Vance in Eriwan und Baku: Wie Amerika sich im Südkaukasus engagiert

Mit den Namen von Armenien und Aserbaidschan hat Donald Trump Schwierigkeiten: Armenien hat er schon mit Albanien verwechselt und Aserbaidschan als „Aberbaidschan“ bezeichnet, als er sich rühmte, den Konflikt zwischen beiden Ländern beendet zu haben. Tatsächlich stehen die Chancen für einen Frieden zwischen Armenien und Aserbaidschan derzeit so gut wie nie zuvor, seit beide am Ende der Sowjetunion vor 35 Jahren unabhängig geworden sind. Und es entspricht auch der Realität, dass der amerikanische Präsident dabei eine wichtige Rolle spielt – ein Kernstück des beabsichtigten Friedensabkommens zwischen Aserbaidschan und Armenien trägt seinen Namen: Trump Route for International Peace and Prosperity (TRIPP).

Das Infrastrukturprojekt soll nach dem Willen der Regierungen beider Länder zu einer dauerhaften Präsenz der USA im Südkaukasus führen. Und das in unmittelbarer Nähe zur Grenze Irans in einer Region, die Russland bisher als seine Einflusssphäre ansah. Während eines Besuchs in Armenien und Aserbaidschan hat Vizepräsident JD Vance am Montag und Dienstag die Ernsthaftigkeit des amerikanischen Engagements in der Region bekräftigt.

Amerikanische Drohnen für Armenien

In Armeniens Hauptstadt Eriwan kündigte Vance eine Nuklearenergie-Kooperation im Wert von insgesamt neun Milliarden Dollar an. Damit treten die USA in Konkurrenz zu Russland, das Armenien erst vorige Woche eine erweiterte Zusammenarbeit bei der Kernenergie angeboten hat. Bisher hat Armenien ein Atomkraftwerk sowjetischer Bauart, das bis 2036 gemeinsam mit dem russischen Konzern Rosatom betrieben werden soll.

Zudem kauft Armenien von den USA militärische Beobachtungsdrohnen im Wert von elf Millionen Dollar. Es ist das erste Mal, dass Armenien amerikanische Militärtechnik erwirbt. In Armenien befindet sich ein russischer Militärstützpunkt.

Das Land gehört offiziell dem von Russland dominierten Militärbündnis ODKB an, hat seine Mitwirkung daran aber eingefroren, nachdem es während des Kriegs mit Aserbaidschan 2023 keinen Beistand erhalten hatte.

In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku unterzeichnete Vance eine Charta über eine strategische Partnerschaft mit Aserbaidschan. Ohne Details zu nennen, kündigte Vance dort die Lieferung von Schiffen zum Schutz der Küste im Kaspischen Meer an. Im Süden grenzt Aserbaidschan an Iran, im Norden an Russland.

Das Treffen im Weißen Haus

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan begann Ende der achtziger Jahre. Es ging um das überwiegend von Armeniern bewohnte, aber zu Aserbaidschan gehörende Nagornyj Karabach. Aus einem ersten Krieg Anfang der neunziger Jahre ging die armenische Seite siegreich hervor, Karabach war danach ein international nicht anerkannter und mit Armenien eng verbundener De-facto-Staat. Aserbaidschan, das dank großer Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen massiv aufgerüstet hatte, brachte Karabach in Kriegen 2020 und 2023 unter seine Kontrolle. Nach dem Krieg 2023 floh praktisch die ganze armenische Bevölkerung von gut 100.000 Menschen aus Karabach.

Seit Anfang 2025 haben sich Armenien und Aserbaidschan in einer Serie bilateraler Gespräche auf Grundzüge eines Friedensabkommens geeinigt. Der Durchbruch gelang im Juli vorigen Jahres. Im August wurde dann im Weißen Haus in Anwesenheit Trumps eine Absichtserklärung zum Abschluss eines Friedensvertrags unterzeichnet. Beiden Konfliktparteien gemeinsam ist dabei das Interesse, Russland aus dem Friedensprozess herauszuhalten.

Doch fordert Aserbaidschan vor Unterzeichnung des Friedensabkommens eine Änderung der armenischen Verfassung, die nach Lesart Bakus territoriale Ansprüche an das Nachbarland enthält. Dieser innenpolitisch umstrittene Schritt ist erst nach der Parlamentswahl in Armenien im Juni möglich.

Ein zentrales Element der Friedensvereinbarung ist eine Straßen-, Schienen- und Energieverbindung, die Aserbaidschan und seine Exklave Nachitschewan über armenisches Gebiet hinweg verbindet – TRIPP. Ein im Januar unterzeichnetes Memorandum sieht vor, dass TRIPP von einem amerikanisch-armenischen Joint Venture betrieben wird, an dem die USA 74 Prozent halten sollen. Geld sei dabei „kein Thema“, sagte Vance in Eriwan, es gebe „sehr viel Interesse“ von privaten Kapitalgebern.

Source: faz.net