Verkauf: Das Fintech Gini wird amerikanisch

Gini, eines der bekanntesten deutschen Fintechs, wechselt den Eigentümer. Käufer ist das amerikanische Unternehmen Banyan Software. Im Jahr 2011 gegründet von Steffen Reitz, Holger Teske und Fabian Stehle, wollte Gini Onlinebanking-Nutzern das Leben erleichtern: An diese Kunden haben Banken bekanntlich früher von ihnen erledigte Arbeit ausgelagert. Bis heute ärgern sich viele darüber, wenn sie ihre Überweisungen vom eigenen Kunden zu einem anderen Bankkonto händisch online eingeben.
Dabei hatte Gini schon eine Anwendung geschaffen, mit der Überweisungsträger einfach abfotografiert werden, schon damals konnte sie auch aus Rechnungen im PDF-Format Daten auslesen. Heute haben nahezu alle Banken in Deutschland von Sparkassen und VR-Banken über Deutsche Bank bis hin zur Commerzbank die Fotoüberweisungslösung von Gini in ihrer eigenen Banking-App im Einsatz. Inzwischen bietet Gini auch weitere Lösungen für Banken, Versicherer und Internethändler (E-Commerce), um das Bezahlen zu vereinfachen und zum Beispiel auch die Rückerstattungsprozesse zu optimieren. Natürlich wird dabei auch Künstliche Intelligenz genutzt. Jetzt wird die Gini GmbH, an der die Commerzbank ab 2014 über ihre Tochtergesellschaft Neosfer beteiligt ist und mindestens einmal aufgestockt hat, weiterverkauft.
Das Profil des Käufers
Aus einem Registerauszug des Münchener Amtsgerichts geht hervor, dass neben der Commerzbank auch Check24 zu den Gesellschaftern gehörte und die Deutsche Telekom bis mindestens 2018. In der am Mittwoch versandten Pressemitteilung ist nur vom Käufer die Rede: Banyan Software, ein Unternehmen mit Sitz in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Mit den Worten „wir erwerben und entwickeln außergewöhnliche Softwareunternehmen weltweit und unterstützen sie dabei, in Nischenmärkten langfristig erfolgreich zu sein“, stellt Banyan sich dort selbst vor.
Offenbar agiert Banyan wie ein Finanzinvestor, der seine Beteiligungen an Software-Unternehmen dauerhaft hält. Im Juni 2025 zum Beispiel hatte Banyan den Kauf des ebenfalls in München ansässigen Unternehmens Star-Trac bekannt gegeben, einem Anbieter von Hof- und Transportmanagementlösungen für die Chemie-, Industrie- und Logistikbranche.
Bei Gini, das etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt, hat man die Hoffnung, mit Banyan einen Partner gefunden zu haben, der „die nächste Wachstumsphase unterstützt und dazu beiträgt, die erheblichen Chancen in einem dynamischen Markt zu erschließen und zu nutzen“, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung zum Verkauf an Banyan heißt.
Darin lässt sich Alexander Jäger, der seit 2023 zunächst zusammen mit Gründer Holger Teske und seit dem vierten Quartal 2024 als CEO die Geschäfte von Gini führt, so zitieren: „Mit Banyan haben wir einen starken Partner an unserer Seite. Damit sind wir in der Lage, unsere Technologie und unsere Services auf das nächste Level zu heben – ein entscheidender Faktor, um unsere Kunden in einem sich rasant entwickelnden Markt bestmöglich zu unterstützen.“ Auch nach dem Verkauf an Banyan werde Gini weiterhin eigenständig operieren können. Führungsteam, Marke und Roadmap blieben unverändert, wird versichert.
Source: faz.net