Verunreinigte Babymilch: Danone wirbt um Vertrauen – und spielt finanziellen Schaden herunter

Der Skandal um verunreinigte Babymilchprodukte wirft Danone nicht aus der Bahn. Der Umsatz und das laufende Betriebsergebnis des französischen Nahrungsmittelherstellers legten im vergangenen Jahr weiter zu, wie die Geschäftsführung am Freitag bekannt gab. Das deckt sich mit der Erwartung der Analysten. Bei der Royal Bank of Canada sprach man von „vorbildlichen Ergebnissen eines der hochwertigsten Unternehmen, das wir beobachten“.
Die finanziellen Auswirkungen des Babymilchskandals spielte Danone herunter. „Während die Rückrufprozesse in Abstimmung mit den Behörden laufen, sind die derzeit festgestellten finanziellen Auswirkungen nicht wesentlich“, erklärte der Konzern. Die Folgenabschätzung werde nach Abschluss der Rückrufe fertiggestellt. Der Aktienkurs von Danone hatte im Januar deutlich nachgegeben, diese Verluste seit Anfang Februar aber wieder wettgemacht. Der Börsenwert beträgt knapp 50 Milliarden Euro.
Danone und andere europäische Wettbewerber wie Nestlé mussten in den vergangenen Wochen eine Vielzahl an Babymilchprodukten in mehr als 60 Ländern aus dem Verkehr ziehen, nachdem darin Spuren des Giftstoffs Cereulid festgestellt worden waren. Gebildet hatte es sich bei der Produktion eines Öls, das reich an der in Muttermilch natürlich vorkommenden Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure ist und deshalb den Produkten hinzugefügt wurde – hergestellt vom chinesischen Produzenten Cabio Biotech.
Staatsanwaltschaften ermitteln
Bei Danone wurden unter anderem Babymilchprodukte der Marke Aptamil zurückgerufen. Der Skandal ist inzwischen ein Fall für die Justiz. Mehrere Verbände und Familien haben in Frankreich Klage gegen unbekannt eingereicht. Ende Januar hat die Pariser Staatsanwaltschaft fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet. Diese betreffen neben Danone und Nestlé die Hersteller Lactalis, Babybio und La Marque en moins. Die Ermittler untersuchen unter anderem, ob Konsumenten über eine Ware getäuscht wurden, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellt.
Auch die Fragen, warum notwendige Rückrufe zunächst unterblieben sind und ob gesetzliche Sicherheits- oder Sorgfaltspflichten verletzt wurden, beschäftigen die Pariser Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus ermitteln die Staatsanwaltschaften in Bordeaux, Angers und Blois, nachdem drei Säuglinge verstorben sind, die zuvor von Rückrufen betroffene verunreinigte Babymilch konsumiert hatten. Bislang konnte kein Kausalzusammenhang festgestellt werden. Der Imageschaden wiegt dennoch schwer.
Danone-Chef Antoine Bernard de Saint-Affrique leitete die Präsentation der Geschäftszahlen vor Analysten am Freitag deshalb mit den Worten ein, das Thema Babymilch „sehr ernst“ zu nehmen. Lebensmittelsicherheit und -qualität seien und blieben die oberste Priorität. Ähnlich wie tags zuvor Nestlé-Chef Philipp Navratil machte er deutlich, das Vertrauen verunsicherter Eltern wiederherstellen zu wollen.
Babymilch einer der „Wachstumsmotoren“
Danone ist nicht so stark von den Rückrufen betroffen wie Nestlé und kann dadurch vorübergehend Marktanteile gewinnen. Eine solche Krise sei aber „für niemanden eine gute Nachricht“, betonte de Saint-Affrique gegenüber der französischen Zeitung „Le Figaro“. Sie sei „für die gesamte Branche beunruhigend, und wir müssen das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen“. Alle Danone-Produkte seien sicher.
Für den französischen Konzern bleibt das Geschäft mit Baby- und Kindernahrung sehr wichtig. In großen Märkten in Europa und China sinken zwar die Geburtenraten, dafür gibt es mit Indien und Nigeria neue, vielversprechende Wachstumsmärkte. „Im Bereich der Säuglingsernährung zeigt unser Engagement für mit Eisen angereicherte Produkte in Indonesien oder Afrika zur Bekämpfung von Anämie bei Kindern, dass die Möglichkeiten außergewöhnlich groß sind“, so de Saint-Affrique.
Der Reserveoffizier der französischen Marine steht seit 2021 an der Spitze von Danone und hat den Konzern nach schwierigen Jahren strategisch ähnlich neu ausgerichtet wie der große Wettbewerber Nestlé. De Saint-Affrique hat die Produktpalette gestrafft, weniger rentable Marken veräußert und gezielte Käufe getätigt. Neben proteinreichen Joghurts bezeichnete er das Portfolio an Spezialnahrung für Babys und Erwachsene vergangenes Jahr im Gespräch mit der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ als einen der „Wachstumsmotoren“ von Danone.