Warum wurde die Mädchenschule in Iran zum Ziel?

Rettungskräfte und Anwohner durchsuchen die Trümmer einer Schule in Minab.


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Stand: 12.03.2026 • 12:21 Uhr

Zu Beginn des Krieges soll in Iran eine Mädchenschule durch einen mutmaßlichen Angriff zerstört worden sein. Etwa 170 Menschen starben. Laut Medien-Recherchen verdichten sich die Hinweise auf eine Verantwortung des US-Militärs.

Was ist passiert?

Am 28. Februar – am ersten Tag der Angriffe der USA und Israels auf Iran – hat es auf dem Gelände einer Mädchenschule in der iranischen Provinz Hormusgan eine Explosion gegeben. Die Explosion soll Folge eines Angriffs auf den Gebäudekomplex gewesen sein.

Der mutmaßliche Angriff fand an einem Samstagmorgen statt – zu Beginn der iranischen Schulwoche, als das Gebäude voller Kinder war. Iranischen Medien zufolge kamen etwa 170 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Kinder.

Schon kurz nach dem Bekanntwerden des Vorfalls kam die Frage auf, wer dafür verantwortlich ist.

Was ist über die Schule bekannt?

Die Shajarah-Tayyebeh-Schule für Mädchen liegt in der Stadt Minab. Laut der Nachrichtenagentur Reuters befindet sich das Schulgebäude direkt neben einem Komplex der iranischen Revolutionsgarden. Einem Bericht der New York Times zufolge handelt es sich um einen Standort der Marine der Islamischen Revolutionsgarde Irans. Das Schulgebäude sei früher Teil dieser benachbarten Militärbasis gewesen.

Wann ein Teil dieses Militärkomplexes in die Schule umgewandelt wurde, ist unklar. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Satellitenaufnahmen zeigten, dass die spätere Schule bis 2017 Teil der Militärbasis gewesen sei. Die New York Times gab an, der Schulkomplex habe bis mindestens 2016 zur Militärbasis gehört. Die Zeitung verweist ebenfalls auf archivierte Satellitenaufnahmen, die zeigen sollen, dass nach dieser Zeit Wachtürme auf dem heutigen Schulgelände abgebaut worden und drei öffentliche Eingänge zur Schule sowie Spielbereiche geschaffen worden seien. In dieser Zeit sind offenbar auch Mauern versetzt worden, sodass die Schule vom Militärkomplex abgegrenzt war.

Vonseiten der Nachrichtenagentur AP hieß es weiter, die die Schule umgebenden Mauern seien mit farbenfrohen Wandbildern in Blau und Rosa bemalt worden – so hell, dass sie aus dem Weltraum sichtbar gewesen seien. Die Schule sei damit auf Satellitenbildern klar als zivile Einrichtung zu erkennen gewesen.

Welche Hinweise liegen bisher zu dem mutmaßlichen Angriff vor?

Mehrere, unabhängige Recherchen und Berichte deuten darauf hin, dass der mutmaßliche Angriff auf einen Fehler des US-Militärs zurückzuführen sein könnte.

Sowohl die Nachrichtenagentur AP als auch die Nachrichtenagentur Reuters berichteten, der mögliche Beschuss des Schulkomplexes beruhe auf veralteten Daten des US-Militärs. Beide Agenturen berufen sich auf namentlich nicht genannte Quellen, die über die Ergebnisse der vorläufigen Untersuchung des Vorfalls durch das US-Militär informiert seien. Das US-Zentralkommando habe sich bei dem Angriff auf Zielkoordinaten gestützt, die auf veralteten Daten des US-Militärgeheimdienstes DIA basierten, hieß es bei AP. Auch Reuters gab an, den Quellen zufolge hätten die Zielplaner offenbar auf überholte Geheimdienstinformationen zurückgegriffen.

Auch die New York Times hatte zuvor über die mögliche Nutzung veralteter Daten berichtet. Die Zeitung zitierte ebenfalls anonyme US-Beamte, dass es sich um vorläufige Ergebnisse der Untersuchung handele und dass wichtige Fragen offen seien, etwa warum die mutmaßlich veralteten Informationen nicht doppelt überprüft worden seien. Es handele sich nach Auffassung der zitierten Quellen jedoch nicht um einen technischen Fehler, sondern um einen „menschlichen Fehler in Kriegszeiten“.

Bereits am 8. März hatte die Investigativgruppe Bellingcat Recherchen veröffentlicht, die auf der Auswertung von Aufnahmen beruht, die die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Mehr verbreitet hatte. Diese Aufnahmen zeigen demnach, dass die benachbarte Militärbasis der Revolutionsgarde von einem Marschflugkörper des Typs „Tomahawk“ getroffen worden sein soll. Auch die New York Times gab an, diese Bilder verifiziert zu haben. Die Bilder beziehen sich jedoch lediglich auf den mutmaßlichen Beschuss des Militärkomplexes. Der Einsatz von „Tomahawk“-Marschflugkörpern ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Wie reagiert die US-Regierung auf die Medienberichte?

Direkt nach dem mutmaßlichen Angriff hatten sowohl Iran als auch Israel und die USA eine Verantwortung zurückgewiesen. In einer ersten Reaktion mutmaßte US-Präsident Trump, Iran selbst könnte für den möglichen Angriff die Schuld tragen. Dessen Waffen seien „sehr ungenau“ und verfügten über keine Treffsicherheit. Die iranische Führung hingegen sieht die Verantwortung bei den USA.

Anfang der Woche kündigte die US-Regierung eine Untersuchung des Vorfalls an. Sowohl Trump als auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth halten sich seitdem mit Stellungnahmen zurück. Auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, verwies am gestrigen Dienstag lediglich auf die nach wie vor andauernde Untersuchung. Trump hat jedoch angekündigt, das Ergebnis dieser Prüfung annehmen zu wollen.

Source: tagesschau.de