Weltgrößter Autohersteller: Das ist dieser neue Chef von Toyota

Betont kumpelhaft erschienen der alte und der neue Toyota-Chef am Freitag vor den kurzfristig einberufenen Journalisten in Tokio. Erst eine Stunde zuvor hatte der größte Autohersteller der Welt überraschend bekannt gegeben, dass der bisherige Finanzvorstand Kenta Kon zum 1. April den Chefposten von Koji Sato übernehmen soll. Nun waren beide bemüht, das nicht als ein Absägen des bisherigen Vorstandschefs aussehen zu lassen.
Angesichts der großen Veränderungen in der gesamten Autoindustrie solle sich Sato in seiner neuen Rolle als Chief Industry Officer, also so etwas wie ein Branchenvorstand, und Vize-Verwaltungsratschef mehr um neue Kooperationen mit anderen Unternehmen kümmern. Kon solle als neuer Vorstandsvorsitzender nach innen regieren und vor allem die Profitabilität weiter steigern. „Sato wird so etwas wie der Kapitän der Nationalmannschaft sein und ich der Kapitän eines Clubteams“, sagte Kon.
Seit drei Jahren verantwortet Kon die Finanzen von Woven by Toyota, der Tochtergesellschaft für digitale Innovationen. Im vergangenen Sommer wurde er zum Finanzvorstand des Konzerns berufen. In der Pressekonferenz betonte Sato, dass Kon als „Außenstehender“ vielleicht neue Ideen einbringen könne, um die Ertragskraft weiter zu verbessern, und das auch in schlechteren Zeiten. „Ich denke immer ans Geld und daran, wie wir unsere Profite verbessern können“, sagte Kon über sich selbst.
So schlecht läuft es nicht
Dabei steht der japanische Autokonzern nach drei Jahren unter der Führung von Sato deutlich besser da als viele andere traditionelle Autohersteller. Die Volkswagen Gruppe hat Toyota mit Verkäufen von 10,5 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr zum sechsten Mal in Folge auf Platz zwei der absatzstärksten Autohersteller der Welt verwiesen. Anders als die Wolfsburger denken die Japaner auch nicht an Werksschließungen. Im Gegenteil: gleichzeitig mit der Bekanntgabe des Chefwechsels am Freitag, gab Toyota auch durchaus solide Geschäftszahlen für die ersten neun Monate seines bis Ende März laufenden Geschäftsjahres bekannt.
Die Gewinnprognose für das Jahr steigerte der Konzern auf 3,8 Billionen Yen (rund 23 Milliarden Euro). Bislang war das Unternehmen von 3,4 Billionen Yen ausgegangen. Grund dafür sind einerseits überraschend starke Verkäufe in den Vereinigten Staaten, aber auch Sondergewinne durch den ungewohnt schwachen Yen und Kostenersparnisse.
Seit Satos Amtsantritt hat sich der Aktienkurs des Unternehmens verdoppelt. Als er 2023 die Geschäfte von Akio Toyoda übernahm, der den Konzern 13 Jahren lang geführt hatte, sollte er vor allem eine Strategie für das Zeitalter der Elektroautos einläuten. Dass er dennoch parallel an den Hybriden festhielt, hat entscheidend zu den guten Verkaufszahlen und Ergebnissen des Konzerns in den vergangenen Jahren beigetragen. Doch auch der Chefwechsel zu Kon kam an der Börse gut an. Am Freitag stieg die Aktie in Tokio um weitere zwei Prozent.
Harter Wettbewerb mit chinesischen Herstellern
Obwohl die Geschäftszahlen besser aussehen als bei vielen Wettbewerbern, leidet auch Toyota und der rasch aufstrebenden Konkurrenz von BYD und anderen chinesischen Herstellern. In China selbst, aber auch in vielen südostasiatischen Staaten, machen die günstigen Autos und die rasante Entwicklungsgeschwindigkeit den Japanern das Leben schwer. Toyota-Patriarch Akio Toyoda, der inzwischen den Aufsichtsrat leitet, warnte erst vor Kurzem davor, dass Autos durch die billigen und sehr schnellen Wettbewerber aus China zu einer „Commodity“, also einem austauschbaren Billigprodukt, werden könnten. Mit dem Umbau wolle der Konzern Entscheidungsprozesse beschleunigen, um besser auf den tiefgreifenden Wandel in der Branche reagieren zu können, hieß es am Freitag.
Vor diesem Hintergrund solle auch der Wechsel Satos in seine neue Rolle gesehen werden. Er hat erst kürzlich den Vorsitz des japanischen Autoverbands JAMA sowie den Vizevorsitz des einflussreichen Wirtschaftsverbands Keidanren übernommen. Angesichts des schärfer werdenden Wettbewerbs in der weltweiten Autoindustrie müssten einerseits die Hersteller enger zusammenarbeiten, um die japanische Branche zu stützen, sagte Sato. Andererseits müssten Autokonzerne in Zeiten der Digitalisierung aber auch neue Kooperationen mit Partnern jenseits der Branche eingehen. Unter anderem in der Beschaffung von Batterien und Chips versuchen die japanischen Autohersteller, unter Anleitung des Industrieministeriums Meti, ihre Lieferketten gemeinsam zu stärken.
Tatsächlich mussten einige heimische Wettbewerber von Toyota am Freitag deutlich schlechtere Geschäftszahlen vorlegen als der Branchenprimus. So meldete Mitsubishi Motors für die neun Monate bis Dezember einen Nettoverlust von 4,4 Milliarden Yen (23,9 Millionen Euro) und begründete das vor allem mit den hohen Belastungen durch die amerikanischen Importzölle. Das operative Ergebnis brach um fast 70 Prozent ein auf 31,6 Milliarden Yen (170 Millionen Euro).
Auch Suzuki Motor meldete für den Zeitraum April bis Dezember erstmals seit fünf Jahren einen Rückgang des operativen Ergebnisses und führte das vor allem auf gestiegene Rohstoffkosten an seinen Produktionsstätten in Indien zurück. Nissan, lange die Nummer Drei der japanischen Hersteller, steckt schon seit zwei Jahren in einer tiefen Krise, die unter anderem den Abbau vieler Stellen und die Aufgabe mehrere Werke mit sich bringt.
Der neue Chef ist ein Eigengewächs
Der neue Toyota-Chef Kon ist ein echtes Eigengewächs. Der heute 58 Jahre alte Manager kam 1991 nach seinem Wirtschaftsstudium an der Tohoku Universität zu dem Konzern. Von da an hat er sich vor allem über verschiedene Posten in der Finanzabteilung des Konzerns hochgearbeitet. In seiner jüngsten Funktion bei Woven habe er viel darüber gelernt, wie wichtig die Kommunikation verschiedener Konzernteile miteinander ist; das wolle er nun auch im Gesamtkonzern fördern.
Eine kleine Spitze gegen seinen Nachfolger konnte der scheidende Vorstandschef Sato sich am Ende aber doch nicht verkneifen: „Herr Kon mag eigentlich nur Mini-Vans.“ Das ist in dem Konzern, der besonders stolz auf seine Sportwagen ist, fast eine Beleidigung.