Was Super Bowl und Caren Miosga gemein nach sich ziehen
In Deutschland gibt es heute 80 Millionen Football-Experten, Caren Miosga zeigt, wie man mit der AfD im Fernsehen besser nicht umgeht und der Commodore 64 ist zurück. Der „Freitag“-Blick auf den Tag
Hallo,
heute scheint es, als seien wir auf einmal 80 Millionen American-Football-Experten geworden, so viel ist vom Super Bowl die Rede. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, es bleibt mir schleierhaft, was die Leute an den Seattle Seahawks (Fischadler?) oder den Patriots aus Neu-England finden. Oder rührt das Interesse aus der Halbzeitshow von Bad Bunny, die zur politischen Meta-Auseinandersetzung mit Donald Trump hochstilisiert wurde?
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Mir scheint: Das ist Politik-Ersatz, nicht Politik. Mein Bedürfnis an dergleichem wird hierzulande zur Genüge von Talkshows gestillt: Stellvertreter-Streit in Studios, der so aussieht, als sei er Politik, aber sie nur performt, und im Wesentlichen folgenlos bleibt.
Die Frage wäre: Trifft das auch auf Caren Miosgas gestrige Sendung zu, bei der der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla zu Gast war? Man merkte es Miosga an: Sie wollte auf jeden Fall vermeiden, dass man ihr hinterher vorwirft, sie hätte Chrupalla ähnlich umgänglich-zugänglich-grinsend empfangen, wie sie das mit Friedrich Merz macht.
Aber war das jetzt wirklich besser, dem Mann bei jedem Wort zu verstehen zu geben, dass er gänzlich daneben, verdorben sei, ein „deplorable“ quasi? Unsere Chefredakteurin Elsa Koester hat die Sendung und den Umgang mit der AfD darin kommentiert: Sie erkennt kein Gespräch mehr, sondern nur „zwei tragische Clowns, von denen nur einer sympathisch rüber kam.“
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Orangene Engel: Heute wurde ich von einem Scheppern, Poltern und Rumsen geweckt. Noch im Halbdunkel brachte mich das zum Lächeln. Wer das wohl war? Wer verrichtet weiter ihren Dienst, egal ob Sturm, Eis oder Schnee, während andere über die Glätte schimpfen und im Homeoffice die Heizung aufdrehen? Die Müllabfuhr!
Ist es nicht fantastisch beruhigend, wie sehr man auf die Müllabfuhr zählen kann? In Berlin hatte es neulich noch mal 10 Zentimeter Pulverschnee auf die Eisbürgersteige gezuckert, aber die Müllabfuhr hielt das nicht davon ab, zu tun, was sie immer tut. Und mich dabei auch noch zu wecken, mir zu sagen: Auf, auf, was schläfst du noch, wir sind schon lange auf den Beinen!
Sollte ich Sie mit meiner Müllabfuhr-Begeisterung jetzt noch nicht überzeugt haben, tut es vielleicht die Sendung mit der Maus. Die hat schon vor Jahrzehnten der Müllabfuhr ein musikalisches Denkmal gesetzt – und nebenbei Fernsehgold produziert.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu hören: In der ARD-Audiothek gibt es aktuell ein Hörbuch, das ich nur wärmstens empfehlen kann: Es erzählt die Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause, so wie Annett Gröschner sie in ihrem Roman Schwebende Lasten aufgeschrieben hat: „Zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, ein Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten“ – und das alles erlebt von einer, die „bis auf ein paar Monate nie aus Magdeburg herauskam.“ Eine Freitag-Rezension zum Roman finden Sie hier ➜
4. Lese-Empfehlung
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➜ Digital Detox in Retro-Schick: Mit dem Commodore 64 kehrt eine Ikone zurück. Commodore 64 Ultimate bietet mehr als simple Nostalgie. Mit der runderneuerten und gegenwartskompatiblen Maschine lässt sich der ursprüngliche Geist des Computings entdecken. Warum das eine Lektion fürs Leben ist, hat Keith Stuart aufgeschrieben.
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Ich hätte es ahnen sollen, aber die emotionale Wirkung war wirklich unerwartet. Der Commodore 64 Ultimate, eine Neuauflage des legendären 8-Bit-Computers, kommt in einer Box, die der Originalverpackung nachempfunden ist – ein Foto des Computers vor einem tiefblauen Hintergrund, der in weiße Streifen übergeht. Beim Öffnen findet man dann eine verblüffend genaue Nachbildung dessen, was Fans liebevoll „Brotkasten“ nannten – den klobigen, schrägen Commodore 64 in Braun- und Beigetönen, mit der roten LED in einer Ecke über der Reihe der rehbraunen Funktionstasten. Eine Zeitreise zurück ins Jahr 1982.
Ende 1983 kaufte uns mein Vater einen C64. Es war unser zweiter Computer nach dem ZX81 und fühlte sich mit seiner detaillierten Farbgrafik, dem fortschrittlichen Soundchip und der richtigen Tastatur wie ein riesiger Sprung in die Zukunft an. Wir packten ihn auf unserem Esstisch aus, schlossen ihn an einen kleinen tragbaren Fernseher an und luden das einzige Spiel, das wir hatten: einen sehr simplen Donkey-Kong-Klon namens Crazy Kong.
Feedback
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Wie fanden Sie Chruppalas Auftritt bei Miosga? Nutzt das der AfD vielleicht sogar, wenn man am Ende Mitleid mit ihm hat? Oder war es falsch, ihn überhaupt einzuladen? Wir freuen wir uns über Ihr Feedback – per Mail an p.egger@freitag.de
Damit sind wir auch schon am Ende unseres Newsletters. Endlich Freitag! – „Captain, it’s monday!“ Sie kennen das. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche – und hoffe, dass Sie die nächsten Morgende auch etwas zu Lächeln haben.
Viele Grüße,
Ihr Pepe Egger
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Wie fanden Sie Chruppalas Auftritt bei Miosga? Nutzt das der AfD vielleicht sogar, wenn man am Ende Mitleid mit ihm hat? Oder war es falsch, ihn überhaupt einzuladen? Wir freuen wir uns über Ihr Feedback – per Mail an p.egger@freitag.de