Von Ehefrau „schlecht“ behandelt: Hinter Trumps Spott übrig Macron steckt Kalkül

Von Ehefrau „schlecht“ behandeltHinter Trumps Spott über Macron steckt Kalkül

02.04.2026, 15:06 Uhr verstlEin Kommentar von Lea Verstl

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Nach Trumps persönlichen Beleidigungen ist die Beziehung zu Macron an einem Tiefpunkt angelangt. (Foto: picture alliance/dpa)

Der US-Präsident beleidigt seinen französischen Amtskollegen und dessen Frau. Trump will Macron dadurch nicht nur seinen Willen im Krieg gegen den Iran aufzwingen. Die verbale Entgleisung ist auch Teil einer ausgeklügelten Kommunikationsstrategie.

Es gab eine Zeit, da erging sich Donald Trump in regelrechten Lobeshymnen über seinen „friend“ Emmanuel Macron. Bei Treffen in Washington begrüßten die Präsidenten sich mit „bises“, dem typisch französischen Küsschen auf die Wange. Das ist lange her. Tiefe Risse bekam die Beziehung der beiden schon während Trumps erster Amtszeit, als Macron die Nato als „hirntot“ und die Amerikaner damit als unzuverlässige Partner bezeichnete. Seitdem geht es bergab.

Das Verhältnis ist mittlerweile zerrüttet – nach dem Dauer-Clinch um Strafzölle, Grönland, die Ukraine und den Iran. Jetzt hat sich Trump entschieden, die Beziehung mit einem Schlag unterhalb der Gürtellinie auf einen neuen Tiefpunkt zu bringen. Mit dem Spott über Macron will Trump seinen Willen im Krieg gegen den Iran durchsetzen – dahinter steckt aber noch wesentlich mehr Berechnung.

Trump entschied sich bewusst für eine verbale Attacke auf Macrons Familie. In einem Video von einem privaten Mittagessen, das für kurze Zeit auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Weißen Hauses zu sehen war, mokiert sich Trump über Macron, weil dessen Frau Brigitte ihn angeblich „extrem schlecht“ behandele. Macron erhole sich „noch immer von ihrem rechten Schwinger an den Kiefer“, behauptet Trump. Der US-Präsident bezieht sich damit auf eine Aufnahme aus dem Mai 2025, auf der Brigitte Macron ihren Mann auf einer Vietnam-Reise scheinbar ins Gesicht schlägt. Macron wies diese Interpretation der Bilder später als Teil einer Desinformations-Kampagne zurück.

Élysée schweigt zu Trumps Ausfällen

Diese persönlichen Beleidigungen verknüpft Trump im Video mit neuer Kritik an der Nato. „Wir brauchen sie nicht, aber ich habe dennoch gefragt“, sagt Trump in der Aufnahme, die nach kurzer Zeit online nicht mehr abrufbar war. Trump zeigt sich beleidigt, weil europäische Staaten ihm bei seinem Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Unterstützung verweigern, die er sich wünscht.

„Und ich sagte: ‚Emmanuel, wir hätten gerne ein bisschen Hilfe am Golf, auch wenn wir gerade Rekorde darin brechen, böse Menschen auszuschalten und Raketen auszuschalten. Wenn Du kannst, könntest Du bitte sofort Schiffe schicken'“, fuhr Trump in dem Video fort, um dann Macrons französischen Akzent nachzuäffen. „Nein, nein, nein, wir können das nicht machen, Donald. Wir können es machen, wenn der Krieg gewonnen ist.“

Bislang schweigt der Élysée zu Trumps Ausfällen. Womöglich will er die erneute Grenzüberschreitung des US-Präsidenten nicht aufwerten. Ein kluger Schachzug, da Trump mit seinen Äußerungen vor allem Aufmerksamkeit erregen will. Der US-Präsident will die Nato-Verbündeten dazu bringen, ihn im Konflikt mit dem Iran, vor allem bei der Sicherung der Straße von Hormus, direkt zu unterstützen. Das wurde erneut in einer Fernsehansprache deutlich, in der er europäischen Verbündeten ausrichten ließ, die Blockade der Straße von Hormus sei „nicht länger unser Problem“. Zugleich forderte er Staaten, die kein Öl bekämen, auf, „erstens“ amerikanisches Öl zu kaufen und „zweitens“ endlich den Mut aufzubringen, mit eigenen Schiffen in die Straße von Hormus zu fahren. Damit spielte Trump auf Länder wie Frankreich an, die eine Sendung zusätzlicher Kriegsschiffe nach Hormus verweigern und zugleich auf Ölimporte aus der Region angewiesen sind. Wieder einmal droht Trump auch mit dem Nato-Austritt der Amerikaner angesichts der Weigerung der Europäer, seinen Aufforderungen zu folgen.

Verbale Attacken als Ablenkungsmanöver

Dass Trump Macron mit seinen boshaften Spitzen unter Zugzwang setzen will, ist also offensichtlich. In Brüssel laufen indessen bereits Gespräche über einen möglichen Einsatz einer „Koalition der Willigen“, um die Straße von Hormus offen zu halten. Dabei handelt es sich allerdings um eine Schutz- und Begleitmission, die sich am Vorbild des Schwarzmeer-Korridors für ukrainisches Getreide orientieren könnte. Neben Macron wahren also auch die anderen Staats- und Regierungschefs in der EU weiterhin Distanz zu Trumps Krieg, in den sie sich nicht hineinziehen lassen wollen.

Das alles ärgert Trump. Dass er aber so weit geht, Macron auf der persönlichen Ebene zu attackieren, muss im Zusammenhang mit Trumps Propaganda-Strategie bewertet werden. Verbale Kränkungen dienen Trumps Regierung seit jeher dazu, von eigenen Verfehlungen abzulenken. Im Fall des Kriegs gegen den Iran gibt es bereits eine lange Liste von Versäumnissen der US-Regierung. Washington unterschätzte offensichtlich die globale Schockwirkung des Kriegs auf die weltweiten Energiepreise sowie die Resilienz des iranischen Regimes. Zudem kritisieren Experten, Trump habe Teheran ohne jede Strategie angegriffen und befinde sich nun in einem Schlagabtausch, bei dem kein Ende in Sicht ist.

Wann immer er sich in die Ecke gedrängt fühlte, hat Trump schon oft die Schuld bei anderen gesucht. Auch dieses Mal lenkt er von seiner Verantwortung für die Eskalation im Nahen und Mittleren Osten ab – mit dem Verweis: „Holt euch euer Öl doch selbst.“

Trump bedient MAGA-Männlichkeitsbild

Schließlich spielt in Trumps Logik auch die persönliche Abwertung Macrons eine große Rolle – als angeblich schwacher Mann, der sich von seiner Frau verprügeln lasse. Sein französischer Amtskollege ist Trump schon lange ein Dorn Auge, weil er sich in seinen Reden als der Verteidiger der europäischen Souveränität positioniert. Macron lässt sich von Trump nicht so viel gefallen wie andere europäische Politiker. Er schreckte nicht davor zurück, die „neokoloniale Aggressivität“ der Amerikaner anzuprangern, warnte vor „Mobbern“ wie Trump und versagte den USA das „Vasallentum“ Europas. Generell pocht Macron auf eine strategische und sicherheitspolitische Unabhängigkeit Europas. Das kann Trump nicht gefallen, der zwar höhere Nato-Ausgaben von Partnern fordert, das Geld aber vor allem in US-Waffen investiert sehen und so die Kontrolle über Europa behalten will.

Trump will Macron als Schwächling darstellen, um dessen Anspruch auf eine strategische Führungsrolle Europas im Nahen Osten und in der Nato zu untergraben. Die persönliche Schwäche, Schläge von der Ehefrau einzustecken, wird gleichgesetzt mit der Weigerung, sich gegen die iranische Bedrohung bei Hormus zu wehren. Trump hebt sich damit selbst in die Rolle des „tough guy“, der nicht vor Eskalation zurückschreckt.

Damit bedient Trump das toxische Männlichkeitsbild, dem der überwiegende Teil seiner Make-America-Great-Again-Bewegung folgt. In der MAGA-Welt dürfen sich die starken Männer von Frauen, Minderheiten oder der generellen „Wokeness“ nichts sagen lassen. Mit seinem inzwischen gelöschten Video landet Trump also vor allem in sozialen Netzwerken einen Coup – und liefert der rechten Blase der MAGA-Bewegung Gesprächsstoff.

Urteile wegen Verleumdung von Brigitte Macron

Das Opfer von Trumps verbaler Entgleisung ist neben Macron vor allem dessen Frau Brigitte. Sie wird dadurch auf die Karikatur einer dominanten Frau herabgewürdigt – und dient dazu, die Autorität ihres Mannes zu untergraben. Dabei handelt es sich nicht um die erste Grenzüberschreitung Trumps gegenüber Brigitte Macron. Bei einem Besuch in Paris 2017 kommentierte er bereits ungefragt ihr Aussehen: „She’s in such good shape.“

Generell ist Macrons Frau, die 24 Jahre älter ist als er, oft Ziel von rechtsradikalen Verleumdungs-Kampagnen. So wurde 2021 die Falschmeldung verbreitet, Brigitte Macron wäre ihr Bruder „Jean-Michel Trogneux“ und habe sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Das Video zweier Verschwörungsideologinnen ging viral. Die Behauptung wurde später von MAGA-Influencern wie Candace Owens aufgegriffen, die die Lüge „she is definitely a man“ für ihr Publikum neu aufkochten.

Französische Gerichte haben inzwischen mehrere Beteiligte verurteilt, unter anderem wegen Verleumdung und koordinierter Online-Hetze. Zehn Personen wurden Anfang 2026 wegen Cybermobbing zu Freiheitsstrafen verurteilt, neun von ihnen mit Bewährung. Trump befeuert mit seinen Beleidigungen gegen die Macrons also den Hass in der digitalen MAGA-Blase – und folgt damit dem Motto seines Ex-Beraters Steve Bannon, der dazu riet, die „Zone mit Scheiße zu fluten“. Es ist eindeutig: Hinter Trumps kommunikativen Fäkalflut steckt auch in diesem Fall eine ausgeklügelte Kommunikationsstrategie.

Quelle: ntv.de

Source: n-tv.de