Vorrübergehende Funkstille: Harte Kritik aus Spanien: Kanzler ruft wohnhaft bei alter Nummer von Sánchez an

Vorrübergehende FunkstilleHarte Kritik aus Spanien: Kanzler ruft bei alter Nummer von Sánchez an

10.03.2026, 15:16 Uhr

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Pedro Sánchez (links, stehend) und Friedrich Merz werden wahrscheinlich nicht mehr beste Freunde. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Nach seinem Auftritt im Oval Office steht Kanzler Merz in Spanien heftig in der Kritik. Der Vorwurf: Deutschlands Regierungschef habe den EU-Partner nicht gegen die Tiraden von Trump verteidigt. Der Kanzler will offenbar die Wogen glätten, ruft in Madrid aber eine nicht mehr vergebene Nummer an.

Eiszeit in den Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland: Wie das Magazin Politico berichtet, sind führende spanische Politiker immer noch wütend auf Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser die spanische Regierung bei einem Besuch im Weißen Haus nicht vor Attacken durch US-Präsident Donald Trump in Schutz genommen habe.

In einem Interview mit dem Magazin sagte Spaniens Vizepremierministerin Yolanda Diaz, Merz gehöre zu einer Gruppe von EU-Spitzenpolitikern, „die keine Ahnung haben, wie sie mit der historischen Situation umgehen sollen, in der wir uns befinden. Was Europa heute braucht, ist Führung, keine Vasallen, die Trump huldigen.“

Am 3. März drohte Trump in Anwesenheit von Merz, Madrid mit einem Handelsembargo zu überziehen, weil sich das Land geweigert hatte, US-Militärflugzeugen die Nutzung spanischer Luftwaffenstützpunkte für den Angriff auf den Iran zu erlauben. Außerdem kritisierte Trump die linke spanische Regierung für ihre Weigerung, fünf Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung für das Militär auszugeben. Merz verzichtete darauf, den EU-Partner vor laufenden Kameras in Schutz zu nehmen.

In der spanischen Presse wurde der Kanzler dafür heftig angegriffen. Kommentatoren bezeichneten Merz als „Feigling“, und in Leitartikeln wurde ihm vorgeworfen, er habe „einen europäischen Partner nicht so verteidigt, wie es ein grundlegendes Solidaritätsgefühl geboten hätte“, wie Politico berichtet.

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez sieht sich seit Beginn des Iran-Kriegs zunehmenden Attacken durch den US-Präsidenten ausgesetzt. Sánchez hatte die Angriffe auf den Iran als völkerrechtswidrig kritisiert. Dem Bericht zufolge hat Merz seit seinem Besuch in Washington bereits zweimal erfolglos versucht, Sánchez telefonisch zu erreichen. Ein Sprecher des Kanzlers sagte dem Magazin, Merz habe Sánchez eine Sprachnachricht hinterlassen und warte auf dessen Rückruf.

Ein Sprecher des Premiers erklärte, Merz‘ Anrufe seien unbeantwortet geblieben, weil der Bundeskanzler eine nicht mehr vergebene Nummer gewählt habe. Merz sei nicht bewusst gewesen, dass Sánchez diese aus Sicherheitsgründen regelmäßig ändere. Das Missverständnis sei inzwischen aufgeklärt und der Kanzler habe aktualisierte Kontaktdaten erhalten, doch die beiden Politiker hätten noch nicht miteinander gesprochen. Der Sprecher fügte hinzu, ihre jeweiligen Teams stünden weiterhin in Kontakt.

Quelle: ntv.de, dsc/AFP

Source: n-tv.de