WEF 2026: Das Amerikanische Forum

Die Vereinigten Staaten haben auf dem Weltwirtschafts­forum als führende Wirtschaftsmacht schon immer eine prominente Rolle gespielt. Doch der Forumsgründer und langjährige Prä­­sident Klaus Schwab hatte darauf ge­achtet, dass die Amerikaner das Forum nicht unter ihre Kontrolle bekamen.

Nach Schwabs Abgang sprangen der Blackrock-Vorstandsvor­sit­zende Larry Fink und André Hofmann, der schweizerische Vizever­wal­tungsratsvorsitzende von Roche, als vorübergehende Ko-Präsidenten des Forums ein. Mit ihrem Einsatz retteten sie die Veranstaltung, weil besonders Fink seine hervorragenden Kontakte spielen ließ. Das Ergebnis ist eine Veranstaltung, die eher die Bezeichnung „Amerikanisches Forum“ verdient.

Davos zählt in diesem Jahr mehr Teilnehmer als in den Vorjahren, darunter allein 65 Staats- und Re­gierungschefs. Das ist eine zweifellos beeindruckende Zahl, doch reprä­sentieren diese Staatenlenker rund 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder, China und Indien, sind weitaus weniger prominent vertreten, und wie inoffiziell zu hören ist, hängt diese Zurückhaltung mit der starken amerikanischen Prägung der Veranstaltung zusammen, zu der Donald Trump und die rund 300 Personen umfassende Delegation nicht wenig beitragen.

Davos muss mit der Zeit gehen

Natürlich muss auch Davos mit der Zeit gehen. Aber die Unverblümtheit, mit der einige Büchsenspanner des Präsidenten das Ende der alten Ordnung und die Vorherrschaft Washingtons ankündigten, die Herablassung, mit der sie die Europäer behandelten, während sie die Monarchien vom Golf mit Hochachtung behandelten, stieß selbst unter amerikanischen Teilnehmern auf Befremden, während nicht wenige Europäer mit blanker Wut reagierten.

Es blieb dem kanadischen Premierminister Mark Carney vorbehalten, mit einer mutigen Rede die liberale, regelbasierte Gegenposition zur Megalomanie Trumps zu formulieren. Und es war die europäische Politik, die mit unaufgeregter Festigkeit Trumps Eroberungsgelüste in Grönland (zumindest vorerst) zähmen half und durch weitgehende Abwesenheit dafür sorgte, dass sich die Chartafeier von Trumps „Board of Peace“ auf dem Niveau einer zweitklassigen Jubelfeier für den amerikanischen Präsidenten bewegte.

Die Macht der Vereinigten Staaten mag überschätzt werden

In Davos ist viel von der Rivalität großer Mächte und dem Verhältnis von Hegemonen und Mittelmächten die Rede. So groß die Macht der Vereinigten Staaten auch erscheint, so mag sie nicht nur wegen der wenig auffallenden Präsenz von Chinesen und Japanern in Davos überschätzt werden. Auch wirtschaftliche Gründe sprechen hierfür.

Das überragende Wirtschaftsthema in Davos bildet die Künstliche Intelligenz, ein Gebiet, auf dem amerikanische Unter­neh­men eine führende Rolle spielen. Die transformierende Wirkung der Künstlichen Intelligenz mag unbestritten sein, die geringe Zahl von Un­ternehmen, die aus ihrem Einsatz bisher über vernehmliche Wirkungen auf ihre Gewinne sprechen, erinnert an eine Prognose des Nobelpreis­trägers Daron Acemoglu, der von der Künstlichen Intelligenz keine er­heb­lichen Produktivitätsgewinne für die Wirtschaft erwartet.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wird aber erhebliche Produktivitätsgewinne aus der Künstlichen Intelligenz benötigen, um ein langfristiges Wirtschaftswachstum zu erzielen, das den starken Anstieg der Staatsverschuldung nachhaltig erscheinen lässt. Der Niedergang großer Mächte als Resultat einer Überforderung ihrer wirtschaftlichen Ressourcen ist ein zu verbreitetes Phä­nomen, um es für die Vereinigten Staaten auszuschließen.

Die Europäer mögen sich über die Maßlosigkeit des Auftritts mancher amerikanischer Politiker und Unternehmer zu Recht aufregen. Sie werden aber daran gemessen, ob sie ihre Hausaufgaben, zu denen vor allem die Kräftigung ihrer Wirtschaft und ein Ausbau ihrer Verteidigungsfähigkeit zählen, endlich erledigen. Wenn die Vorsitzende der EU-Kommission Jahr für Jahr eine Kapitalmarktunion in Aussicht stellt, von der jeder weiß, dass sie doch nicht kommt, wenden sich irgendwann auch diejenigen kopfschüttelnd ab, die bei besseren Rahmenbedingungen in Europa investieren würden. Zur Wahrheit gehörte auch, dass der von Bundeskanzler Friedrich Merz beschworene Zusammenhalt in Europa am ehesten durch äußeren Druck, und hier vor allem durch Druck von Trump, zustande kommt. Das Amerikanische Forum ist nicht nur ein Spiegel ameri­kanischen Hegemonialstrebens, son­dern auch ein Spiegel europäischer Schwäche.