vernetzte Heizung: Digitale Thermostate sollen  Energiekosten senken

Wer es morgens im Badezimmer warm haben will, muss im Winter nachts die Heizung länger aufgedreht lassen oder schon vorher selbst die Heiztemperatur rechtzeitig erhöhen. Einfacher geht es, wenn die Heizung automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit mit dem Wärmen im Bad anfängt. Damit lässt sich vermeiden, dort zu heizen, wo niemand ist. Das kann Kosten sparen, aber erhöht zunächst die Ausgaben, um die Heizung mit neuen Reglern zu digitalisieren.

Mit den Jahren sind die Heizungsausgaben deutlich gestiegen. Gerade wenn im Winter draußen die Temperaturen fallen, steigen drinnen Verbrauch und Kosten. Der erste Spartipp ist stets, den Verbrauch zu senken. Als Faustregel gilt: Sinkt die Raumtemperatur um ein Grad Celsius, reduziert das den Energieverbrauch um rund sechs Prozent. Allerdings sollten die Innentemperatur auch nicht zu stark sinken, um Schimmel zu vermeiden.

So oder so sind Wohnräume gerade in den kalten Monaten Dezember, Januar und Februar zu heizen. Die Bewohner können dabei darauf achten, die Heiztemperatur in den Zimmern während der Nutzung zu erhöhen und andere zu senken. Dabei können digitale Thermostate helfen, die automatisch oder voreingestellt die Temperatur an einem Heizgerät regeln. Mittlerweile finden sich davon verschiedene Anbieter, deren Heizungsregler sich häufig via App steuern und mit anderen Systemen von Google, Amazon und Apple verbinden lassen. Auch die Heizungshersteller Bosch, Viessmann und Stiebel Eltron bieten solche „smarten“ Thermostate an.

Heizungen digitalisieren

Für Christian Deilmann wissen die meisten Bewohner zu wenig über ihre eigene Heizung. Klar ist, dass die Geräte im Keller stehen und ihren Dienst tun sollen. „Wenn wir die Menschen fragen, was für eine Marke ihre Heizung hat oder wie hoch die Heizkosten sind, wissen das die wenigsten“, sagt der Mitgründer und Geschäftsführer von Tado , einem Anbieter digitaler Thermostate. „Unser größter Feind ist das mangelnde Bewusstsein“, sagt Deilmann.

Wie viel sich mit einer digitalen Heizungssteuerung sparen lässt, hängt auch davon ab, wie hoch der Verbrauch insgesamt ist und wie sehr die Bewohner vorher auf die Heizung geachtet haben. Je sorgloser der Umgang in der Vergangenheit war, desto mehr Einsparpotential bietet sich. Ein weiterer Faktor ist der energetische Zustand des Gebäudes: Umso jünger und besser gedämmt das Haus ist, desto geringer ist der Energieverbrauch insgesamt.

Die Anbieter gehen selbst von relevanten Einsparungen durch ihre Geräte aus. Deilmann sieht das kaum anders: „Wer sein Heizungssystem digitalisiert, senkt seine Energiekosten und spart im Durchschnitt 22 Prozent im Jahr“, sagt er. Das Unternehmen mit Sitz in München hat seit der Gründung im Jahr 2011 mehr als sieben Millionen Thermostate verkauft und sieht sich als Marktführer in Europa.

Einsatz in Mietshäusern

Der Wohnungskonzern LEG Immobilien mit 172.000 Mietwohnungen und rund 500.000 Bewohnern hat für seine Häuser eigene Geräte zur Heizungssteuerung entwickelt. Dafür hat der Vermieter das Gemeinschaftsunternehmen Termios mit den Unternehmen Oventrop und Mantro vor drei Jahren gegründet. LEG-Vorstand Volker Wiegel hat das Verfahren vorangetrieben. „Als ich von der Idee hörte, war ich sofort Feuer und Flamme“, sagt er. „Uns bringt das für jede Immobilie eine bessere Energieeffizienzklasse.“

Das digitale Thermostat misst wie auch andere Geräte die Temperatur am Heizkörper und im Raum und kann die Heizleistung individuell regeln. Dazu soll das System eine vernetzte Heizungssteuerung und den vorgeschriebenen hydraulischen Abgleich ermöglichen. Bisher sind 26.000 Thermostate des digitalen Systems in Immobilien in Deutschland bei 30 Kunden eingebaut. Davon laufen 14.000 Geräte in LEG-Immobilien. Das Angebot ist daher nicht auf die eigenen Häuser beschränkt, sondern richtet sich auch an andere Eigentümer.

In Mietshäusern steht eine Gemeinschaftsheizung häufig im Keller, während der Heizbedarf zwischen den Wohnungen, Räumen und Stockwerken schwankt. Der Ansatz von Termios verteilt durch einen Algorithmus die Wärme im Gebäude, um alle Räume ausreichend mit Wärme zu versorgen. Wo es zuvor zu warm war, wird der Bedarf gedämpft. Wo es zu kalt war, wird die Heizung aufgedreht.

Mit dem Einsatz der Thermostate im gesamten Mietshaus soll der Abgleich dauerhaft und automatisch geschehen. Dafür kommuniziert das Thermostat in der Regel im Zehn-Minuten-Takt mit einem Gateway im Haus, das über ein Mobilfunknetz mit einer Cloud verbunden ist. Die Investitionskosten sowie die Betriebskosten des Systems können auf den Mieter umgelegt werden. Durch weniger Energieverbrauch sollen wiederum die Nebenkosten sinken. Auch mit dem digitalen Thermostat können die Bewohner wie zuvor die Heizungsstufe erhöhen oder senken, um selbst die Temperatur zu regeln.

Die Höhe der Einsparung hängt auch hier von mehreren Faktoren ab, aber der bisherige Verlauf stimmt die Beteiligten zuversichtlich. Stephan Thoenissen, Geschäftsführer von Termios und gleichzeitig Mitarbeiter von LEG, sagt, dass sich in älteren Gebäuden bis zu 20 Prozent der Energiekosten einsparen lassen.

In besseren Gebäuden erwartet er noch Einsparungen von rund fünf bis sieben Prozent. „Wir senken im Durchschnitt nach der Durchführung des hy­draulischen Abgleichs die Raumtemperatur in einem Gebäude und sparen dadurch Energie und Kosten“, sagt er. „Vorher war es in einem Teil des Hauses sehr warm, aber woanders nicht warm genug.“

Wie viel der Einsatz des digitalen Thermostatsystems gebraucht hat, soll eine Fraunhofer-Studie im nächsten Frühjahr aufschlüsseln. Dafür wird derzeit der Energieverbrauch in 80 Gebäuden ausgewertet. Damit lässt sich auch sagen, wie viel die Digitalisierung für die Klimabilanz eines Mehrparteienhauses bringen kann. Wer auch ohne digitales Thermostat sparen will, hat das selbst in der Hand und kann weiter die Heiztemperatur senken.