Wachsende Bedeutung: KI wird Teil des Verlagsalltags

Schon klar: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vertritt nicht nur die Interessen der Belletristikbranche. Dennoch darf man vielleicht als Leser von Belletristik an einer aktuellen Pressemitteilung des Börsenvereins Anstoß nehmen. Sie wurde am vergangenen Mittwoch veröffentlicht und trägt die Überschrift „Vom Experiment zum Standard: Wie KI die Arbeit in Buchverlagen verändert“.
Thema ist die „zweite Studie zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz“, die von der „Interessengruppe Digital“ des Börsenvereins in Kooperation mit der Unternehmensberatung Highberg veröffentlicht wurde und an der „196 Fach- und Führungskräfte aus Verlagen unterschiedlichster Größe und Programmschwerpunkte“ teilgenommen haben. Der erste Satz des ausgewiesenen „Fazits“, nämlich: „Die Buchbranche gestaltet den digitalen Wandel aktiv mit“, wird zugleich die Vorgabe gewesen sein; der zweite gibt sich neutral: „KI entwickelt sich vom experimentellen Werkzeug zu einem festen Bestandteil des Verlagsalltags.“
Im Folgenden kann der Text trotz stellenweise alibihaftem Berichtsstil aber kaum verbergen, dass sein Schlüsselbegriff „Interessengruppe“ lautet. Er bejubelt daher in feinster Beratersprache „KI als Produktivitäts- und Effizienztreiber“, während er ihre Risiken nur sehr beiläufig pflichtschuldig erwähnt: „Unsicherheiten in rechtlichen und strategischen Fragen bestehen weiterhin – die Richtung ist jedoch klar: Buchverlage öffnen sich verstärkt den Chancen von KI für ihr eigenes Geschäft.“
Bei der Auflistung der Belegzahlen gerät der Text dann in einen Rausch, auch wenn er nur Sprachmüll anhäuft: „42 Prozent implementieren KI zur Automatisierung von Workflows und Effizienzsteigerung in der Produktion“, „56 Prozent setzen KI zur schnellen Sammlung und Analyse von Informationen ein“, „69 Prozent nutzen KI bei der Erstellung neuer Inhalte“ und „für 2031 erwarten sogar 83 Prozent“ der Befragten „eine hohe bis sehr hohe Relevanz von KI für den eigenen Verlag“. Täuscht es, oder nähern wir uns da sagenhaften hundert Prozent? Und, man hat es im Phrasentaumel fast aus dem Blick verloren: Was mögen das wohl für großartige Bücher sein, die auf diese Weise optimiert entstehen?
Source: faz.net