US-MilitäR: Trump attackiert Amerikas Rüstungskonzerne

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat den Unternehmen der amerikanischen Rüstungsindustrie gedroht, Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe zu verbieten. Mit der überraschenden Ankündigung, die der Präsident auf  seinem eigenen Sprachrohr Truth Social öffentlich machte, will die Unternehmen zwingen, mehr Geld in Produktionsanlagen zu investieren.  Die riesigen Dividenden und massiven Aktienrückkäufe schmälerten Investitionen in heimische Werke und Ausrüstung. „Das wird künftig nicht mehr erlaubt oder toleriert!“, schrieb Trump auf Truth Social. Doch damit nicht genug: Trump hält die Führungskräfte der Industrie für überbezahlt und will deshalb ihre Vergütungspakete auf 5 Millionen Dollar beschränken. Trump nannte in dem Truth Social-Beitrag die Verdienste der Vorstände „exorbitant und nicht zu rechtfertigen, wenn man bedenkt, wie langsam diese Unternehmen lebenswichtige Ausrüstung an unser Militär und unsere Verbündeten liefern.  Die Rüstungsunternehmen produzierten die militärische Ausrüstung nicht schnell genug und versagten bei ihrer Wartung.

Die Aktie von Lockheed Martin gab am Mittwoch nach Trumps Vorstoß um knapp 5 Prozent ein, Northrop Grumman verlor 5,5 Prozent, die Anteile von General Dynamics gaben um 4 Prozent nach.

Trump verlangt von den Rüstungsmanagern die Errichtung moderner  Produktionswerke. „Solange sie das nicht tun, sollte kein Manager mehr als 5 Millionen Dollar verdienen dürfen – was, so hoch es klingt, nur ein Bruchteil dessen ist, was sie jetzt verdienen.“ Er werde weder hohe Gehälter noch Dividenden und Aktienrückkäufe bei Rüstungsunternehmen zulassen, bis diese Probleme behoben seien. Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth, und das Pentagon haben wiederholt ihre Beschwerden über Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei Rüstungsprojekten zum Ausdruck gebracht.

Die Konzerne brüsten sich mit ihrer Ausschüttungspolitik

Amerikas größter Verteidigungskonzern Lockheed Martin  hatte im Oktober verkündet, die Quartalsdividende um 5 Prozent auf 3,45 Dollar je Aktie zu erhöhen. Das war nach Konzernangaben die 23. jährliche Dividendenerhöhung in Folge. Neben den Dividendenzahlungen genehmigte der Lockheed-Verwaltungsrat zusätzliche 2 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe, sodass sich die gesamte Ermächtigung im Rahmen des Rückkaufprogramms auf 9,1 Milliarden Dollar beläuft, so das Unternehmen. Auch die Rüstungskonzerne Northrop Grumman und General Dynamics hatten im vorigen Jahr  Dividendenerhöhungen angekündigt.

James Taiclet, der CEO von Lockheed Martin voriges Jahr knapp 24 Millionen Dollar, Boni, Aktien und Aktienoptionen mit eingerechnet. Kathy Warden, Chefin von Northrop Grumman, verdiente sogar noch etwas mehr.

Die Boni sind aber offenbar nicht genug Anreiz, um vor allem verspätete Auslieferungen zu vermeiden. Das Government Accountability Office (GAO) hat wiederholt darauf hingewiesen, dass speziell bei Lockheed der Einsatz von Leistungs- und Anreizprämien weitgehend wirkungslos war, um pünktliche Lieferungen sicherzustellen.

Gewaltige Vorstandsboni haben Lieferverzögerungen nicht verhindert

Lockheed Martin ist verantwortlich für erhebliche Verzögerungen in seinen großen Flugzeugprogrammen:  vor allem beim F-35 Lightning II und beim F-16 Block 70/72. Die Gründe sind handfest: komplizierte Software-Integration, Störungen in der Lieferkette und Rückschläge bei der Triebwerkszulieferung.

Welche rechtliche Handhabe der Präsident hat, Ausschüttungen und Vorstandsvergütungen zu limitieren, ist nicht ganz klar. Er plant offenbar eine Executive Order, deren Rechtswirkung allerdings ungewiss ist. Ein Ausschüttungsverbot könnte im Konflikt mit der Verpflichtung der Vorstände stehen, die Interessen der Aktionäre zu wahren. Das Pentagon hat einen Hebel als wichtigster Kunde der Industrie, der allerdings begrenzte Wirkung hat. Nach einer Konsolidierungswelle ist das Pentagon in manchen Sektoren mit Monopolen konfrontiert, auf dessen Dienste er angewiesen ist.