USA senken Zölle: Pasta-Frieden zum Neujahr: Trump erhört Melonis Bitten

Die Vereinigten Staaten machen einen Rückzieher bei ihrer Drohung eines Superzolls auf italienische Nudeln. Kurz bevor die Zölle von knapp 92 Prozent zum Neujahrstag in Kraft treten sollten, hat das amerikanische Handelsministerium stark reduzierte Tarife bekannt gegeben: Für die Marke La Molisana etwa sinkt der Zoll auf knapp 2,3 Prozent, für Garofalo auf knapp 14 Prozent und für weitere elf italienische Marken auf gut 9 Prozent. Die allgemeinen Zollsätze von 15 Prozent auf eingeführte Waren aus der EU finden allerdings weiterhin Anwendung.

Das italienische Außenministerium zeigte sich zufrieden: „Die Unterstützung durch die Regierung hat sich ausgezahlt“, teilte es mit. Die Tageszeitung „Corriere della Sera“ schrieb von einem „politischen Sieg für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni“, die gute Beziehungen zu Donald Trump unterhält. In einem „langen und freundlichen Telefonat“ habe sie dem amerikanischen Präsidenten ihre Neujahrswünsche überbracht und sich für das Einlenken bedankt.

Streit über Italiens Antworten auf amerikanische Datenanfragen

Das italienische Außenministerium hob auch „die aktive Kooperationsbereitschaft unserer Unternehmen“ hervor. Aus Sicht des amerikanischen Handelsministeriums war diese zuvor nicht gegeben. Anfang September hatte es die hohen Strafzölle angekündigt, nachdem nach Angaben einer Sprecherin die italienischen Hersteller auf Datenanfragen des Ministeriums wiederholt nicht geantwortet hätten – was die Produzenten und ihre Verbände in Italien allerdings abstritten. Die Amerikaner werfen den Italienern vor, ihre Pasta auf dem amerikanischen Markt deutlich unter Kosten anzubieten, also zu Dumpingpreisen.

Der Streit ist nicht neu. Schon vor rund dreißig Jahren verhängten die Vereinigten Staaten Strafzölle dagegen. Amerikanische Unternehmen haben beim Handelsministerium immer wieder entsprechende Untersuchungen veranlasst. Im vergangenen Jahr beantragten die amerikanischen Hersteller 8th Avenue Food & Provisions und Winland Foods Ermittlungen. Daraufhin leitete das amerikanische Ministerium Stichproben-Untersuchungen gegen die Marken La Molisana und Garofalo ein und drohte mit den hohen Zöllen auf weitere elf Hersteller, darunter auch der große Anbieter Barilla.

Gesamte italienische Regierung und die Verbände legten sich ins Zeug

Alarmiert von der Drohung wurde nun die ganze italienische Regierung, inklusive der Botschaft in Washington, aktiv und startete eine breit angelegte Lobbykampagne. Die italienischen Hersteller lieferten weitere Daten. „Die Teamarbeit hat sich ausgezahlt“, teilte der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida zum Neujahrstag mit. „Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen“, sagte Cosimo Rummo, der Chef des gleichnamigen italienischen Herstellers, der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“.

Denn der Abschluss der amerikanischen Untersuchung ist für den 11. März terminiert. Rummo plädierte auch für Vorsicht bei der Frage, ob gegen die verbliebenen 9-Prozent-Zölle geklagt werden sollte. „Solche Gerichtsverfahren kosten ein Vermögen. Am Ende könnte es mehr kosten, die Aufhebung des Antidumpingzolls zu verlangen, als einen Zoll von 9 Prozent zu zahlen.“

Der Wert der italienischen Pastaexporte auf den amerikanischen Markt betrug 2024 rund 671 Millionen Euro. Die Vereinigten Staaten sind nach Deutschland dem Wert nach der zweitwichtigste Exportmarkt für die italienischen Hersteller. Insgesamt führt Italien Nudelteigwaren im Wert von gut 4 Milliarden Euro aus. 63 Prozent der Ausfuhren gehen in die EU. Deutschland ist mit rund 467.000 Tonnen auch nach der Menge der größte Importeur – rund die Hälfte mehr, als in die Vereinigten Staaten gehen. Im Jahr 2023 waren die Vereinigten Staaten nach dem Exportwert ein größerer Markt als etwa Frankreich, Großbritannien oder Spanien.

Italiens Stolz auf traditionelle Herstellungsmethoden

Die italienischen, meist mittelständischen Hersteller pflegen mit Stolz traditionelle Produktionsmethoden. Der Teig aus dem fast immer verwendeten eiweißhaltigen Hartweizengrieß (Semola) wird häufig durch bronzeverzierte Formen gepresst. Damit erhält er eine raue Textur, an der die Soße besser haftet. Außerdem wird die italienische Pasta länger getrocknet als bei vielen anderen industriellen Herstellern. In einer Umfrage gaben die Italiener kürzlich an, dass sie auf fünf Merkmale ihres Landes besonders stolz seien: Historische Monumente, Kunst, Natur, Literatur – und Pasta.