Wahl in Ungarn: Wahlbeteiligung in Ungarn so hoch wie noch nie



Susanne Ködel
Susanne Ködel

Das Ende von Orbán?

In wenigen Stunden werden erste Hochrechnungen für die Wahl erwartet, die in Ungarn vieles ändern könnte. Die große Frage: Bleibt Viktor Orbán weiter an der Macht? In den vergangenen 16 Jahren hat der ungarische Ministerpräsident das demokratische System seines Landes zunehmend zu einem autokratischen umgebaut. Der Opposition um seinen Herausforderer Péter Magyar von der Mitte-rechts-Partei Tisza werden den Umfragen nach zum ersten Mal große Chancen zugerechnet. Wer ist Péter Magyar? Wieso steht Orbán diesmal so schlecht dar? Alles Wichtige zur Wahl in Ungarn haben meine Kollegen Anna-Lena Schlitt, Konstantin Zimmermann und Claudia Thaler für Sie zusammengefasst.

Den Überblick zur Ungarn-Wahl lesen Sie hier:

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Müder Orbán im Wahlkampfendspurt 

Mein ZEIT-Kollege Alexander Kauschanski begleitet die Ungarnwahl von vor Ort. Gestern Abend war er beim Wahlkampfabschluss von Viktor Orbán in Budapest dabei. Dort hat er einen angeschlagenen Ministerpräsidenten erlebt. „Während Orbán vor der Menge spricht, klingt er heiser, brüchig. Er stützt den linken Arm aufs Podest, als müsse er sich festhalten. Vielleicht will er wie ein Familienvater wirken, der im Wohnzimmer zu Freunden spricht. Doch er sieht müde aus, als könne er kaum noch stehen, ohne sich anzulehnen„, schreibt er in seiner Reportage.

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Claudia Thaler
Claudia Thaler

Der Zeitplan für heute

Die Wahllokale in ganz Ungarn haben bis 19 Uhr geöffnet. Dann wird es aber noch ein bisschen dauern, bis erste Zahlen bekannt werden. Anders als in Deutschland gibt es nämlich keine Prognosen unmittelbar nach Wahlschluss.

Die Wahlbehörde wird ab 20 Uhr erste Auszählergebnisse auf ihrer Webseite veröffentlichen. Doch diese Zahlen sind anfangs noch mit Vorsicht zu genießen. Die Auszählung wird sich bis in den Abend hinein ziehen. Das heißt: Das anfängliche Ergebnis kann sich später noch drehen. 

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Wahlbeteiligung von 2022 bereits übertroffen

Eineinhalb Stunden können Ungarinnen und Ungarn ihre Stimme noch abgeben, 74,23 Prozent der Wahlberechtigten haben das laut der Website des Nationalen Wahlamtes bis 17 Uhr bereits getan. Damit ist die Wahlbeteiligung jetzt schon höher als bei der letzten Parlamentswahl 2022, wo insgesamt 69,59 Prozent gewählt hatten.

Besonders hoch ist die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt Budapest, wo bis 17 Uhr 77,18 Prozent gewählt haben

Claudia Thaler
Claudia Thaler

Orbán und Magyar geben sich siegessicher

Die beiden Hauptkonkurrenten haben heute Vormittag schon ihre Stimme abgegeben. „Niemand kann ernsthaft glauben, dass die Tisza-Partei und damit Ungarn die Wahl nicht gewinnen werden“, sagte Péter Magyar, nachdem er in einem Budapester Kindergarten gewählt hatte. Der Urnengang sei eine Schicksalswahl. „Heute findet in Ungarn ein Systemwechsel statt.“

Ebenfalls siegessicher war auch Regierungschef Viktor Orbán, dessen Fidesz-Partei in allen Umfragen der vergangenen Wochen aber hinter der oppositionellen Tisza lag. „Ich bin gekommen, um zu gewinnen“, sagte Orbán. Die Frage eines Journalisten, ob er seinem Kontrahenten im Fall von dessen Sieg gratulieren werde, bejahte der Rechtspopulist.

Péter Magyar in Budapest
Péter Magyar in Budapest. Janos Kummer/Getty Images

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Rekordwahlbeteiligung zeichnet sich ab

Ein außergewöhnlich hoher Anteil der Wahlberechtigten hat bisher seine Stimme abgegeben. Vier Stunden vor Schließung der Wahllokale um 19 Uhr hatten nach Angaben der zentralen Wahlbehörde bereits 66,01 Prozent der Berechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei den Wahlen im Jahr 2022 habe die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt lediglich bei 52,75 Prozent gelegen.

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Claudia Thaler
Claudia Thaler

Warum ist die Wahl so wichtig?

Viele Ungarn sehen in der Abstimmung eine Richtungsentscheidung über den künftigen ​Platz des Landes in Europa und das Schicksal der von Orbán ausgerufenen „illiberalen Demokratie“. Ein mögliches Ende der Ära Orbán würde ein Haupthindernis für eine engere europäische Zusammenarbeit beseitigen und den Weg für härtere Sanktionen gegen Russland ebnen, sagen Experten.
Drei Jahre ⁠wirtschaftlicher Stagnation, stark gestiegene Lebenshaltungskosten sowie die Bereicherung regierungsnaher Oligarchen sorgen bei vielen Wählern ​für Unmut. Magyar, ein ehemaliger Weggefährte Orbáns, hat diese Unzufriedenheit erfolgreich für sich genutzt. Er verspricht, gegen Korruption vorzugehen, die Freigabe eingefrorener EU-Milliarden zu erwirken und das ‌marode ⁠Gesundheitssystem zu reformieren.

International erfährt Orbán Rückendeckung sowohl aus Washington, D. C. als auch aus Moskau. US-Vizepräsident JD Vance kam sogar selbst vor wenigen Tagen zu einem Wahlkampfauftritt nach Budapest. 

Viktor Orbán am Wahltag
Viktor Orbán am Wahltag. Sean Gallup/Getty Images

Claudia Thaler
Claudia Thaler

Die wichtigste Wahl des Jahres in Europa

Ungarn ist ein eher kleines Land mit nicht einmal zehn Millionen Einwohnern in Mitteleuropa – und doch findet die Parlamentswahl weltweite Aufmerksamkeit.

Für die EU ist es die wohl wichtigste Wahl in diesem Jahr: Bleibt Rechtspopulist und EU-Kritiker Viktor Orbán an der Macht oder kann ihn der Oppositionelle Péter Magyar aus dem Amt drängen?

Gemeinsam mit unseren ZEIT-Kollegen Alexander Kauschanski und Ulrich Ladurner vor Ort in Budapest begleiten wir Sie hier im Liveblog durch den Wahlabend.