Von „Melania“ solange bis Kid Rock: Warum ist MAGA-Kunst so unerträglich schrecklich?
Es ist wirklich nicht fair, was den Rechten am Super-Bowl-Sonntag angetan wurde. Die meisten Zuschauer konnten eine aufwendige und fröhliche Halbzeit-Show des puertoricanischen Musikers Bad Bunny, einem der beliebtesten Musikstars der Welt, genießen. Diejenigen, die ihre MAGA-Loyalität unter Beweis stellen wollten, fühlten sich möglicherweise verpflichtet, die Konkurrenzparade von gleich klingenden Country-Musikern anzugucken, die in einem Auftritt des in Shorts gekleideten Kid Rock mündete, der herumhüpfte und scheinbar nur lippensynchron zu einem Hit aus dem Jahr 1999 so tat, als würde er singen.
Für Rechtskonservative, die die spanischen Texte der Songs von Bad Bunny nicht ertragen konnten, gab es Trost im klar verständlichen Englisch jenes Mannes, der auch als Robert Ritchie bekannt ist: „Bawitdaba, da-bang, da-bang, diggy-diggy-diggy.“ (Diese Lyrik scheint genau nach dem Geschmack der weißen MAGA-Anhängerschaft, wenn sie nur wüsste, dass es von der Schwarzen Kultur geklaut wurde, in diesem Fall vom Rapper Busy Bee.)
Dieses traurige Spektakel wurde von Turning Point USA präsentiert, einer Organisation, die keine Wohltätigkeitsorganisation für in Vergessenheit geratene Rap-Rocker der Jahrhundertwende ist, sondern eine rechtsgerichtete Lobbygruppe, die vom verstorbenen Charlie Kirk mitbegründet wurde. Als Kid Rock am Ende den Country-Song Til You Can’t coverte (mit einer frommen und halbherzigen neuen Strophe, die Ritchie selbst hinzugefügt hatte), folgte im Anschluss eine Hommage an Kirk. Das bedeutet, dass die Zuschauer nicht nur die tolle Kunstfertigkeit einer Kid-Rock-Show, sondern auch die ganze Fröhlichkeit einer Beerdigung erleben durften.
MAGA-Desaster „Melania“
Auch die Kinos haben diesen Winter mit dem Dokumentarfilm Melania ihr eigenes MAGA-Desaster. Melania ist ein von Kritikern verrissenes, wenig schmeichelhaftes Werk über die amtierende First Lady Melania Trump. Gedreht vom Regisseur des schlechtesten X-Men-Films und des schlechtesten Hannibal-Lecter-Films. Offenbar unfähig, aus einem so inhaltsleeren Thema Kunst zu schaffen, bedient sich die Dokumentation hemmungslos bei anderen: Musikstücke, die stark an Goodfellas erinnern, oder gar geklaute Filmmusik von Phantom Thread, deren Entfernung von Komponist Jonny Greenwood und Regisseur Paul Thomas Anderson gefordert wurde. (Greenwoods Vertrag sieht vor, dass er bei der Verwendung durch Dritte konsultiert wird.)
Melania fristet ein Schattendasein neben anderen plumpen Filmen mit religiösem Bezug, wie Dinesh D’Souzas misslungenen Produktionen und Projekten mit Cameo-Auftritten von Ben Shapiro. Man fragt sich: Gibt es überhaupt rechtsgerichtete Republikaner, die ernsthaft großartige oder wenigstens gute Kunst schaffen können? Angel Studios bemüht sich zwar redlich, Filme für ein MAGA-orientiertes Publikum zu veröffentlichen, doch das Unternehmen würde zu Recht argumentieren, dass einige seiner Filme weder konservativ noch religiös sind.
Obwohl Angel mit dem einfallsreichen Familienfilm Sketch und der neuen Kevin-James-Romcom Solo Mio große Erfolge feierte, basierten Angels größte Erfolge auf dem QAnon-nahen Menschenhandelsthriller Sound of Freedom und einigen eher mittelmäßigen (wenn auch im Fall von Der König der Könige hochkarätig besetzten) animierten Bibelgeschichten. Es gibt eindeutig ein Publikum für Unterhaltung mit explizit christlichen Themen, wie der Erfolg des evangelikalen Filmemachers Dallas Jenkins, Schöpfer der Jesus-Serie The Chosen, beweist.
Dieses Publikum mag sich teilweise mit dem von Melania überschneiden, da die Serie ihr Thema mit einem fast religiösen Glauben an ihre angeborene Güte und Gnade behandelt. Viele evangelikale Filme und Serien sind jedoch eher konservativ als ausgesprochen rechtsgerichtet – und das gilt im Übrigen auch für viele säkulare Mainstream-Unterhaltungsangebote. Außerdem ist klar, dass nicht jeder große Popkultur-Künstler links sein muss.
Hollywood war in Teilen immer auch konservativ
Es gibt viele großartige Werke von überzeugten Rechten. Hochtalentierte Vertreter der amerikanischen Kultur wie Regisseur Frank Capra und Schauspieler James Stewart waren konservative Republikaner. Regisseur Sam Raimi, dessen neuer Film Send Help ein aktueller Kassenschlager ist, spendete in den 2000er Jahren an George W. Bush, und in einigen seiner Werke finden sich konservative Tendenzen. Ein so unkonventioneller Filmemacher wie David Lynch wählte Ronald Reagan – obwohl seine politischen Ansichten insgesamt sowohl in seinem Privatleben als auch in seiner Kunst eher schwer zu fassen sind.
Das ist im Grunde der Knackpunkt, wieso es so wenig MAGA-Kunst gibt. (Nun ja, und der Faschismus.) Prominente Filmemacher wie Clint Eastwood und S. Craig Zahler (Drehbuchautor und Regisseur des Cop-Thrillers Dragged Across Concrete) haben zwar offensichtlich rechtsgerichtete Ansichten, aber sie wiederholen nicht ständig vorgegebene Parolen, sondern bevorzugen komplexe, mitunter zum Nachdenken anregende Erzählungen. Eastwood hat einige tiefgründige Filme über Vorurteile, das Versagen US-amerikanischer Institutionen und moralische Grauzonen gedreht. Zahlers Kriminalfilme sind eher genretypisch und vermischen brenzlige Situationen mit im Allgemeinen sympathischen rechtsgerichteten Charakteren (und provozieren zusätzlich, wenn beispielsweise Mel Gibson in einer Hauptrolle besetzt wird).
Das soll vor allem „woke“ Linke auf den Nerv gehen; das Stereotyp ist weit verbreitet, Linke könnten sich in der Kunstbetrachtung nicht vor selbstgerechten Reinheitsprüfungen drücken. Das ist nicht ganz unbegründet und zeigt sich deutlich in Online-Diskussionen über Filme wie Paul Thomas Andersons One Battle After Another, der zu einigen sachfremden Debatten darüber führte, ob er wirklich lehrreich über echte Revolutionäre erzähle. Diese Perspektive wurde letztlich von Rechten vereinnahmt. Relativ harmlose Dinge wie eine diverse Besetzung oder selbstverständliche Inklusivität scheinen bei Ultrakonservativen die Alarmglocken schrillen zu lassen. Für diese Gruppe ist die Diskussion darüber, ob One Battle After Another ein guter linker Film ist oder die Mitte verhöhnt, lächerlich und nicht der Rede wert. Schwarze Frauen werden darin überwiegend positiv dargestellt. Zack, alles woke!
Der Trumpismus wurde in den Tiefen des Reality-TV geschmiedet
Aber es ist auch schwer vorstellbar, dass Trump-Anhänger sich wirklich die Werke von David Mamet zu eigen machen würden. Selbst ein offenkundig Trump-freundlicher Mamet erfordert mehr Arbeit, als nur die offensichtlichsten Zeichen (oder unverhohlenen Loyalitätsbekenntnisse) zu interpretieren. Denn während Konservatismus und Kunst nicht grundsätzlich im Widerspruch stehen, könnte es der Trumpismus durchaus sein. Er wurde in den Tiefen des Reality-TV geschmiedet (oder zumindest ermöglicht), was zwar Kunst sein kann, es aber im Allgemeinen lieber vermeidet und stattdessen Erzählungen in endlose Spielshows verwandelt.
Schon als Demokrat zeigte Trump wenig Geduld für Filme und erweckt den Eindruck, weder ein Buch gelesen noch Musik zum Vergnügen gehört zu haben. Wenn er sich nun wieder in die Unterhaltungsbranche einmischt und von dem nun Trump-freundlich gesinnten Filmstudio Paramount verlangt, mit den Dreharbeiten zu Rush Hour 4 zu beginnen, ist es schwer zu glauben, dass Trump selbst tatsächlich einen Rush-Hour-Film am Stück gesehen hat. Nein, es liegt eher daran, dass Rush-Hour-Impresario Brett Ratner Melania (und vielleicht eine darauffolgende Dokuserie?) produzierte und der Familie Trump zu einem lukrativen Geschäft verhalf.
Ratner wurde selbst zum „Opfer“ der #MeToo-Bewegung (er wurde von mehreren Frauen des sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt). Natürlich wird Trump im Gegenzug Ratner helfen, seine berühmteste und lukrativste Filmreihe wiederzubeleben.
Trump und damit auch die MAGA-Bewegung fordern Unterwerfung und Treue. Erstaunlich viele sind bereit, diese zu leisten, selbst wenn ständig Freiheit gepreist wird. Doch wahre Künstler, selbst konservative, lassen sich nicht so einfach einschränken. Selbst wenn der Konservatismus in Hollywood wieder an Boden gewinnt, wird die Kunst der MAGA-Bewegung einem geradezu absurden Pakt mit dem Teufel unterliegen: Wer uneingeschränkt genehmigte Kunst oder Unterhaltung will, muss Brett Ratner am Ruder haben. Vielleicht kann Kid Rock den Soundtrack dazu komponieren.