„Verbot ist günstig zu nach sich ziehen“ – Reichinnek arbeitet sich an Günther ab

Linken-Politikerin Heidi Reichinnek, erfolgreich auf TikTok und Instagram, lehnt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche ab. Stattdessen sollten Tech-Konzerne reguliert werden. Sie empört sich über eine Aussage von CDU-Ministerpräsident Daniel Günther.

Sie gehört zu den Politikern mit der größten Reichweite: Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, lehnt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche ab. „Ein Verbot ist billig zu haben“, sagte Reichinnek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Die ‚schwere Sünde‘ gegenüber Kindern und Jugendlichen ist vor allem, dass sie in der Regierungspolitik einfach keine Priorität haben“, sagte Reichinnek. Von Ungerechtigkeit in der Bildung über fehlende Schulsozial- und Jugendarbeit bis zur Kinderarmut gebe es mehr Probleme als genug, deren sich Bundes- und Landesregierungen annehmen könnten.

Reichinnek bezog sich damit auf eine Aussage von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der mit Blick auf schädliche Einflüsse sozialer Netzwerke gesagt hatte: „Wir haben in den vergangenen Jahren eine schwere Sünde begangen, weil wir das zu spät erkannt und nichts getan haben. Bei der jüngeren Generation haben wir erhebliche Schäden mitzuverantworten, weil wir unserer Schutzfunktion als Staat nicht nachgekommen sind.“

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Die Linksfraktionschefin konterte „Vor allem mentale Gesundheit und Einsamkeit unter jungen Menschen sind Themen, die brennen“, so Reichinnek. „Aber anstatt hier endlich das notwendige Geld in die Hand zu nehmen – für eine echte Kindergrundsicherung, eine gut ausgestattete Jugendhilfe, therapeutische Angebote und Jugendtreffs, um nur einige Beispiele zu nennen, – stilisieren Politiker aus Union und SPD die Debatte um eine Altersbeschränkung bei Social Media zur alles entscheidenden Frage.“

„Alles, was zurecht kritisiert wird – Pornografie, Gewalt, Körperbilder – wird auch nicht besser, wenn man es erst mit 14 oder 16 sieht“, sagte Reichinnek. Sie würde es begrüßen, wenn Befürworter eines Verbots „sich mit dem gleichen Engagement endlich mit den Tech-Giganten anlegen würden, die das nicht nur unkontrolliert laufen lassen, sondern sogar absichtlich verstärken.“ Meldefunktionen müssten einfacher sein, personalisierte Werbung solle verboten, Algorithmen offengelegt werden, forderte Reichinnek.

„Anstatt jungen Menschen Teilhabe zu verwehren, muss man an die Wurzel des Problems. Dazu gehören auch Medienbildung und Anlaufstellen, an die sich junge Menschen und Eltern wenden können“, sagte die Linken-Politikerin. Der 37-Jährigen folgen auf TikTok über 600.000 Nutzer, auf Instagram fast 900.000.

sebe

Source: welt.de