Wahlerfolg im Südwesten: Die Grünen wurden unterschätzt

Für beide Berliner Regierungsparteien hätte das Wahljahr besser beginnen können als am Sonntag in Baden-Württemberg. Denn wenn die Union, die in ihrem Ringen mit einer auf sozialpolitische Besitzstandswahrung bedachten SPD jede Unterstützung nötig hätte, nicht einmal dort von einer Woge der Zustimmung getragen wird, wo die sozialen Folgen einer abgehobenen Klimapolitik, einer auch zu Ampelzeiten alternativlosen Migrationspolitik und die wirtschaftliche Transformation die Fundamente des Zusammenhalts erschüttern, wo sonst?
Und wo, wenn nicht in Baden-Württemberg mit seiner hoch qualifizierten Arbeiterschaft und einer Gesellschaft, die je länger, desto mehr auf Arbeitsmigration angewiesen ist, hätte eine SPD Rückhalt für ihre Bestrebungen gebraucht, die Reformvorstellungen der Union auch künftig für „Bullshit“ (Bärbel Bas) zu erklären?
Nichts da.
Einfach mal machen?
Die SPD hat es laut Hochrechnungen nur mit Mühe zurück in den Landtag geschafft. Schlechter als im Südwesten stand die so kopf- wie hilflose Partei noch nirgends da, nicht einmal im Osten.
Die Union ging mit der Aussicht in die Wahl, sich mit den Grünen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu liefern – und das, obwohl sie in Umfragen lange Zeit weit vor der Partei lag, die vor Jahresfrist im Bund aus der Regierungsverantwortung abgewählt worden war. Doch hat die CDU ihre Rechnung ohne den Verdruss über eine Kanzlerpartei gemacht, die mit dem forschen „einfach mal machen“ Erwartungen weckte, die nicht zu erfüllen waren.
Auch hat die Union die Anziehungskraft des bis weit in das bürgerliche Spektrum hinein populären Spitzenkandidaten der Grünen massiv unterschätzt – und Özdemir sich von den Grünen in Berlin klugerweise abgesetzt.
Auf Stimmen aus den Reihen der AfD-Sympathisanten konnte sie von vorneherein nicht setzen. Denn wer dort wählt eine CDU, die doch mit den Grünen weiterregieren wird? In zwei Wochen aber dreht sich das Karussell schon wieder. Dann hat die SPD sogar das Amt des Ministerpräsidenten zu verteidigen.
Source: faz.net