Wahlsieg in Rheinland-Pfalz: Union verehrt Gordon Schnieder – „Entscheidung für Wechsel“
Wahlsieg in Rheinland-PfalzCDU bejubelt Gordon Schnieder – „Entscheidung für Wechsel“
22.03.2026, 19:54 Uhr

Gordon Schnieder hat es geschafft: Der CDU-Kandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wird der nächste Ministerpräsident des Bundeslandes. Es ist auch ein Erfolg der politischen Mitte.
„Gordon, Gordon, Gordon!“, skandieren die CDU-Wahlkämpfer am Abend in Mainz, als der Mann des Abends die Bühne betritt. Gordon Schnieder strahlt über das ganze Gesicht. Nach ersten Hochrechnungen hat seine CDU und damit er die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gewonnen. Doch Schnieder trumpft nicht auf. Er dankt den anderen Parteien für einen fairen Wahlkampf und sagt, ohne die CDU könne in Rheinland-Pfalz nicht mehr regiert werden. Die CDU-Anhänger sind da schon zu Fußballgesängen wie „Olé Olé“ gewechselt.
Die CDU wird nicht mitregieren, sie dürfte künftig den Ministerpräsidenten stellen. Es ist das Ende einer Ära. 35 Jahre regierte die SPD in Rheinland-Pfalz. Die Serie von Rudolf Scharping, Kurt Beck und Malu Dreyer geht mit Alexander Schweitzer zu Ende. „Die Menschen haben sich für den Wechsel entschieden“, sagte Schnieder im ZDF. „Und das sehr deutlich.“
Doch den Wechsel wird es nur an der Spitze geben. Die SPD wird an der nächsten Landesregierung aller Voraussicht nach beteiligt sein, wenn auch als Juniorpartner. Eine andere Koalitionsoption gibt es für die CDU an Rhein und Mosel nicht. Schnieder hat eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.
Im Wahlkampf habe seine Partei Landesthemen in den Vordergrund gestellt, so Schnieder – Bildung, Ärztemangel, Krankenhaussterben, Wirtschaft, innere Sicherheit und finanzielle Gestaltungskraft der Kommunen. „Das sind die Hauptthemen, an die wir ran müssen“, so Schnieder. Und weiter: „Der Wählerauftrag ist: Stellt dieses Land wieder vom Kopf auf die Füße.“
Sieg im Land Helmut Kohls
Für die CDU ist es ein wichtiger Prestige-Erfolg, denn nun wird sie wieder das Land regieren, wo sie bis 1991 über Jahrzehnte den Ministerpräsidenten stellte, darunter der spätere Kanzler Helmut Kohl. Der heutige Erfolg hatte sich seit Langem in den Umfragen angekündigt. Zum Schluss wurde es aber noch einmal spannend: Ministerpräsident Schweitzer und die SPD holten in dem ländlich geprägten Bundesland noch einmal kräftig auf.
Doch ein Herzschlagfinale wie vor zwei Wochen in Baden-Württemberg gab es nicht. Einiges ist anders als im Ländle: Schweitzer ist nicht so beliebt wie Grünen-Wahlsieger Cem Özdemir und auch nicht wie seine Vorgängerin Dreyer. Zugleich holten Schnieder keine Fehltritte der Vergangenheit ein, wie das CDU-Kandidat Manuel Hagel in Baden-Württemberg passiert war, Stichwort „rehbraune Augen“. Im Gegenteil: Schnieder zeigte sich trittsicher und leistete sich kaum Fehler.
„Ich habe hier einen phantastischen Wahlkampf erlebt“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder dazu. „Die CDU war geschlossen und das war das Erfolgsrezept“, sagte der Bundespolitiker – der Gordon Schnieders älterer Bruder ist.
Der machte einen unaufgeregten Wahlkampf als Kandidat der Mitte, als Mann vom Dorf, der Land und Leute kennt. Der 50-Jährige aus Birresborn im Vulkaneifelkreis hatte lange Kommunalpolitik gemacht, bevor er in den Landtag nach Mainz wechselte. 2023 wurde er Fraktionsvorsitzender, ein Jahr später auch CDU-Chef seines Landesverbandes. Spätestens da war klar, dass kein Weg an einer Kandidatur vorbeiführte.
Schnieders Erfolg ist auch bemerkenswert, weil er nur wenig Rückenwind aus Berlin bekam, auch wenn es in bundesweiten Umfragen wie dem Trendbarometer von RTL und ntv zuletzt wieder für die Unionsparteien aufwärts ging. Die Lifestyle-Debatte um Teilzeit-Einschränkungen, die schon den Wahlkampf der CDU in Baden-Württemberg belastet hatte, bezeichnete Schnieder als „Schnapsidee“. Im Angesicht der hohen Benzinpreise schimpfte er über die Konzerne, blieb aber mehr oder weniger auf Regierungslinie. Lautsprecher-Forderungen nach Tankrabatt oder Übergewinnsteuer verkniff er sich.
Messer-Angriff in Ludwigshafen
Landesthemen wie Bildung dürften tatsächlich wahlentscheidend gewesen sein. Der CDU-Spitzenkandidat forderte, bei der Einschulung müssten alle Kinder Deutsch können, und forderte daher ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr. Dabei profitierte er auch schockierenden Gewalt-Vorfällen an rheinland-pfälzischen Schulen.
In Ludwigshafen hatte eine 17-jährige Schülerin eine Lehrerin mit einem Messer angegriffen. An der Realschule hatte es auch Übergriffe mit Reizgas gegeben. Schweitzer beteuerte in einem TV-Duell, ihn treibe das Thema „total um“ und rechnete vor, wie viel das Land in Bildung investiert. Eine spannende Frage wird es nun sein, ob die CDU auch das Bildungsministerium übernimmt.
Schnieder verband den Messervorfall mit seiner Migrationspolitik. Offensiv sagte er, die Messerkriminalität im Land sei eine eingewanderte Kriminalität und forderte mehr Abschiebungen. Er versprach, die Zuständigkeit in einer Behörde zu bündeln. Schweitzer warf er einen Kontrollverlust vor, weil in den vergangenen Jahren 900 Menschen aus Flüchtlingsheimen verschwunden seien. Der Ministerpräsident verwies darauf, dass so etwas in ganz Deutschland passiere – für viele kaum eine befriedigende Antwort.
Im Ton blieb Schnieder sachlich und zeigte seine Wertschätzung für in Rheinland-Pfalz lebende und arbeitende Ausländer – und wirkte trotz klarer Ansagen in Migrationsfragen nie wie eine AfD-Kopie. Harte Attacken gegen Schweitzer vermied er. Im TV-Duell beim SWR wurden zwar Unterschiede deutlich, dennoch wirkte es fast schon so, als stehe die große Koalition da bereits auf der Bühne. Innerparteilich gab es auch Kritik an dieser Art des Wahlkampfes. Aber am Ende steht die Erkenntnis: Der Erfolg gibt ihm recht.
Source: n-tv.de