Weil nicht mehr da Plätze ausgebucht waren: 26-Jährige baut sich leicht seine eigene Padel-Halle

Sieht in Padel mehr als nur einen Hype: Justus Hagel

Sieht in Padel mehr als nur einen Hype: Justus Hagel
Getty / Privat

Justus Hagel hat nur zwei Stunden Zeit, er muss gleich noch zu seiner Padel-Halle in Berlin, Termin mit einem Partner. Justus, frisch mit erstem Staatsexamen durch und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der renommierten Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, ist nebenbei Gründer von PadelBros – eine Padel-Halle im Norden Berlins.

Während er langfristig auf Volljurist und Politiker hinarbeitet, nimmt er sich gerade mal eben eine kleine Pause, wie er selbst sagt: „Ich fahre quasi auf der Autobahn Richtung zweites Examen und Volljurist, nehme aber gerade eine Ausfahrt vom Lernen.“ 

Wie aus Frust eine Idee wurde

Justus studierte Jura an der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt Völkerrecht und gründete parallel PadelBros, angetrieben von sechs Jahren Padel-Leidenschaft. Aus Stuttgart kommend, wollte er so viel spielen wie möglich: „In Berlin waren aber nie Plätze verfügbar und dann habe ich gedacht, okay, dann muss ich eben was Eigenes machen.“

Die Idee entstand bei Bierchen mit Freunden, erzählt er. Mit seinem 21-jährigen Co-Gründer aus den Niederlanden folgte dann im Sommer 2024 der Kick-Start, ohne großes BWL-Vorwissen und Masterplan. Geld und Gründen waren dabei nicht der ursprüngliche Antrieb, viel eher Lust am Sport und Netzwerken. „Für alles Verantwortung zu tragen, war eigentlich nie so richtig die Idee, da bin ich eher reingerutscht.“

Die schwierige Suche nach der richtigen Halle

Parallel zur Gründung der GmbH lief dann die Suche nach einer passenden Padel-Halle, was gar nicht so einfach war, passende Locations sind hart umkämpft. Nach einem halben Jahr Suche überzeugten Justus‘ Motivation und Businessplan dann aber den Eigentümer einer alten Klinkerhalle in Borsigwald: „Dem sagte Padel noch nichts und fand das mega cool, dass wir so jung sind.“

Die Padel(Bros)-Halle mit den höchsten Decken Berlins

Die Padel(Bros)-Halle mit den höchsten Decken Berlins

Hätte er Padel gekannt, wäre die Halle wahrscheinlich an ein großes Padel-Unternehmen gegangen. Damit war die schwierigste Aufgabe erstmal erledigt, denn „Padel scheitert nie an den Rechenmodellen, die Nachfrage ist da. Es scheitert immer nur an der richtigen Halle.“

Vom Aufbau zur täglichen Routine

Nach der Zusage für die Halle begann dann der praktische Teil: Aufbau, Ausstattung, Betrieb. Die Padelplätze selbst stammen aus Spanien, von Jubo Padel – einer Komplettlösung, die Belag, Netze und Aufbau umfasst. Den Boden und die Elektrik organisierte Justus jedoch selbst über lokale Handwerker.

Insgesamt flossen rund 500.000 Euro in die Halle und die Plätze – komplett eigenfinanziert, unterstützt von privaten Investoren, die das junge Team mit ihrem Pitchdeck begeisterte. Große Business Angels seien das aber nicht gewesen, sagt Justus, eher engagierte Unterstützer aus dem persönlichen Umfeld.

Heute bestimmt der operative Alltag seinen Terminplan: Schläger verleihen, Kaffee kochen, Sauberkeit sicherstellen und sich um alles zwischen Platz und Toilette kümmern. Parallel baut Justus Partnerschaften auf, plant Events und denkt schon an eine eigene Akademie. Auch die Personalplanung gehört inzwischen zu seinen Aufgaben.

Vor allem versucht er nun aber, eine starke Community aufzubauen. Nach dem Soft Start im Dezember ist für März die große Eröffnung geplant, trotz fehlender Genehmigung für die Terrasse und kleinerer Baustellen. Ist aber nicht so wichtig, es soll schließlich vor allem die Community im Fokus stehen.

PadelBros soll kein reiner Sportbetrieb sein, sondern ein sozialer Treffpunkt mit niedrigen Einstiegshürden. Eine Mitgliedschaft soll dabei nicht notwendig sein: „Eigentlich geht es ja darum, sowas Ähnliches wie einen Verein zu schaffen, aber eben ohne die Mitgliedschaft.“

Der Fokus liege deswegen bewusst auf Events und Turnieren, aber auch normalen Matches und Einzelunterricht. Kooperationen mit Urban Sports, Wellpass und weiteren Partnern sind bereits am Laufen, wobei Justus vor allem auch jungen und lokalen Startups wie In Your Face Foods eine Möglichkeit geben will. So soll der lokale und persönliche Kontakt beibehalten werden, welchen große Padel-Konkurrenten oft aus den Augen verlieren. Seine Zielgruppe dabei? Neben jungen Sportlern gezielt auch Senioren, welche am besten wöchentlich kommen sollen.

Gegen die Großen der Branche

So will Justus sich auch von der Konkurrenz absetzen. Diese hat ihm bereits jetzt zwei Übernahmeangebote gemacht, wie er erzählt – er lehnte ab, das Angebot sei zu niedrig gewesen. Er kenne den Wert seiner Firma, meint er. Padel sei gerade im Hype (ca. 1400 Plätze in Deutschland), und sein Produkt sei gefragt. Gerade deswegen warnt er vor den großen Playern. „Jetzt ist es ein See mit schon echt großen Fischen, die auch gerne kleine Fische essen.“ Seine Strategie dagegen? Authentizität, Events, und eine lokale Bindung, die über den schnellen Padel-Hype hinaus geht. Und natürlich: viel arbeiten.

Zwischen 80-Stunden-Wochen und Zukunftsplänen

Wie Justus all das schafft, neben Jura-Karriere, Engagement, Freundin und Familie? Ohne den Support genau dieser würde es gar nicht gehen, meint er. Sie hätten teilweise sogar für ihn in der Halle gearbeitet, aber nur temporär, wie er sagt. Er selbst ist momentan drei Tage die Woche bei Freshfields im Büro, abends und an den restlichen Tagen (seiner Sieben-Tage-Woche) dann in der Halle.

Gerade macht er eine 80-Stunden-Woche, hat sich schon das ein oder andere Mal gefragt, wieso er sich das eigentlich alles antut – trotz Padel-Leidenschaft. Ab August will er das deswegen ändern, dann soll alles von selbst laufen. Sein Ziel: Sich durch Mitarbeiter und KI aus den täglichen Operations rausziehen, und nur noch zu den Events und den eigenen Spielen gehen. Was er dann nach seinem „Operational Exit“ machen will? Klar, Referendariat und 2. Staatsexamen, die Jura-Karriere wartet.

Source: businessinsider.de