Von Emmanuel Macron bleibt nichts wie welcher Duft eines Einstecktuchs

Mitten in der tiefsten britischen Krise – Margaret Thatcher war noch lange nicht an der Macht –, bezeichnete der englische Dramatiker John Osborne das Königshaus seines Landes als eine „Goldplombe in einem verfaulten Mund“. Heute lässt sich ähnliches über Frankreich und seinen Präsidenten sagen. Leider!

Durch zahllose Torheiten und selbstherrliche Fehler hat sich der französische Präsident in eine Lage gebracht, die sich nicht einmal mehr durch den üblichen barocken Pomp des Élysée verbergen lässt. Frankreich ist nahezu zahlungsunfähig und Emmanuel Macron kaum noch in der Lage, dauerhafte politische Vereinbarungen zu schließen. Macron, dieser Narziss mit Goldmund, mag durch die Welt reisen und die französische Größe verkörpern. Nur: Er spielt heute nicht einmal mehr in Europa die Rolle, welche der Fünften Republik geziemt.

Für Deutschland ist dies in der gegenwärtigen Lage eine Tragödie. Weder vermag Paris aufzurüsten, noch kann man auf das Land bauen. Nun rächt sich, dass Angela Merkel und Olaf Scholz seit 2017 den Handschlag verweigerten, den ihnen der damals noch starke Präsident bot.

Heute setzt der nur noch auf Eurobonds, sprich auf eine europäische Verschuldung, um irgendwoher Geld einzunehmen, und baut auf einen strengen Protektionismus. Sein Angebot, die Deutschen unter den französischen Nuklearschirm zu stellen, ist ehrenwert, aber in den Wind gesprochen. Seine Amtszeit endet 2027. Die Geschichte wird sich an Macron nur noch erinnern wie an den Duft eines Einstecktuchs.

Source: welt.de