Warum sich ein Waldumbau lohnt

Stand: 19.09.2025 07:00 Uhr

Mischwälder trotzen hohen Temperaturen und Trockenheit – besser als Monokulturen von Fichten und Kiefern. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, es rechnet sich auch wirtschaftlich.

Von Birgit Augustin, NDR

Hektarweise gleichaltrige Kiefern und Fichten in Reih und Glied sind ideal für die industrielle Ernte – aber im Klimawandel ein wachsendes Risiko. Hitze, Dürre und Schädlinge setzen besonders solchen Plantagen zu. Seit 2018 summieren sich die forstwirtschaflichen Schäden auf über 25 Milliarden Euro.

Waldbesitzer schlagen Alarm

Lewin von Saldern, Waldbesitzer in der brandenburgischen Prignitz, stellt deshalb um: weg von Monokulturen, hin zu einem Dauerwald mit unterschiedlichen Baumarten und Altersklassen. „Die Klimaprognosen hier sind dramatisch, und das ist eben unsere große Befürchtung, dass unsere Kiefern-Restbestände in den nächsten zehn, 15, 20 Jahren absterben könnten und wir dann ohne Wald hier stehen.“

Wie schnell das gehen kann, zeigt der Harz: Nach Stürmen 2018 folgten extreme Sommer und eine Borkenkäferexplosion. Inzwischen sind rund 90 Prozent der Fichten im Nationalpark gestorben.

Klimaresiliente Mischwälder

Für den Umbau holte von Saldern den Förster Moritz von Maltzahn dazu, der einen eigenen Betrieb bereits vor 18 Jahren umgestellt hat. Dort haben sich durch die Naturverjüngung zahlreiche Laub- und Nadelbaumarten angesiedelt; zusätzlich pflanzt er gezielt klimaresiliente Arten. „Wir können gar nicht zu viele Baumarten haben.“

Dauerwälder sind mehrschichtig: Alte Tiefwurzler fördern Grundwasser nach oben und versorgen Jüngere, das Kronendach der Jungbäume bremst Wind und hält Feuchtigkeit im Bestand. Das Ergebnis sei ein stabileres Ökosystem mit höheren Zuwächsen und weniger Klimaschäden, sagt von Maltzahn – sichtbar bereits im relativ kurzen Zeitraum von 18 Jahren.

Totholz als Närstofflieferant

Zum System gehört auch Totholz. Alte, sich zersetzende Stämme bleiben im Wald: Sie bieten Käfern und Pilzen Lebensraum, düngen den Boden und speichern Niederschläge, die sie im Sommer abgeben. In von Maltzahns Beständen ist es bis zu vier Grad kühler als nebenan in Monokulturen. „Da funktioniert Totholz wie eine Klimaanlage.“

Jagd zum Schutz des Waldes

Im Kiefernforst von Saldern zeigen sich massiv Verbiss- und Schälschäden, in Brandenburg haben sich Reh- und Damwildbestände in 70 Jahren mehr als verzehnfacht. „Wir sehen, dass überhaupt keine neuen Bäume von unten nachwachsen und das Wild alles auffrisst“ so von Saldern. Zäune schützen zwar, kosten aber rund 20 Euro pro laufendem Meter – inklusive Bau, Unterhaltung und Rückbau. Förster von Maltzahn setzt daher in seinem Wald auf professionelles Wildtiermanagement: tierschutzgerecht, effektiv und störungsarm – und ohne Trophäenjagd

Das bedeutet: keine Einnahmen durch Verpachtung oder bezahlte Abschüsse, dafür mehr Personal und Aufwand. Ein wirtschaftliches Risiko – aber eines, das sich rechnet, wenn der Wald dadurch stabil bleibt.

Source: tagesschau.de