Venezuela: Wie soll man dasjenige zerbrochene Weltbild wieder zusammenbauen?

Es gibt Zeiten, die von einem Satz des Schriftstellers Gotthold
Ephraim Lessing mitten ins Herz getroffen werden: „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat gar
keinen zu verlieren.“ Die „gewissen Dinge“ stehen allen in brutaler Klarheit
vor Augen, es sind die friedlosen Verhältnisse, es ist die Wiederkehr der
Gewalt als Mittel der Politik. Gewiss, die globale Gewalt war nie verschwunden,
immer gab es Kriege und Bürgerkriege, Spezialoperationen, Aufstände, Systemwechsel
und apokalyptische Terroranschläge. Zugleich aber lagerte in der mentalen
Hausapotheke ein bewährtes Beruhigungsmittel, eine Geschichtsphilosophie, die
verhindern sollte, dass jemand den Verstand verlor. Sie lautete: Ja, die Lage
ist schlimm, doch alles wird gut. Die globalen Konflikte sind
Weltordnungskämpfe und Kriege die Vorstufen des künftigen Friedens.