrig zu sein. Und was die Dauer des Schlafes betrifft, da empfehlen wir ganz klar optimal zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Stunden.

tagesschau24: Und wenn man Schichtarbeiter ist oder ein kleines Kind zu Hause hat und es einfach nicht schafft, genug Schlaf zu finden – kann man den nachholen?

Fietze: Man kann zwar nicht im Urlaub den Schlaf eines ganzen Jahres nachholen, aber man kann am Wochenende länger schlafen. So schafft man es, das Schlafdefizit, das man unter der Woche aufgebaut hat, abzubauen.

Guter Schlaf ist wichtig für unsere Gesundheit

tagesschau24: Was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn wir schlafen?

Fietze: Wir haben zwei wesentliche Organsysteme, für die der Schlaf eminent wichtig ist. Das eine ist das Immunsystem. Wir schlafen uns quasi gesund. Und das Zweite ist das Gehirn. Zum einen ist der Schlaf für Gedächtnisprozesse wichtig. Wir lernen im Schlaf, wir speichern im Schlaf. Und das zweite ist, dass wir heute wissen, dass sich das Gehirn im Schlaf reinigt. Also Abbauprodukte werden ausgeschwemmt. Genau dafür ist der qualitativ gute Schlaf wichtig.

Ingo Fietze

Zur Person

Prof. Dr. med. Ingo Fietze ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Schlaf und leitet seit 2005 das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum an der Charité in Berlin. Nach seinem Studium der Biomedizin-Biophysik und der Humanmedizin hat er sich in den Bereichen Schlafmedizin, Chronobiologie, Pathophysiologie, Innerer Medizin und Pulmologie qualifiziert.

Behandlung von Schlafstörungen

tagesschau24: Was passiert, wenn solche wichtigen Vorgänge auf Dauer nicht möglich sind?

Fietze: Alle die gelegentlich mal schlecht schlafen, brauchen keine Angst zu haben. Wer aber länger als ein Jahr schlecht schläft, hat gesundheitliche Risiken. Wir sprechen da von Herz-Kreislauf-Risiko, metabolischem Risiko, Diabetes, Depression, psychischen Nebenwirkungen. Und wie gesagt, viele andere Organsysteme leiden auch.

tagesschau24: Ab wann sollte man sich Hilfe holen und zum Arzt oder einer Ärztin gehen?

Fietze: Spätestens nach vier Wochen sollte man sich fragen: Mache ich etwas falsch? Wie kann ich mich entspannen? Kann ich meine Schlafumgebung verändern? Wenn man nach drei Monaten merkt, dass nichts hilft und man in eine chronische Schlafstörung gerutscht ist, dann sollte man zum Schlafexperten.

Mehr junge Menschen schlafen schlecht

tagesschau24: Betreffen Schlafprobleme vor allem ältere Menschen oder suchen sich auch jüngere Hilfe?

Fietze: Es ist erschreckend, dass in meine Sprechstunde immer mehr Kinder und Jugendliche kommen. Es sind gar nicht die Älteren, die vermehrt unter Schlafstörungen leiden, sondern tatsächlich ändert sich das gerade dahingehend, dass Jugendliche oder auch junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren vermehrt in die Sprechstunde kommen. Die haben meist Ein- aber auch Durchschlafstörungen.

tagesschau24: Können Sie sich erklären, warum davon mittlerweile mehr jüngere Menschen betroffen sind?

Fietze: Amerikanische Umfragen sagen ganz klar, die Schlafkiller unter den Jugendlichen – und das wird bei uns wahrscheinlich nicht anders sein – sind Serienschauen und Computerspielen. Das Problem ist also das Medium abends, von dem ich nicht loslassen kann. Und dann schläft man immer später ein und auch schlechter.

Regeln für den Schlaf

tagesschau24: Heißt das, besser kein TV schauen im Schlafzimmer und das Handy weiter weglegen?

Fietze: Na ja, es gibt keine No-Gos. Ich sage immer, wenn jemand abends noch mal die letzten Nachrichten checken muss, sonst kann er nicht ruhig einschlafen, dann bitte machen. Und wenn jemand immer seine langweilige Serie braucht, um gut einzuschlafen, ist auch das okay. Wichtig ist, dass das leuchtende Gerät in der Ferne steht oder hängt und das es irgendwann automatisch ausgeht.

Kühl, dunkel und ruhig schläft es sich gut

tagesschau24: Jetzt wissen wir, was beim Schlafen stört. Was für eine Umgebung ist denn ideal für guten Schlaf?

Fietze: Jeder weiß, wenn im Sommer die heißen Sommermonate kommen, dann schlafe ich wahrscheinlich etwas schlechter, weil es einfach viel zu heiß ist. Also man muss wissen, Schlafkomfort ist wichtig. Ideal sind 17 bis 22 Grad Celsius, kein Licht – oder nur Nachtlicht, frische Luft und Ruhe. Auch die Vorbereitung des Schlafes ist wichtig.

Wenn man sich den ganzen Tag nicht bewegt hat, sollte man sich auch mal am Abend noch ein bisschen bewegen. Allerdings sollte die letzte große Sporteinheit mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen stattfinden. Und man sollte wissen: gut Essen, gut Schlafen – die abendliche Ernährung entscheidet auch darüber, wie gut ich einschlafe oder durchschlafe.

Frühjahrsmüdigkeit – ein kulturelles Phänomen?

tagesschau24: Stichwort Frühjahrsmüdigkeit. Gibt es die überhaupt oder bilden wir uns nur ein, im Moment besonders müde und platt am Abend zu sein?

Fietze: Es ist tatsächlich bis heute umstritten, ob es sie wirklich gibt. Es gibt gerade eine aktuelle Studie von Schweizer Kollegen, die Probanden gefragt haben nach Erschöpfung und Schlafqualität und das über die verschiedenen Jahreszeiten. Und da hat man festgestellt, im Frühjahr gibt es keinen Peak.

Also es ist nicht so, dass wir tatsächlich objektiv müder werden oder erschöpfter sind. Also es könnte sein, dass wir über Frühjahrsmüdigkeit reden und deswegen in gewisser Weise auch Erschöpfung oder Müdigkeit deutlicher wahrnehmen. Fest steht aber auch, dass die Schlafzeit kürzer wird und die Ernährung und der Kreislauf sich umstellen. Müdigkeit könnte ein Symptom dieser Umstellung sein.

Eulen oder Lerchen

tagesschau24: Es gibt Menschen, die sagen von sich selbst, sie können besonders gut morgens arbeiten oder die arbeiten nachts lieber als zu schlafen. Gibt es solche Veranlagungen wirklich?

Fietze: Ja, es gibt die Lerchen, die Frühaufsteher und es gibt die Eulen, die Spätaufsteher. Die sind aber in der Unterzahl. Die allermeisten sind sozusagen Normalos und schlafen irgendwann zwischen 22 und 7 Uhr. Bei den beiden Extremtypen ist der Schlafrhythmus um ein bis zwei Stunden nach vorn oder hinten verschoben.

Welcher Typ – also Lerche oder Eule – gesünder lebt, das ist noch nicht entschieden. Im Moment sieht es so aus, dass wir davon ausgehen, dass die Eule tatsächlich ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes hat. Das hängt damit zusammen, dass sich die Eule tatsächlich anders ernährt als die Lerche. Sie isst später, sie isst ungesünder, sie bewegt sich etwas weniger. Und das sind Konditionen, die natürlich zu diesem Risiko beitragen.

Das Interview führte Aline Braun für tagesschau24 – es wurde für die schriftliche Fassung gekürzt und redigiert.

Source: tagesschau.de