„Waren die schlechteste Mannschaft in Europa“ – Frankfurts Trainer gibt Rätsel aufwärts
Eintracht Frankfurts Trainer hadert. Albert Riera beklagt den Zeitpunkt, an dem er das Team übernehmen musste. Ein Senkrechtstarter ist er jedenfalls nicht, seine Bundesliga-Bilanz ist Durchschnitt. Sein Wehklagen könnte System haben.
Albert Riera sorgte nach dem enttäuschenden Remis gegen den 1. FC Köln einmal mehr mit einem rätselhaften Auftritt auf der Pressekonferenz für Aufsehen. „Als ich am 1. Februar kam, waren wir die schlechteste Mannschaft in Europa“, sagte der Coach von Eintracht Frankfurt mit Blick auf die eklatante Anfälligkeit bei Gegentoren unter seinem Vorgänger Dino Toppmöller. Die Aussage wirkte wie eine Rechtfertigung und ein Schutzschild zugleich. Denn auch unter Riera strauchelt die Eintracht weiter, obwohl sie für viele als hochbegabt gilt. Oder auch nicht?
Denn Riera, der Anfang Februar die Mannschaft übernahm, haderte nach dem 2:2 zu Hause gegen Köln mit dem Zeitpunkt seines Amtsantritts. Mehr als zwei Monate nach seiner Ankunft. Er sei aus Trainersicht am schlimmsten Tag überhaupt nach Frankfurt gekommen. „Am Ende des Transferfensters, ohne Saisonvorbereitung, ohne Zeit“, sagte der 43-Jährige. Er habe damals Enttäuschung und Frustration vorgefunden, betonte er.
Bei seiner ersten Station in der Bundesliga fällt der Coach vor allem durch seine Kommunikation auf. Die sportliche Bilanz liest sich dagegen bislang langweilig: Drei Siege, drei Unentschieden und zwei Niederlagen gab es unter Riera. Das ist biederer Durchschnitt – nicht mehr, nicht weniger.
„Das größte Problem ist: Die Erwartungen sind so hoch“, klagt Riera
Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche erklärte, dass die Ergebnisse zu wenig seien. „Natürlich, spielerisch können wir uns auch verbessern, das ist gar keine Frage. Gerade mit dem Ball tun wir uns immer noch ein bisschen schwer im Spiel gegen tiefstehende Gegner“, sagte er.
Immerhin zu Hause ist Riera mit der Eintracht noch ungeschlagen: Erst gab es drei Siege jeweils ohne Gegentor, nun das Remis gegen Köln. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Gegner vor heimischer Kulisse Borussia Mönchengladbach, SC Freiburg, 1. FC Heidenheim und eben Köln hießen. Auswärts wiederum wartet Riera noch auf den ersten Sieg.
„Das größte Problem ist: Die Erwartungen sind so hoch, die Ansprüche sind so hoch“, sagte der Eintracht-Coach. Er spüre diese Erwartungshaltung bei den Spielern jeden Tag. „Heute war der Tag, an dem ich das am stärksten gespürt habe“, erklärte er nach dem Köln-Spiel, bei dem die Frankfurter eine 2:0-Führung nach den Treffern durch Jonathan Burkardt und Arnaud Kalimuendo noch in der Schlussphase aus der Hand gegeben hatten. „Wir müssen uns anschauen, was dann da falsch gelaufen ist“, sagte Kapitän Robin Koch.
Eintracht Frankfurt hat ein schwieriges Restprogramm
Riera dürfte die Erwartungshaltung auch schon vor seinem Amtsantritt klar gewesen sein. Die Eintracht will sich wieder für den Europapokal qualifizieren. Die Chance, den siebten Platz am 28. Spieltag zu festigen und den Vorsprung auf Verfolger Freiburg auf vier statt nun zwei Zähler auszubauen, verpassten die Frankfurter durch das Remis gegen den FC.
Dennoch sieht Riera seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. „Das Problem ist, dass wir nicht die schlechteste Mannschaft in der Bundesliga waren, sondern was die Gegentore angeht, die schlechteste Mannschaft in Europa waren“, sagte er.
Das Restprogramm in der Bundesliga ist jedoch knackig. Unter anderem bekommen es die Frankfurter noch zu Hause mit RB Leipzig und am letzten Spieltag mit dem VfB Stuttgart zu tun. Am vorletzten Spieltag geht es für die Eintracht zu Borussia Dortmund.
pk/dpa
Source: welt.de