Waffenkonzern CSG: Eine neue Rüstungsaktie, die durch die Decke geht

Der Prager Rüstungskonzern CSG ist bei seinem Börsendebüt am Freitag mit deutlichen Gewinnen in den Aktienhandel eingestiegen. Der Eröffnungskurs am Freitagvormittag lag mit 32 Euro um 28 Prozent über dem Ausgabekurs von 25 Euro. Zu dem Preis hatte das bisher in Privatbesitz des Unternehmers Michal Strnad stehende Unternehmen am Freitag 132 Millionen Aktien auf den Markt geworfen und 3,3 Milliarden Euro eingesammelt. Es war der weltweit größte Börsengang eines reinen Rüstungskonzerns.
Strnad, der das Unternehmen 2018 von seinem Vater geerbt und seither stark ausgebaut hatte, verkaufte Aktien für 2,55 Milliarden Euro. Über eine Mehrzuteilungsoption kann er noch Papiere für 496 Millionen Euro veräußern. 750 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung sollen dem Ausbau der vor allem in Europa und Amerika produzierenden Czechoslovak Group (CSG) zugutekommen.
Laut den schwedischen Friedensforschern von SIPRI ist der Hersteller von Granaten, Kleinkalibermunition, Panzerfahrzeugen, Haubitzen, Radargeräten und Drohnenkomponenten der am schnellsten wachsende Rüstungskonzern Europas. In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz um 82 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte 27 Prozent. CSG rechnet angesichts der Sicherheitslage und der Aufrüstungsanstrengungen nicht nur von NATO-Staaten mit einem dauerhaft wachsenden Geschäft.
Vermögen von 37 Milliarden Euro
Seit Freitag können nun auch Privatanleger auf den neuen Rüstungswert wetten, nachdem zur Zeichnung nur institutionelle Anleger zugelassen waren. Die war am Dienstag angesetzt worden und mit nur drei Tagen außergewöhnlich kurz. Strnad begründet das damit, dass „das Interesse groß war und wir den Prozess weder verzögern noch Marktrisiken eingehen wollten“. Vorher hatten Ankerinvestoren wie Blackrock und der Staatsfonds von Qatar sich Anteile in Höhe von 900 Millionen Euro gesichert.
Mit einem laut der Agentur Bloomberg rechnerischen Vermögen von 37 Milliarden Euro ist der 33 Jahre alte Familienvater der mit Abstand wohlhabendste Mensch in der Tschechischen Republik. Die Aktien des nach Rheinmetall zweitgrößten Granatenherstellers in Europa hatten ihr Debüt nicht in Prag, sondern an der Euronext-Börse in Amsterdam. Die verzeichnete damit den größten Börsengang seit der Emission des polnischen Paketboxenanbieters InPost vor fünf Jahren. Zeitgleich wurden die CSG-Aktien – wie andernorts – im Freiverkehr der Prager Börse gelistet. Das war ein Trostpflaster für den CSG-Heimatmarkt, der zu klein gewesen wäre, um die große Emission zu verdauen.
Dennoch hat die CSG-Emission den Markt in Prag offenbar kräftig durcheinandergewirbelt. Um fast vier Prozent sackte der erfolgsverwöhnte PX-Index der Prager Börse mit dem Start der Zeichnungsfrist am Dienstag weg. Grund dafür war vor allem der Absturz der Aktien des Prager Energiekonzerns České energetické závody (ČEZ), zunächst um vier Prozent am Montag, dann um mehr als elf Prozent am Dienstag. Dafür gab es nur eine Begründung, die die Kommentatoren überzeugte: Institutionelle Anleger mussten Kasse machen, um kurzfristig Geld für den überraschend zügig abgewickelten CSG-Börsengang zu besorgen.
Hoch durch Verstaatlichungsphantasien
Dass der Prager Wirtschaftsminister Karel Havlíček den Absturz mit seinen Äußerungen über die Verstaatlichung des bereits zu 70 Prozent dem Staat gehörenden Konzerns am Wochenende verursacht habe, wie zunächst vermutet, erschien am Ende den wenigsten plausibel.
Eher schon „Gewinnmitnahmen“, von denen Petr Bártek, der leitende Aktienanalyst der zur Erste Group gehörenden Česká spořitelna spricht. Er habe „keine wesentliche Änderung der Regierungshaltung“ gesehen, sagte Bártek der F.A.Z. Überhaupt werde der Kurs der ČEZ-Aktien durch die Pläne der Regierung, die Anleger herauskaufen müsste, gestützt.
Tatsächlich hatten die Verstaatlichungsphantasien der seit dem Jahreswechsel regierenden Koalition um ANO-Chef Andrej Babiš den ČEZ-Kurs schon im vorigen Jahr stetig nach oben getrieben. Am Ende hatte der Kurs des unter anderem für das tschechische Atomausbauprogramm zuständigen Energiekonzerns übers Jahr 35 Prozent zugelegt.
Rüstungwerte sind attraktiv
Das war viel für den größten der elf Werte im Prager Prime-Markt, doch wenig gemessen am Plus von 52,6 Prozent, mit dem der PX-Index im vorigen Jahr andere Börsen Europas abgehängt hatte. Vorneweg lief die Vienna Insurance Group (VIG), die ihren Kurs mit 115 Prozent mehr als verdoppeln konnte. Um immerhin 74 Prozent legten die Aktien der erst im Februar gelisteten Doosan Škoda Power zu. Der koreanische Turbinenhersteller aus Pilsen spielt eine wichtige Rolle beim Atomkraftausbau, in den die Tschechische Republik 16 Milliarden Euro investieren will.
Treiber des Börsengeschäftes seien 2025 die Finanzwerte gewesen, sagt Bártek. Sie hatten auch andernorts vom allgemeinen Aufschwung in Ostmittel- und Südosteuropa profitieren können. „Der Wohnungsmarkt in Tschechien boomt, die Arbeitslosigkeit wird durch die schwächere Automobilindustrie kaum beeinträchtigt, die Beschäftigten genießen deutlich steigende Reallöhne und sinkende Energiekosten“, fasst er die Lage zusammen. Für das laufende Jahr erwartet Bártek in Prag weiterhin solide, wenn auch nicht mehr so starke Zuwächse wie im Vorjahr. „Dennoch bietet der tschechische Markt eine schöne Dividendenrendite, die die Gesamtrendite auf hohe einstellige Werte heben sollte.“
Fans von Rüstungsaktien werden in Prag auch jenseits von CSG fündig, etwa bei dem Schusswaffen- und Munitionshersteller Colt oder dem Drohnenbauer Primoco. Colt berichtete erst im Dezember von einem Großauftrag der Bundeswehr, die eine Pistole der Tochtergesellschaft CZ als neue Standard-Seitenwaffe ausgewählt habe. Colt profitiere langfristig von der notwendigen Aufrüstung Europas, sagte Analyst Bártek. Der kleinere UAV-Hersteller Primoco könne dagegen „eine interessante Wette auf eine mögliche Übernahme durch eine größere Rüstungsgruppe sein“.
Source: faz.net