Was zur Wahl in Rheinland-Pfalz wichtig ist

Wahlplakate von Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder stehen nebeneinander.


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Stand: 22.03.2026 • 05:29 Uhr

Kann die CDU in Rheinland-Pfalz die Macht nach Jahrzehnten von den Sozialdemokraten zurückerobern? Es wird eng zwischen den Spitzenkandidaten Schweitzer und Schnieder. Wer tritt noch an? Und wie wird gewählt? Ein Überblick.

Wie ist die Ausgangslage?

Bereits der Auftakt ins Superwahljahr 2026 in Baden-Württemberg war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch in Rheinland-Pfalz am Sonntag bahnt sich ein solches an – und wieder ist die CDU beteiligt. Doch dieses Mal wird es kein schwarz-grünes, sondern ein schwarz-rotes Duell: In der ARD-Vorwahlumfrage von infratest dimap vom 12. März liegt die oppositionelle CDU mit Spitzenkandidat Gordon Schnieder mit 29 Prozent einen Punkt vor der Regierungspartei SPD.

Die Sozialdemokraten konnten ihren Rückstand zur CDU zuletzt verkleinern, drohen aber erstmals in dem Bundesland unter die 30-Prozent-Marke zu rutschen.

Die SPD regiert das strukturell konservative Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren, seit zehn Jahren in einer Ampelkoalition mit Grünen und FDP. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Sommer 2024 stellt sich ihr Nachfolger Alexander Schweitzer erstmals dem Votum der Bürger. Schweitzer ist auch stellvertretender Bundesparteichef. Sollte er nicht im Amt bleiben, hätte das Signalwirkung auch für den Bund, zumal den Sozialdemokraten ihr schlechtes Ergebnis in Baden-Württemberg noch in den Knochen stecken dürfte.

Für die Landes-CDU wäre schon die Rolle des Juniorpartners in der Regierung nach Jahrzehnten in der Opposition ein Erfolg. Für die Bundes-CDU dürfte es darum gehen, nach dem lange sicher geglaubten Sieg in Baden-Württemberg nicht noch eine Wahl zu verlieren.

Relativ unwahrscheinlich scheint die Fortführung der Ampelkoalition zu sein, auch wenn Schweitzer sie gerne fortsetzen würde. Die FDP liegt laut ARD-Vorwahlumfrage bei unter drei Prozent. Die Grünen kommen demnach auf 8 Prozent. Die AfD erreicht 19 Prozent und könnte ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. Die Linke könnte erstmals in den Landtag einziehen, die Freien Wähler wieder ausziehen.

Wie steht das Land da – und was waren die Themen im Wahlkampf?

4,12 Millionen Menschen leben in Rheinland-Pfalz, knapp 230.000 von ihnen in der Hauptstadt Mainz. Das Land umfasst dünn besiedelte Gebiete wie große Teile der Eifel, des Hunsrücks oder des Westerwalds, aber auch Zentren pharmazeutischer und chemischer Industrie wie etwas BASF in Ludwigshafen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 44.000 Euro liegt Rheinland-Pfalz im Mittelfeld der Länder und unter dem Bundesdurchschnitt von 55.000 Euro. Die Arbeitslosenquote lag im Februar bei 5,8 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,5 Prozent.

Die Sorge um Industriearbeitsplätze, die Schuldenlast der Kommunen sowie die Bildungspolitik waren Hauptthemen des Wahlkampfs. Schnieder will das Landes-Klimaschutzgesetz der Ampel wieder kassieren, das die Treibhausgasneutralität schon 2040 und damit fünf Jahre früher als im Bund vorsieht.

Wie wird abgestimmt – und wer darf wählen?

Der Landtag wird alle fünf Jahre gewählt. Zwölf Parteien stehen zur Wahl. Jeder Wähler und jede Wählerin hat zwei Stimmen. Die Erststimme (Wahlkreisstimme) entscheidet über die Direktkandidaten in den 52 Wahlkreisen. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Nach der Zweitstimme (Landesstimme) wird entschieden, welche Partei wie viele Sitze im künftigen Landtag hat. Derzeit sitzen dort 101 Abgeordnete.

Wählen dürfen alle Deutschen, die mindestens 18 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten dauerhaft im Bundesland wohnen oder sich dort gewöhnlich aufhalten – das sind etwa 2,95 Millionen Menschen.

Wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien?

Alexander Schweitzer (SPD) hat die Wahl zum „Kampf seines Lebens“ erklärt. Seit seiner Amtsübernahme reist der 52-Jährige durchs Land, will „nah bei de Leut“ sein. Politisch bringt sich der stellvertretende SPD-Bundeschef oft und gerne in Berlin mit einer klaren Meinung ins Spiel. Schweitzer lebt mit seiner Familie in Bad Bergzabern in der Südpfalz.

Gordon Schnieder führt die CDU als Partei- und Fraktionschef. Auch der 50-Jährige tourt seit Jahren durchs Land, um sich bekannt zu machen. Es ist sein erster Wahlkampf als Spitzenkandidat. Schnieder lebt mit mehreren Generationen unter einem Dach auf dem Dorf in Birresborn in der Eifel. Sein älterer Bruder Patrick (auch CDU) ist Bundesverkehrsminister in Berlin.

AfD-Kandidat Jan Bollinger wurde in Koblenz geboren und ist in Neuwied aufgewachsen. Bollinger hat Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitete einige Jahre als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe. 2013 trat er in die AfD ein. Seit 2016 sitzt er für sie im Landesparlament, mittlerweile als Fraktionschef.

Die Grüne Katrin Eder sammelte ihre ersten politischen Erfahrungen im Mainzer Stadtrat in der Sozialpolitik. Als Verkehrs- und Umweltdezernentin war die 49-Jährige rund zehn Jahre in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt im Einsatz. In der Ampelregierung ist sie Klimaschutz- und Umweltministerin.

Rebecca Ruppert (Die Linke) arbeitete nach dem Studium in Österreich und den Niederlanden in der IT-Beratung und beriet dabei vor allem Behörden bei der Verwaltungsdigitalisierung. Seit dem Jahr 2020 ist die 37-Jährige Mitglied bei der Linken und seit 2024 Landesvorsitzende. Ruppert wurde in Mainz geboren und wohnt mittlerweile in Rheinhessen.

FDP-Spitzenkandidatin Daniela Schmitt kämpft mit ihrer Partei um den Wiedereinzug in den Landtag. Vor ihrer Karriere in der Politik war sie Regionaldirektorin bei der Mainzer Volksbank. In die FDP trat Schmitt erst mit über 30 Jahren ein. Schmitt war Wirtschafts-Staatssekretärin unter dem langjährigen FDP- Landesvorsitzenden Volker Wissing. Momentan ist sie Wirtschaftsministerin. Die 53-Jährige lebt mit ihrem Mann in ihrem Geburtsort Alzey bei Mainz.

Für die Freien Wähler geht Joachim Streit ins Rennen. Der gebürtige Trierer hatte die Freien Wähler 2021 erstmals in den Landtag geführt, war aber nach der Europawahl ins Europaparlament gewechselt. Wenn die Freien Wähler den Wiedereinzug schaffen, will er nach Mainz zurückkehren. Der 60-jährige Jurist ist der Einzige der sieben Spitzenkandidaten, der in keinem Wahlkreis direkt kandidiert.

Superwahljahr 2026

In diesem Jahr finden gleich mehrere wichtige Wahlen statt. Ein Überblick über die kommenden Termine 2026:

  • 22.03. Rheinland-Pfalz – Landtagswahl
  • 06.09. Sachsen-Anhalt – Landtagswahl
  • 13.09. Niedersachsen – Kommunalwahl
  • 20.09. Berlin – Wahl zum Abgeordnetenhaus
  • 20.09. Mecklenburg-Vorpommern – Landtagswahl

Source: tagesschau.de