US-Kontrolle jenseits Kuba: Ein 200 Jahre alter Traum

Er könne mit Kuba machen, was er wolle, hat Donald Trump diese Woche gesagt. Doch was er mit der größten Karibikinsel machen will, hat er nicht ausgeführt. Will er den gegenwärtigen Präsidenten absägen? Will er die kommunistische Führung stürzen und das System ändern? Oder will er Kuba gar zum 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten machen? Der Traum, Kuba müsse, wenn nicht zu den USA gehören, so aber doch von Washington dominiert werden, ist dabei schon fast so alt wie die Vereinigten Staaten.

Im 18. Jahrhundert war das Verhältnis zwischen Kuba und den britischen Kolonien in Nordamerika, die dann 1776 zu den Vereinigten Staaten wurden, von gegenseitigem Handel geprägt. Die USA wurden – abgesehen vom spanischen Mutterland – zum wichtigsten Handelspartner der damaligen spanischen Kolonie.

Einigen Amerikanern reichte das aber nicht aus. 1820 sagte Thomas Jefferson, die Vereinigten Staaten sollten die erste Möglichkeit nutzen, Kuba den USA hinzuzufügen. John Quincy Adams, damals Außenminister, sah eine Annexion der Insel binnen 50 Jahren als sehr wahrscheinlich an. Kuba müsse nur von Spanien getrennt werden, dann würde die Insel den Vereinigten Staaten in den Schoß fallen wie ein Apfel, den man vom Zweig schneidet. Präsident James Polk ging 1848 noch einen Schritt weiter. Er bot Spanien an, Kuba für die Summe von 100 Millionen Dollar zu kaufen – das entspricht heutzutage rund 4,1 Milliarden Dollar.

Eine Explosion führt zum Krieg

Ob das innenpolitisch durchsetzbar gewesen wäre, ist durchaus fraglich. Kuba war ein Sklavenhalterstaat, hätte das politische Gewicht der Südstaaten in dieser Frage in Washington signifikant erhöht. Dem Erwerb hätten die Nordstaaten also wohl kaum zugestimmt. Spanien lehnte das Angebot aber ohnehin ab.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wurde der wirtschaftliche Austausch zwischen den USA und Kuba noch intensiver. Amerikanische Firmen übernahmen große Teile der kubanischen Wirtschaft, vor allem in der Zuckerindustrie. An einer Unabhängigkeit Kubas von Spanien bestand aber erst einmal kein Interesse, da man in Washington Wert auf stabile Verhältnisse im eigenen Hinterhof legte.

Präsident William McKinley – hier bei seiner Amtseinführung im März 1897– bot Spanien an, Kuba zu kaufen.
Präsident William McKinley – hier bei seiner Amtseinführung im März 1897– bot Spanien an, Kuba zu kaufen.Picture Alliance

1897, auf Kuba wütete ein Unabhängigkeitskrieg, bot der amerikanische Präsident William McKinley Spanien abermals an, die Insel zu kaufen. Dieses Mal sollten es 300 Millionen Dollar sein (rund 12 Milliarden Dollar heutzutage). Die Ablehnung dieses Angebots sowie die Explosion des amerikanischen Kriegsschiffs USS Maine im Hafen von Havanna führten zur Kriegserklärung der USA an Spanien. Der Krieg dauerte von April bis August 1898 und endete mit der Niederlage Spaniens.

Amerika übernimmt die Zuckerindustrie

Mit dem Vertrag von Paris musste Spanien Kuba in die Unabhängigkeit entlassen. Die Vereinigten Staaten besetzten die Insel, ohne sie jedoch zu annektieren. Erst 1902 war Washington bereit, seine Truppen abzuziehen, nachdem Kuba die Wirkung des „Platt Amendment“ anerkannt hatte. Dieses war ein Zusatz zum amerikanischen Haushaltsgesetz für die Armee aus dem Jahr 1901. Darin war festgelegt, dass die Vereinigten Staaten in Kuba intervenieren durften, um „gute Regierungsführung“ sicherzustellen. Außerdem musste Kuba den USA Land für Marinestützpunkte verpachten.

Das „Platt Amendment“ bestimmte die amerikanisch-kubanischen Beziehungen für die nächsten Jahrzehnte. In diesen Jahren mischte sich Washington mehrfach in die inneren Angelegenheiten Kubas ein. 1923 wurde die amerikanische Vertretung in Havanna zu einer Botschaft aufgewertet. Danach galt der amerikanische Botschafter als mindestens der zweitwichtigste Mann auf der Insel.

Hershey war eine der amerikanischen Firmen, die in Kuba investierten – in Havanna gibt es immer noch einen Zug mit Werbung für den Schokoladenhersteller.
Hershey war eine der amerikanischen Firmen, die in Kuba investierten – in Havanna gibt es immer noch einen Zug mit Werbung für den Schokoladenhersteller.AFP

Vor allem ging es den USA um die Sicherung amerikanischer Wirtschaftsinteressen. 1926 waren rund 60 Prozent der kubanischen Zuckerindustrie in amerikanischer Hand, und Amerika importierte 95 Prozent der kubanischen Ernte. 1928 dann war Kuba das Ziel der einzigen Auslandsreise von Calvin Coolidge. Es sollte der letzte Kuba-Besuch eines amerikanischen Präsidenten für fast 100 Jahre bleiben.

Unterstützung gegen die Kommunisten

Zwar trübten sich die Handelsbeziehungen während der Weltwirtschaftskrise ein – es wurden Zölle auf kubanischen Zucker erhoben, was die Krise auf der Insel verstärkte – doch politisch hielten sich die USA zurück. Das lag vor allem an der Politik der guten Nachbarschaft, die Präsident Franklin Roosevelt verfolgte. So hielt Washington auch die Füße still, als Fulgencio Batista die Regierung stürzte und nacheinander mehrere Marionetten an die Spitze des Staats setzte, bevor er selbst das Präsidentenamt übernahm.

Die Allgegenwart amerikanischer Oldtimer – hier in Havanna im März – zeigt den Einfluss, den die USA auf die Insel hatten.
Die Allgegenwart amerikanischer Oldtimer – hier in Havanna im März – zeigt den Einfluss, den die USA auf die Insel hatten.AFP

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kuba zu einem Urlaubsparadies für die Amerikaner. Die Zahl der Touristen nahm immer weiter zu.

1944 verließ Batista nach einer Amtszeit Kuba und reiste in die Vereinigten Staaten. Acht Jahre später kehrte er zurück, stürzte abermals die Regierung und übernahm das Präsidentenamt. Der Unterstützung der Vereinigten Staaten konnte er sich sicher sein, denn auf Kuba gab es eine starke kommunistische Bewegung, die selbst versuchte, an die Macht zu kommen.

Die Invasion wird zum Fiasko

Die USA versorgten Batista in den folgenden Jahren mit Geld und Waffen für seinen Kampf gegen die kommunistischen Rebellen unter Fidel Castro. 1958 aber stellten sie die Hilfe ein, was innerhalb kurzer Zeit zum Sieg der Kommunisten führte. Am Neujahrstag 1959 verließ Batista das Land.

Was man von Fidel Castro, dem neuen starken Mann, halten sollte, wusste man in Washington nicht. Im April 1959 durfte er sogar nach New York reisen und sich als sympathischer Revolutionär präsentieren. Dass Castros politische Vorstellungen allerdings nicht mit den amerikanischen zu vereinbaren waren, wurde schnell klar, als er anfing, amerikanische Unternehmen in Kuba zu verstaatlichen. 1960 reagierten die USA und verhängten ein Handelsembargo gegen die Insel, die sich daraufhin immer weiter der Sowjetunion zuwandte. 1961 folgte der Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Fidel Castro und der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow im September 1962 in New York
Fidel Castro und der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow im September 1962 in New YorkAP

Washington war allerdings nicht bereit, diesen Stachel im Fleisch zu akzeptieren. Im April 1961 landeten deshalb rund 1500 von der CIA ausgebildete Exilkubaner auf der Insel, um das Regime zu stürzen. Die Aktion in der Schweinebucht wurde jedoch zum Fiasko. In der Folge verlegte sich die CIA auf verdeckte Aktivitäten auf der Insel, das Handelsembargo wurde immer weiter ausgeweitet, und ein Reiseverbot kam hinzu.

Wirtschaftliche Probleme nach dem Kalten Krieg

Wie problematisch der kommunistische Vorposten in der Karibik für die USA war, zeigte sich in der Kubakrise 1961. Castro hatte der Sowjetunion gestattet, Atomraketen auf der Insel zu stationieren, was die USA nicht hinnehmen konnten. Präsident John F. Kennedy verhängte eine Seeblockade über die Insel, um die Lieferung weiterer Raketen zu verhindern. Verhandlungen mit Moskau führten dann zum Abbau der Raketen und zu einer Aufhebung der Blockade.

Die Frontstellung blieb den ganzen Kalten Krieg über erhalten, das Handelsembargo wurde in unterschiedlichen Intensitäten aufrechterhalten. In diesen Jahren verließen Hunderttausende Kubaner die Insel, viele siedelten sich in Florida an. Unter Präsident Ronald Reagan wurde Kuba dann sogar auf die Liste derjenigen Staaten gesetzt, die Terror unterstützen.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs und dem Untergang der Sowjetunion bekam Kuba wirtschaftliche Probleme. Unter Präsident Bill Clinton hellten sich denn die Beziehungen ein wenig auf, ehe dessen Nachfolger George W. Bush das Handelsembargo wieder intensivierte.

Trump verfolgt eine harte Politik

2008 trat Fidel Castro ab und übergab das Zepter an seinen Bruder Raul. Ein Jahr später wurde Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten gewählt. 2013 kam es zu einem Handschlag der beiden bei einer Gedenkfeier für den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela. 2015 wurde Kuba von der Liste der Terrorunterstützer genommen, und ein Jahr später besuchte Obama die Insel – als erster amerikanischer Präsident seit 1928.

Raul Castro und Barack Obama bei der Gedenkfeier für Nelson Mandela im Dezember 2013 in Soweto
Raul Castro und Barack Obama bei der Gedenkfeier für Nelson Mandela im Dezember 2013 in SowetoAP

Die Erleichterungen des Handelsembargos und im Reiseverkehr, die Obama umgesetzt hatte, nahm dessen Nachfolger Donald Trump dann jedoch wieder zurück. Unter Joe Biden gab es wiederum Reiseerleichterungen, die Trump in seiner zweiten Amtszeit umgehend zurücknahm. Auch hat Trump in seinen beiden Amtszeiten Kuba wieder auf die Terrorunterstützerliste setzen lassen.

Trump verfolgt in seiner zweiten Amtszeit eine harte Politik gegen das kommunistische Regime auf Kuba. Seit der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten im Januar bekommt Kuba kein Öl mehr. Das Land wird von Stromausfällen gebeutelt, die Führung steht unter Druck, und Trump frohlockt: „Ich denke, ich werde die Ehre haben, Kuba zu nehmen“, sagte er.

Source: faz.net