US-Rettungsaktion in Iran: Zwei Tage in einem Felsspalt

Dass Donald Trump die Rettung des in Iran nach dem Abschuss eines Kampfflugzeugs vermissten Soldaten als „unglaubliche Demonstration von Mut und Können“ feiern würde, konnte niemanden verwundern. Die gefährliche Operation mit hollywoodreifen Szenen wurde in Amerika aber auch von jenen bejubelt, die dem Irankrieg skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Das drückte Anerkennung für eine militärische und nachrichtendienstliche Glanzleistung aus. Und diente im linken Medienspektrum auch als Immunisierung gegen den Vorwurf der Regierung, man rede auf unpatriotische Weise Trumps Krieg schlecht, in der Hoffnung, der Präsident werde dafür einen innenpolitischen Preis zahlen müssen.
Am Sonntagmorgen hatte Trump über seine Plattform Truth Social gemeldet: „Wir haben ihn!“ Nach einer der „gewagtesten“ militärischen Such- und Rettungsaktionen in der amerikanischen Geschichte sei der hoch respektierte Oberst wohlbehalten, nachdem er sich hinter feindlichen Linien im tückischen Gelände der iranischen Berge befunden habe, wo der Feind ihn gejagt habe und ihm mit der Zeit immer nähergekommen sei.
Seine Identität wurde nicht offenbart. Nie sei er allein gewesen, hob der Präsident hervor: Der Oberbefehlshaber, also Trump, der „Kriegsminister“, der Generalstabschef und seine Kameraden hätten sein Versteck 24 Stunden am Tag beobachtet, während sie die Rettungsaktion planten.
Zuerst ging es nach Kuwait
Er, Trump, habe dann den Befehl erteilt, Dutzende Fluggeräte loszuschicken, um ihn zurückzuholen. Der Soldat sei verletzt, doch werde er sich erholen. Später konkretisierte er, der Soldat, der Besatzungsmitglied einer F-15E Strike Eagle gewesen sei, sei schwer verletzt. Er wurde zur ärztlichen Behandlung nach Kuwait gebracht. Zuvor sei bereits der Pilot der Maschine durch zwei Hubschrauber gerettet worden. Einer der beiden Helikopter wurde dabei beschossen, wobei Besatzungsmitglieder verletzt wurden.
Fast zwei Tage verbrachte der verletzte Flieger allein in einem Felsspalt in den Schluchten im Südwesten des Landes, während iranische Hubschrauber und Drohnen nach ihm suchten. Der Offizier, der im Cockpit den Abschuss der Raketen verantwortete, hatte sich, wie der Pilot, per Schleudersitz retten können nach feindlichem Beschuss mutmaßlich durch einen schultergestützten Raketenwerfer. Als er den Bergkamm erreicht hatte, setzte er einen verschlüsselten Funkspruch ab: „Gott ist gütig.“ In Washington reagierte man zunächst skeptisch: War das wirklich die Botschaft des eigenen Mannes oder eine Falle der Iraner?
Als die Zweifel beseitigt waren, begab sich Verteidigungsminister Pete Hegseth ins Weiße Haus, um den Befehl für die Rettungsmission zu erhalten. Die riskante Operation umfasste einige Hundert Spezialkräfte, Dutzende Flugzeuge, Hubschrauber und CIA-Agenten, die ein Ablenkungsmanöver orchestrierten. Um den Feind in Schach zu halten, warfen B-1-Bomber etwa hundert 2000 Pfund schwere satellitengesteuerte Bomben ab.
Drohnen attackierten unterdessen mutmaßliche iranische Angreifer, die am Ende nur drei Kilometer vom Versteck des Fliegers entfernt waren. Das iranische Staatsfernsehen rief die Bevölkerung in der Region auf, mit den eigenen Streitkräften zusammenzuarbeiten, um den Soldaten gefangen zu nehmen.
Schwere materielle Verluste
Auch für Trump persönlich stand einiges auf dem Spiel. Mehrfach hatte er sich in den vergangenen Wochen damit gebrüstet, dass der Krieg militärisch im Grunde schon gewonnen sei, die iranischen Streitkräfte geschlagen und das Drohnen- und Raketenprogramm des Regimes so gut wie zerstört. Zudem habe man die Lufthoheit über Iran. Nun aber waren zwei Kampfflugzeuge zerstört.
Neben der F-15 am Freitag auch eine A-10 Warthog, wobei unklar war, ob diese offenbar an der Suchaktion beteiligte Maschine, wie von iranischen Staatsmedien behauptet, von der iranischen Luftabwehr abgeschossen worden ist oder aus anderen Gründen abstürzte. Bevor der Pilot sich aus dem Flugzeug rettete, konnte er dieses noch in den kuwaitischen Luftraum befördern, berichtete die „Washington Post“. Um einen weiteren Rückschlag zu vermeiden, ging es Trump nicht nur um die Rettung des F-15-Crew-Mitglieds, sondern auch darum, dabei nicht weitere Soldaten zu verlieren.
Ein erster Rettungsversuch wurde nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ abgebrochen, nachdem zwei Helikopter unter Beschuss geraten waren und sich Besatzungsmitglieder verletzt hatten. Als dann zwei Transportflugzeuge in dem Gebiet landeten, versanken deren Bugräder im Grund und konnten nicht wieder starten. Als es den Spezialkräften gelungen war, den Flieger zu retten, zerstörten sie die beiden Transportflugzeuge, die jeweils mehr als 100 Millionen Dollar kosten, sowie zwei Hubschrauber, um zu verhindern, dass die Technologie in die Hände der Iraner gerät.
Die amerikanischen Streitkräfte setzten daraufhin drei weitere Transportflugzeuge ein, um den Soldaten und seine Retter aus dem Feindesland zu bringen. Die Rettungsaktion wurde von iranischen Kräften gestört. Der Sender Al Jazeera berichtete mit Bezug auf einen amerikanischen Regierungsvertreter, es sei zu „heftigen Feuergefechten“ gekommen.
Die iranische Seite verbreitete freilich eine andere Version: Die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, die Revolutionsgarde habe zwei Black-Hawk-Hubschrauber der Amerikaner, ein C-130-Militärtransportflugzeug und mehrere Drohnen getroffen und zerstört. Tasnim veröffentlichte dazu Aufnahmen, auf denen brennende Wrackteile zu sehen sind. Der Militärsprecher Ebrahim Solfaghari teilte mit, der Rettungseinsatz des amerikanischen Militärs sei „vollständig vereitelt“ worden.
Source: faz.net