Warum jener Vitamin-D-Spiegel in jener Lebensmitte wichtig für jedes dasjenige Gehirn ist

Eines der beliebtesten Nahrungsergänzungsmittel ist Vitamin D. Forscher haben nun herausgefunden, dass ab einem gewissen Alter ein höherer Spiegel mit weniger Alzheimer-Markern im Gehirn zusammenhängt. Sie sehen einen vielversprechenden Ansatz.

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Wenn das Sonnenlicht fehlt, nehmen viele Vitamin D ein. Tropfen oder Tabletten sollen ausgleichen, was der Körper nicht selbst produzieren kann.

Dass Vitamin D Knochen und Immunsystem stärkt, ist lange bekannt. Doch eine neue Studie legt nahe, dass der Spiegel im Blut auch mit Veränderungen im Gehirn zusammenhängt, die sich erst viele Jahre später zeigen.

Forscher der Universität Galway und der Boston University begleiteten 793 Menschen, die zu Beginn im Durchschnitt 39 Jahre alt waren und noch keine Demenz hatten. Zuerst bestimmten sie den Vitamin-D-Spiegel im Blut. Rund 16 Jahre später scannten sie die Gehirne der Teilnehmer. Sie suchten gezielt nach zwei Eiweißen, die bei Alzheimer auftreten: Tau und Amyloid-Beta. 34 Prozent der Teilnehmer hatten zu Beginn niedrige Vitamin-D-Werte, nur fünf Prozent nahmen Präparate ein. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Neurology Open Access.

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Wer in der Lebensmitte mehr Vitamin D im Blut hatte, wies später weniger Tau-Ablagerungen im Gehirn auf. Das zeigte sich besonders in den Regionen, die bei Alzheimer früh betroffen sind. Etwa im entorhinalen Kortex, im Gyrus parahippocampalis und in der Amygdala.

Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Forscher Alter, Blutdruck, Rauchen und andere Risikofaktoren berücksichtigt hatten. Für Amyloid-Beta fanden sie dagegen keinen Zusammenhang.

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Tau-Proteine kommen natürlicherweise in Nervenzellen vor, wo sie wichtige Strukturen stützen. Verändern sie sich krankhaft, lagern sie sich im Gehirn ab und beeinträchtigen die Zellen – oft lange bevor erste Symptome auftreten. Dass sich dieser Effekt gerade in den früh betroffenen Regionen zeigt, macht den Befund für die Forscher besonders interessant.

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„Das mittlere Lebensalter ist eine Zeit, in der die Modifizierung von Risikofaktoren eine größere Wirkung haben kann“, wird Hauptautor Martin Mulligan zitiert. Auch die leitende Autorin Emer McGrath betont: „Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im mittleren Lebensalter könnte ein Ansatzpunkt sein, um das Risiko früher Veränderungen im Gehirn zu verringern.“

Warum Vitamin D damit zusammenhängt, ist noch nicht vollständig geklärt. Das Vitamin dämpft Entzündungen im Gehirn und schützt Zellen vor oxidativem Stress. Es beeinflusst außerdem Enzyme, die an der krankhaften Veränderung von Tau-Proteinen beteiligt sind. Auch im Hippocampus, eine Region, die bei Alzheimer früh geschädigt wird, finden sich Vitamin-D-Rezeptoren.

Wer viel Vitamin D im Blut hat, könnte allerdings schlicht gesünder leben, das lässt sich mit dieser Studie nicht ausschließen. Die Forscher bestimmten den Spiegel zudem nur einmal, einen klaren Schwellenwert konnten sie nicht festlegen. Bisherige Studien hatten vor allem ältere Menschen untersucht. Die neue Studie schaut früher hin. In eine Lebensphase ohne Symptome.

Auffällig ist, dass sich der Zusammenhang mit Tau zeigt, nicht aber mit Amyloid. Das könnte zum bekannten Verlauf der Erkrankung passen: Tau lagert sich früher im Gehirn ab als Amyloid und lässt sich deshalb in einer noch gesunden, jüngeren Gruppe eher nachweisen.

Ob Vitamin-D-Präparate das Demenzrisiko tatsächlich senken können, müssen weitere Studien belegen. Die Untersuchung legt vor allem nahe: Was das Gehirn später schützt, entscheidet sich womöglich schon in der Lebensmitte, lange bevor jemand Symptome bemerkt.

Source: welt.de