US-Late-Night-Talker zu Irankrieg: „Tut mir leid, dass ich die Stimmung verderbe“

„Wenn Sie ein Hundertstel dessen, was Sie gerade gesagt haben, in Iran sagen würden, wäre Ihre Strafe die Hinrichtung“, sagte Jafar Panahi, als er am Montagabend zu Gast in der „Daily Show“ von Jon Stewart war. Der Regisseur, der mit seinem Film „It Was Just an Accident“ für den Oscar als bester internationaler Film nominiert ist, wurde in Iran mehrfach verhaftet und eingesperrt, weil er das Regime kritisierte. „Tut mir leid, dass ich hier die Stimmung Ihrer Show verderbe“, sagte Panahi.

Das Label „Mess-O-Potomia“ ist wieder da

Zuvor hatte der Moderator Trumps Krieg gegen Iran mit den Worten kritisiert: „Unsere Bomben sind jetzt schlauer als unser Präsident.“ Für Trump heiße „Frieden durch Stärke“ doch wieder „Frieden durch Krieg“. Aber Panahis Einladung zeigte, dass es Stewart nicht darum ging, das Mullah-Regime zu verharmlosen, sondern Trumps mangelnde Abstimmung mit dem Kongress und den Bündnispartnern zu kritisieren. Der Einzige, der „glücklich“ über den Krieg sein könne, sei Israels Ministerpräsident Netanjahu, so Stewart, der sein „Mess-O-Potamia“-Label aus dem „Krieg gegen den Terror“ wiederbelebte. Auf der Plattform X ergänzte seine Redaktion das mit einer Variante des viralen Memes von George W. Bush, der zufrieden aussehend zur Musik wippt, darüber der Schriftzug: „Wenn du nicht mehr der erste Treffer bei der Suchanfrage ‚Nahost-Schlamassel-Präsident‘ bist“.

Auch Stewarts Kollegen griffen Trump an. Dass der Kongress nun nachträglich sein Recht ausüben und über den laufenden Krieg abstimmen soll, das ist für Stephen Colbert so, wie wenn man „das Kondom nach dem Sex anzieht“. Auch auf die beschwichtigenden Journalisten und Außenpolitik-Experten in den Talkshows, die ihre Liebe zur Macht des Faktischen entdecken, spielte er an und versicherte: „Mach dir keine Sorgen, Schatz, wirkt genauso gut.“ Die Rechtfertigungsversuche, die Trumps Alleingang erklären sollen, konterte auch Colbert mit der Erinnerung an das, was ihn vor mehr als 20 Jahren an diesen Platz, auf die Late-Night-Bühne, gebracht habe: die Angriffe von Präsident George W. Bush auf Afghanistan und Irak. Bush habe zumindest mit den Amerikanern kommuniziert, „seinen Krieg wenigstens verkauft“. Trumps Feldzug gegen Iran passiere ohne erkennbaren Plan für ein Ende, sagte Colbert, dessen Show bei CBS im Mai abgesetzt wird.

Jimmy Kimmel erklärt die „Operation Epsteino Distracto“

Auch Jimmy Kimmel kritisierte bei ABC den Präsidenten, warf ihm vor, von den Epstein-Akten ablenken zu wollen: „Operation Epsteino Distracto“. „Was machst du, wenn dein bester Freund ein Pädophiler war? Waffen der Massenablenkung abfeuern“, lästerte Kimmel. Er gab die Haltung vieler Menschen in den USA wieder, als er mit Blick auf den Tod Ali Khameneis sagte: „Ich nehme an, wir können uns alle wahrscheinlich darauf einigen, dass die Welt ohne den Ajatollah ein besserer Ort ist.“ Die Frage sei nur, warum Iran jetzt sofort attackiert werden musste, ohne die Zustimmung des Kongresses einzuholen. Ähnliche Kritik gab es bei Seth Meyers und Jimmy Fallon, beide bei NBC.

Am Wochenende hatte dort schon „Saturday Night Live“ auf den Krieg reagiert. James Austin Johnson hatte in seiner Rolle als Präsident mit weißer USA-Basecap gegrüßt: „Happy Dritten Weltkrieg für alle, die feiern.“ Da Iran „seit 15 Jahren oder so“ knapp vorm Produzieren der Atombombe gestanden habe, „machen wir jetzt Krieg“. Colin Jost gab am „Weekend Update Desk“ den etwas ratlosen Nachrichtensprecher: Um sich die Lage zu erklären, schalte man nun zu einem Experten – eingeblendet wurde ein Video von Trump aus dem Jahr 2011, als der über Präsident Barack Obama herzog. Dieser sei schwach, unfähig und werde „einen Krieg gegen Iran starten, weil er absolut kein Verhandlungsgeschick besitzt“.

Die Witze der Late-Night-Hosts mögen für alle, die Trumps Kehrtwenden verfolgen, erwartbar sein. Doch rufen sie in Erinnerung, wie oft der Präsident Wahlversprechen gebrochen hat. Die Comedians haben nicht erst in der Trump-Ära die Rolle der Erklärer und Kritiker übernommen, wo man das von Sendern wie CBS immer weniger erwarten kann. Auch wenn es beim Witzeln über Politik und Trump zu moralischen Vereinfachungen und Überspitzungen kommt: Gerade im Krieg, wenn viele Medien Zurückhaltung gegenüber den Entscheidungen des Präsidenten üben und manche Gewaltenteilung und Völkerrecht zu Nebensachen erklären, kann Humor das Bild schärfer stellen.

Source: faz.net