Wehrdienstreform in Frankreich: Noch keine Levée en masse

Im Jahr 2006 konnte man französische Offiziere antreffen, die über Erfahrungen ihrer Armee ein halbes Jahrzehnt nach der Aufhebung der Wehrpflicht berichteten. Es sei schon in dieser kurzen Zeit mühsam geworden, so wurde damals hinter vorgehaltener Hand erzählt, brauchbare Soldaten in der erforderlichen Zahl zu rekrutieren. Die Deutschen seien gut beraten, wenn sie ihre Wehrpflicht nicht antasteten.
Das kam bekanntlich anders. Ein weiteres halbes Jahrzehnt später war auch bei uns der Pflichtdienst ausgesetzt. Wenn schon die Grande Nation darauf verzichten konnte, in der einst die Levée en masse, die Aushebung und Bewaffnung der Volksmassen, als revolutionär-demokratischer Akt erfunden worden war, warum sollte Deutschland das nicht auch können?
Einsatzarmee ist out
Es ist kein Zufall, dass heute beide Nationen um Modelle für einen wieder breiter aufgestellten Wehrdienst ringen. Das Modell einer kleinen, professionellen Einsatzarmee ist out.
Zum einen wegen der Erfahrungen mit den Einsätzen. Aber natürlich vor allem wegen der offen zutagegetretenen Aggressivität von Putins Russland. Andersherum betrachtet wegen des Beispiels, das die Ukrainer geben, die sich mit einer Wehrpflichtarmee seit bald vier Jahren ihres mächtigen Nachbarn erwehren, der sie unterwerfen will.
Allerdings mangelt es in Paris wie Berlin immer noch an der Entschlossenheit, den ganzen Schritt zu tun.
Source: faz.net