Von wegen „Friedenspräsident“: Warum MAGA Donald Trump trotz Iran-Krieg folgt

In den USA stößt Trumps Iran-Aggression auf Kritik, doch keinen wirklichen Widerstand. Wenn das so bleibt, kann er weitermachen wie seit dem 28. Februar. Wenn etwas schiefgeht, wird er nicht verantwortlich sein wollen


US-Präsident Donald Trump lebt in seiner eigenen Realität

Foto: Mandel/Ngan/AFP/Getty Images


Seit dem 28. Februar steht in den USA die Frage im Raum, wie und ob dieser Krieg gegen den Iran weiterhin geführt werden soll. Was würde dem US-Präsidenten ausreichen, um den „Sieg“ zu erklären? Vor allem muss Trump den Krieg an das Volk verkaufen, zumindest an die eigenen Wählerinnen und Wähler.

Wie das geht, hängt von einem letztendlich unkontrollierbaren Kriegsgeschehen ab. Es könnte nicht alles so glatt laufen wie in Venezuela im Januar und bei massiven Luftangriffen auf iranische Nuklearanlagen im Juni 2025. Möglicherweise sucht der Präsident nach einer rhetorischen Ausfahrt. Er hat einem Journalisten des Magazins The Atlantic am Sonntag telefonisch aus Mar-a-Lago gesagt, die iranische Führung „will reden, und ich habe zugestimmt“. Allerdings seien manche Verhandlungspartner von früher „nicht mehr da“. Richtig, sie wurden bei den Luftangriffen gezielt getötet.

Was Trump über ein Verhandlungsangebot sagt, kann stimmen oder gelogen sein. Eine Bestätigung aus Teheran gibt es bisher nicht. Über den Effekt der Angriffe des stärksten Militärs der Welt wollte der Präsident nicht so viel sagen. Die USA hätten mehr als tausend Ziele attackiert, heißt es in US-Medien. Es wird von drei gefallenen und fünf verwundeten US-Soldaten berichtet. In seiner Kriegsankündigungsrede hatte der Präsident erklärt, „mutige amerikanische Helden“ könnten ihr Leben verlieren. „Das passiert oft im Krieg.“

Der Krieg gegen den Iran stößt nicht auf Enthusiasmus, Proteste dagegen gibt es aber auch nicht

Umfragen vor der Aggression kündeten in den USA von einem begrenzten Enthusiasmus der Bevölkerung für einen solchen Krieg. Organisierten Widerstand auf der Straße gibt es freilich kaum, jetzt, da die Bomben fallen. Millionen haben sich in den vergangenen Monaten zusammengefunden bei allgemeinen Kundgebungen gegen Trump. Ein Iran-Krieg jedoch ist offenbar kein Anlass zum Protest.

Ein paar Hundert demonstrierten vor dem Weißen Haus. Kleinere Kundgebungen gab es in New York City und anderen Städten. Die Führung der Demokratischen Partei bleibt auf dem Nebengleis. Es wird beanstandet, dass Präsident Trump laut Verfassung den Kongress zu Rate ziehen müsse vor einer Kriegserklärung. Das hat in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht so recht funktioniert. Und im Kongress hat gegenwärtig Trumps Partei die Mehrheit.

Führende demokratische Politiker befürworten im Prinzip die Idee, die USA müssen etwas gegen die iranische Führung unternehmen. Gegen deren bösartige Aktivitäten brauche man „amerikanische Stärke, Entschlossenheit, regionale Koordinierung und strategische Klarheit“, sagte der demokratische Parteiführer im Senat, Senator Chuck Schumer. Trump habe keine „realisierbare Strategie“. Der oberste Demokrat im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, betonte, die USA müssten den Iran „aggressiv konfrontieren“ wegen seiner Menschenrechtsverletzungen, seiner Nuklearpläne und seiner Bedrohung, die sich gegen Israel und Jordanien richte.

Schwer vorstellbar, dass sich Trump jetzt mit MAGA überwirft

Trumps Kritiker zitieren gern dessen Aussagen von früher, die USA müssten aufhören mit den endlosen Kriegen. Das habe die MAGA-Bewegung motiviert. Nun findet sich tatsächlich der eine oder andere MAGA-Anhänger und übt Kritik. Doch was MAGA offenbar begeistert hat, war nicht der Wahlslogan vom „Friedenspräsidenten“. Was zählte, war die Nähe zu Donald Trump und zur Macht, aufpoliert mit der Lizenz, eine Gemeinschaft zu haben, die mutmaßlich dazu ermächtigt, andere zu verachten und auszuschließen.

Schwer vorstellbar, dass sich MAGA mit Trump wegen des Krieges gegen ein verhasstes islamisches Regime überwirft. Der Medieninformationsdienst status.news hat Folgendes zusammengefasst: Medienpersönlichkeiten, die Trump als „Friedenspräsidenten“ dargestellt hätten, führten nun vor, dass ihre Treue nicht Prinzipien gelte, sondern allein Trump, „und dass jeder seiner Schritte angefeuert wird“.

Im Interview mit The Atlantic meinte Trump, er erwarte nicht, dass der Iran-Krieg die republikanischen Vorbereitungen auf die Zwischenwahlen im November stören werde. Wirtschaftlich gehe es den USA doch hervorragend.

Der Mann lebt in seiner eigenen Realität. Zu der nun offenkundig auch die Vorstellung gehört vom Bomben für Demokratie. Der New York Times sagte er, die USA könnten den Krieg mit der gegenwärtigen Intensität vier oder fünf Wochen durchhalten.