US-Konzern Chevron: Die schwierigen Ölgeschäfte in Venezuela

Präsident Donald Trump hat die Chefs der US-Ölkonzerne aufgefordert, nach dem Sturz von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro den Energiesektor des Landes wieder aufzubauen. Kein Unternehmen scheint dafür besser prädestiniert zu sein als Chevron. Der zweitgrößte amerikanische Ölkonzern hinter Exxon-Mobil ist der einzige ausländische Ölgigant, der über die Jahre in Venezuela ausgeharrt hat. Exxon-Mobil und Conoco-Phillips hatten die Segel gestrichen, nachdem der frühere Präsident Hugo Chávez die Branche verstaatlicht und ihre Vermögenswerte 2007 beschlagnahmt hatte.
Venezuela hat gewaltiges Potential
Chevron bildet ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Petróleos de Venezuela. Das Gemeinschaftsunternehmen steht nach Berechnungen von JP Morgan für rund ein Viertel der Ölförderung in Venezuela. „Das Unternehmen wäre in einer vorteilhaften Position, um die künftige Förderung potentiell auszuweiten, da es über seine Joint Ventures über erhebliche Ölressourcen verfügt und ein zentraler Entwickler der Energieinfrastruktur des Landes war“, schrieb JP-Morgan-Analyst Arun Jayaram am Montag. Die Chevron-Aktien machten dementsprechend kurz nach der US-Intervention einen Kurssprung, büßten am Montag aber einen Großteil der Gewinne wieder ein.
Oberflächlich betrachtet ist die Lage attraktiv. Venezuela hat gewaltiges Potential. Kein Land verfügt über größere Ölreserven. Dazu kommen gewaltige Erdgasvorkommen, die bisher kaum ausgeschöpft wurden. Doch die Wiederbelebung des Sektors erfordert gewaltige Investitionen von einer Branche, die sich zurzeit große Kostendisziplin auferlegt hat.
Aktuell fördert Venezuela rund 900.000 Barrel Öl am Tag. In den Neunzigerjahren produzierte das Land die vierfache Menge. Allein um eine Förderung von 1,1 Millionen Barrel pro Tag in den nächsten 15 Jahren zu halten, wären nach Schätzungen der Beratung Rystad Energy Investitionen von 53 Milliarden Dollar nötig. Die erforderlichen Ausgaben, um bis 2040 drei Millionen Barrel am Tag zu erreichen, würden sich laut Rystad mehr als verdreifachen.
Chevron durchläuft gerade ein Sanierungsprogramm, das die Kosten bis Ende 2026 um bis zu drei Milliarden Dollar senken soll. Der Konzern will seine Belegschaft um bis zu 20 Prozent reduzieren. Das Programm folgt der Prognose, dass der Ölpreis auf absehbare Zeit niedrig bleibt. Umso vorsichtiger planen die Konzerne Investitionen und wägen Risiken ab.
Die Trump-Regierung hat nach der Entführung Maduros das alte Regime im Amt gelassen. Damit sind die Politiker, Beamten und korrupten Richter weiter an den Schaltstellen der Macht, die US-Konzerne enteigneten. Delcy Rodríguez, die in Venezuela die Regierung übernahm, kündigte am Wochenende an, sie werde die Ressourcen des Landes verteidigen. Sie erklärte später aber, dass sie mit den USA kooperieren wolle.
Einen kleinen Erfolg konnte Trump vermelden: Nach seinen Angaben würden venezolanische Behörden zwischen 30 und 50 Millionen Barrel sanktioniertes Öl an die USA „übergeben“. „Dieses Öl wird zum Marktpreis verkauft, und dieses Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Nutzen der Menschen in Venezuela und in den Vereinigten Staaten verwendet wird!“, schrieb Trump in einem Social-Media-Beitrag.