Vier Jahre Verteidigungskampf gegen Russland
Putins Plan für den Krieg in der Ukraine ist fehlgeschlagen: Was ein rascher Sieg der russischen Truppen werden sollte, hat sich in einen jahrelangen Abnutzungskrieg entwickelt – in dem Hunderttausende Menschen gestorben sind.
Der russische Staatschef Wladimir Putin plante einen kurzen Krieg. Innerhalb weniger Tage sollte die russische Armee in die ukrainische Hauptstadt Kiew vordringen und Präsident Wolodymyr Selenskyj entmachten. Fallschirmjäger, die vor genau vier Jahren bei Kiew landeten, sollten die Ankunft von Transportmaschinen vorbereiten.
Putin hoffte offenbar auch, die ukrainische Armee würde sich kaum wehren. „Ich sollte mich auch an die ukrainischen Soldaten wenden“, sagte der Kremlchef in einer Ansprache. „Verehrte Genossen. Eure Väter, Großväter und Urgroßväter haben nicht deshalb gegen die Nationalsozialisten gekämpft und haben unsere gemeinsame Heimat verteidigt, damit heute Neonazis die Macht in der Ukraine usurpieren können. Ich rufe euch auf, sofort die Waffen niederzulegen und nach Hause zu gehen“, so Putin.
Mit „Neonazis“ meinte er die pro-europäische Führung der Ukraine unter Selenskyj, der 2019 mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden war.
Seit Jahren ein Abnutzungskrieg
Doch Putins Plan schlug fehl. Die Ukrainer verteidigten ihre Hauptstadt. Wenige Wochen später konnten sie die russischen Besatzer aus der Zentralukraine verdrängen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 startete die Ukraine erfolgreiche Gegenoffensiven im Bezirk Charkiw im Nordosten und im Bezirk Cherson im Süden. Eine weitere ukrainische Gegenoffensive im Jahr 2023 scheiterte dagegen.
Seitdem hat sich ein Abnutzungskrieg entwickelt, vor allem im Osten, im Donezbecken. Dort rückte Russland zunächst rasch, seit Jahren aber nur noch sehr langsam vor. Mit einer Vielzahl an selbst produzierten Drohnen kann die Ukraine den Angreifern große Verluste zufügen.
„Sieg heißt, dass die Ukraine bestehen bleibt“
Im ARD-Interview sagte Selenskyj: „Sie besiegen uns nicht. Ich denke auch nicht, dass wir dabei sind, zu verlieren, weder auf dem Schlachtfeld noch geopolitisch. Das ist ein russisches Narrativ. Sieg – das heißt für uns heute, dass die Ukraine bestehen bleibt.“
Im August 2024 startete die Ukraine ihre bisher einzige Offensive auf russischem Staatsgebiet. Ihre Armee drang in einer Tiefe von mehr als 30 Kilometern in den Bezirk Kursk ein, ohne jedoch die Bezirkshauptstadt selbst einzunehmen. Im nächsten Frühling wurde sie von dort wieder zurückgeschlagen, Russland setzte dafür auch Soldaten aus Nordkorea ein.
Tausende von Kriegsverbrechen an Zivilisten
Der Krieg in der Ukraine hat sich zum größten Krieg in Europa seit 1945 entwickelt. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits mehrere Hunderttausend Soldaten gefallen sind.
Vom ersten Tag an führte Russland indes auch Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. In der Millionenstadt Charkiw starben schon in den ersten Wochen des Kriegs Hunderte Menschen unter den Trümmern von beschossenen Wohngebäuden.
In den Vororten von Kiew wurden nach Abzug der russischen Armee Tausende von Kriegsverbrechen an Zivilisten offenbar, darunter Vergewaltigungen und Massenerschießungen.
Source: tagesschau.de
