Waffentests: Nordkorea will Raketen mit Streumunition bestückt nach sich ziehen

Nordkorea hat bei jüngsten Raketenstarts nach
eigenen Angaben mehrere neue Waffensysteme getestet. Unter den in dieser
Woche abgefeuerten Geschossen seien auch mit Streumunition bestückte
ballistische Raketen gewesen, berichtete Nordkoreas staatliche
Nachrichtenagentur KCNA. Nordkorea habe außerdem auch Grafitbomben und
elektromagnetische Waffen getestet – beides sind Waffensysteme, mit
denen elektrische Infrastruktur lahmgelegt werden soll, etwa die
Stromversorgung. Nordkoreas Angaben ließen sich nicht unabhängig
überprüfen.

Am Tag zuvor hatte Südkoreas Militär mehrere
Raketenstarts aus Nordkorea
registriert, darunter ballistische
Kurzstreckenraketen mit einer Flugdistanz von etwa 240 bis 700
Kilometern. Nordkorea ist es gemäß Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
grundsätzlich untersagt, ballistische Raketen abzufeuern.

Konvention untersagt geächtete Streumunition

Als Streumunition werden Waffensysteme
bezeichnet, die innerhalb der Luft aufbrechen und viele kleine
Sprengkörper über ein großes Gebiet freisetzen. Wegen der flächenmäßig
großen Streuung und den damit verbundenen verheerenden Konsequenzen für
die Zivilbevölkerung sind Streubomben international geächtet. Zudem gibt
es bei Streumunition eine hohe Blindgängerrate.

2010 trat mit dem
sogenannten Oslo-Übereinkommen eine völkerrechtlich bindende Konvention
zum Verbot von Streubomben
in Kraft. Nordkorea ist nicht Teil
des Abkommens. Zuletzt setzte auch der Iran bei Angriffen auf Israel
Streumunition ein. Auch in der Ukraine wurden seit 2024 Angriffe mit Streumunition dokumentiert. Im Jahr 2024 töteten diese Waffen weltweit deutlich mehr Menschen als zuvor. Laut dem in Genf veröffentlichten Streubomben-Monitor wurden 314 Menschen durch solche Waffen getötet oder verletzt.

Feindselige Haltung dauert an

Die Raketenstarts erfolgten, nachdem ein hochrangiger nordkoreanischer Beamter gesagt hatte, dass Nordkorea trotz der Hoffnungen auf eine Entspannung der Beziehungen keine Änderung seiner feindseligen Haltung gegenüber Südkorea sehe.

Seine Äußerungen stehen im Gegensatz zu einer Erklärung Nordkoreas vom Montag, in der es hieß, der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung sei sehr glücklich darüber, dass er gegenüber Nordkorea sein Bedauern über die Drohnenüberflüge zu Beginn dieses Jahres zum Ausdruck gebracht habe.

Einige Beobachter in Seoul vermuteten, die Erklärung könne ein seltener Versöhnungsversuch nach Jahrzehnten der Feindseligkeiten sein. Die beiden Länder befinden sich technisch gesehen nach wie vor im Kriegszustand, nachdem ihr Konflikt von 1950 bis 1953 mit einem Waffenstillstand geendet war.